III, 40. Graf Szécsen an Grafen Berchtold, 30. Juli 1914

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Telegramm Nr. 139


P a r i s , den 30. Juli 1914           
Aufg. 11 Uhr 30 M. p. m.           
Eingetr. 9 Uhr • / . a. m. 31./7.           


C h i f f r e


Serbien.

Hatte heute lange Unterredung mit Herrn Viviani, der sich friedlich und versöhnlich äußerte und meine eingehenden Ausführungen über Haltung Serbiens, die Ursachen, warum wir Antwort Herrn Pašic nicht akzeptieren konnten, sehr aufmerksam anhörte.

Seine Hauptthese war, man wisse jetzt nicht, was wir wollen, und so sei jeder Vermittlung der Weg versperrt. Ich antwortete, wir hätten Serbien unsere Forderungen sehr deutlich mitgeteilt, nachdem sie nicht erfüllt wurden, sei aber der Kriegszustand eingetreten.

Als persönliche Ansicht fügte ich bei, daß, wenn Serbien geneigt wäre, nachzugeben, es leicht Mittel finden könne, um in Wien anzufragen, welche Bedingungen wir jetzt stellen.

Was geschieht aber mit Rußland? frug Ministerpräsident. Ich sagte, wir hätten von Rußland nichts verlangt und wünschten nur, daß es sich nicht einmische.

Minister meinte, man müsse trachten, eine Lösung zu finden, die Rußland eine Demütigung erspare. Er kam auf englischen Vorschlag der Beratung der vier Botschafter zurück. Ich antwortete, derselbe sei bisher nicht sehr klar.

Minister dementierte entschieden hiesige Zeitungsnachrichten über französische Mobilisierung. Ich wies auf diesbezügliches, von Rußland gegebenes Beispiel hin, dessen mögliche Folgen Minister als sehr gefährlich bezeichnete.

Ich sagte, es wäre sehr nützlich, wenn Rußland Mobilisierung nicht fortsetzen und diesbezüglich beruhigende Erklärungen abgeben würde.

Minister meinte, Rußland müßte früher darüber beruhigt werden, daß wir Serbien nicht vernichten wollen.



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