III, 119. Graf Szécsen an Grafen Berchtold, 3. August 1914

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Telegramm Nr. 153


P a r i s , den 3. August 1914
Aufg. 12 Uhr 20 M. p. m.
Eingetr. 9 Uhr • / . a. m. 4./8.


C h i f f r e


Situation fängt an, recht bedenklich zu werden, der Pöbel plündert und zerstört deutsche und österreichisch¬ungarische Geschäfte, unsere Nationalen werden aus den Wohnungen geworfen, sind obdach und mittellos auf der Straße, können nicht abreisen.

Selbst die Mitglieder der Botschaft können kaum mehr wagen, sich auf der Straße zu zeigen oder eine Restauration zu besuchen.

Deutsche Botschaft verhältnismäßig noch übler daran, bittet, obiges Berlin weiterzugeben, da sie nicht weiß, ob ihre Telegramme ankommen.

Habe wegen dieser Zustände soeben energisch bei Ministerpräsidenten reklamiert. Derselbe begann mit Klagen über angeblichen Friedensbruch Deutschlands. Ich antwortete, daß zwischen der Monarchie und Frankreich jedenfalls derzeit Friede existiere, aber daß selbst im nichterwünschten Kriegsfalle diplomatische Vertretung und Nichtkombattanten, Frauen und Kinder Recht auf völkerrechtlichen Schutz hätten. Ich wies darauf hin, daß Herr Dumaine und französische Kolonie in Wien generoser behandelt werden wie wir hier.

Ministerpräsident sprach Bedauern über Vorfälle aus und versprach, daß die Ruhe nicht mehr gestört werden würde.

Besprechung verlief in der freundschaftlichsten Form; Minister lud mich ein, auch in kleinen Fragen, wenn zum Beispiel Lieferanten patriotische Schwierigkeiten machen sollten, mich direkt an ihn zu wenden.

Ich brachte neuerdings Frage der Heimsendung unserer Staatsangehörigen zur Sprache. Minister stellte tunlichste Abhilfe in Aussicht.

Ich bitte Euer Exzellenz, mir bis auf weiteres regelmäßig alle Tage zu telegraphieren, um sicher zu sein, daß die Verbindung nicht unterbrochen. Ich muß mit der Möglichkeit rechnen, daß, wenn keine telegraphische Verbindung mehr möglich, eventuell selbständig vorgehen muß.



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