Difference between revisions of "I, 1. Handschreiben Kaiser und König Franz Josephs an Kaiser Wilhelm, 2. Juli 1914"

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haben, daß an eine Versöhnung des Gegensatzes, welcher Serbien von uns trennt, nicht mehr zu denken ist, und daß die erhaltende Friedenspolitik aller europaischen Monarchen bedroht sein wird, solange dieser Herd von verbrecherischer Agitation in Belgrad ungestraft fortlebt.  
 
haben, daß an eine Versöhnung des Gegensatzes, welcher Serbien von uns trennt, nicht mehr zu denken ist, und daß die erhaltende Friedenspolitik aller europaischen Monarchen bedroht sein wird, solange dieser Herd von verbrecherischer Agitation in Belgrad ungestraft fortlebt.  
  
Siehe [[Beilage zu I, 1: Denkschrift zum Handschreiben Kaiser und König Franz Josephs an Kaiser Wilhelm, 2. Juli 1914]]
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<b>Siehe [[Beilage zu I, 1: Denkschrift zum Handschreiben Kaiser und König Franz Josephs an Kaiser Wilhelm, 2. Juli 1914]]</b>
  
 
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<center><strong>Denkschrift</strong></center><br><br>
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<dd></dd>Nach den gro&szlig;en Ersch&uuml;tterungen der letzten zwei Jahre haben sich die Verh&auml;ltnisse am Balkan so weit gekl&auml;rt, da&szlig; es nun m&ouml;glich ist, die Ergebnisse der Krise einigerma&szlig;en zu &uuml;bersehen und festzustellen, inwiefern die Interessen des Dreibundes, insbesondere die der beiden zentralen Kaiserm&auml;chte, durch die Ereignisse tangiert wurden, und welche Schlu&szlig;folgerungen sich f&uuml;r die europ&auml;ische und Balkanpolitik dieser Machte ergeben.
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</center>
 
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<dd></dd>Wenn man die heutige Situation mit jener vor der gro&szlig;en Krise unbefangen vergleicht, mu&szlig; man konstatieren, da&szlig; das Gesamtergebnis, vom Standpunkte &Ouml;sterreich-Ungarns sowie des Dreibundes aus betrachtet, keineswegs als g&uuml;nstig bezeichnet werden kann.
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<dd></dd>Die Bilanz weist allerdings einige Aktivposten auf. Es ist gelungen, als Gegengewicht gegen
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das Vordringen Serbiens ein selbst&auml;ndiges albanesisches Staatswesen zu schaffen, das nach einer
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Reihe von Jahren, wenn seine innere Organisation vollendet sein wird, immerhin auch als
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milit&auml;rischer Faktor in den Kalk&uuml;l des Dreibundes eingestellt werden kann. Die Beziehungen des
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Dreibundes zu dem erstarkten und vergr&ouml;&szlig;erten griechischen K&ouml;nigreiche haben sich allm&auml;hlich
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so gestaltet, da&szlig; Griechenland, trotz seines B&uuml;ndnisses mit Serbien, nicht unbedingt als Gegner
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anzusehen ist.
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<dd></dd>Haupts&auml;chlich ist aber infolge der Entwicklung, die zum zweiten Balkankrieg gef&uuml;hrt hat,
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Bulgarien aus der russischen Hypnose erwacht und kann heute nicht mehr als Exponent der
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russischen Politik gelten. Die bulgarische Regierung strebt im Gegenteile an, in ein n&auml;heres
+
Verh&auml;ltnis zum Dreibund zu treten.
+
 
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<dd></dd>Diesen g&uuml;nstigen Momenten stehen jedoch nachteilige gegen&uuml;ber, die schwerer als jene ins
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Gewicht fallen. Die T&uuml;rkei, deren Interessengemeinschaft mit dem Dreibunde von selbst gegeben
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war, und die ein starkes Gegengewicht gegen Ru&szlig;land und die Balkanstaaten dargestellt hatte, ist
+
aus Europa fast ganz verdr&auml;ngt worden und hat eine wesentliche Einbu&szlig;e an ihrer
+
Gro&szlig;machtstellung erlitten. Serbien, dessen Politik seit Jahren von feindlichen Tendenzen gegen
+
&Ouml;sterreich-Ungarn geleitet wird, und das ganz unter russischem Einflusse steht, hat einen
+
Zuwachs an Gebiet und Bev&ouml;lkerung erreicht, der die eigenen Erwartungen weit &uuml;bertroffen hat;
+
durch die territoriale Nachbarschaft zu Montenegro und das allgemeine Erstarken der
+
gro&szlig;serbischen Idee ist die M&ouml;glichkeit einer weiteren Vergr&ouml;&szlig;erung Serbiens im Wege der
+
Union mit Montenegro naheger&uuml;ckt. Endlich hat sich im Laufe der Krise das Verh&auml;ltnis
+
Rum&auml;niens zum Dreibunde wesentlich ge&auml;ndert.
+
 
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<dd></dd>W&auml;hrend die Balkankrise somit zu Resultaten gef&uuml;hrt hat, die an sich schon f&uuml;r den Dreibund
+
keineswegs g&uuml;nstig sind und den Keim einer speziell f&uuml;r &Ouml;sterreich-Ungarn unerw&uuml;nschten
+
weiteren Entwicklung in sich schlie&szlig;en, sehen wir andererseits, da&szlig; die russische und franz&ouml;sische
+
Diplomatie eine einheitliche und planm&auml;&szlig;ige Aktion eingeleitet hat, um die errungenen Vorteile
+
weiter auszugestalten und einzelne von ihrem Standpunkte nachteilige Momente zu modifizieren.
+
 
+
<dd></dd>Ein kurzer &Uuml;berblick &uuml;ber die europ&auml;ische Lage l&auml;&szlig;t klar erkennen, weshalb die Triple-Entente
+
-- richtiger der Zweibund, denn England hat seit der Balkankrise aus erkl&auml;rlichen und sehr
+
bezeichnenden Gr&uuml;nden eine reservierte Haltung eingenommen -- sich mit den zu ihren Gunsten
+
eingetretenen Verschiebungen am Balkan nicht zufrieden geben konnte.
+
 
+
<dd></dd>W&auml;hrend die Politik der beiden Kaiserm&auml;chte und bis zu einem gewissen Grade auch jene
+
Italiens eine konservative ist und der Dreibund einen rein defensiven Charakter besitzt, verfolgt
+
die Politik Ru&szlig;lands wie Frankreichs gewisse gegen das Bestehende gerichtete Tendenzen und ist
+
das russisch-franz&ouml;sische B&uuml;ndnis, als Produkt des Parallelismus dieser Tendenzen, in letzter Linie
+
offensiver Natur. Da&szlig; die Politik des Dreibundes sich bisher durchsetzen konnte und der Friede
+
Europas vor St&ouml;rungen durch Ru&szlig;land und Frankreich bewahrt blieb, war auf die milit&auml;rische
+
Superiorit&auml;t zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, welche die Heere des Dreibundes, vor allem &Ouml;sterreich-Ungarns und
+
Deutschlands, gegen&uuml;ber jenen Ru&szlig;lands und Frankreichs unzweifelhaft besa&szlig;en, wobei das
+
B&uuml;ndnis Rum&auml;niens mit den Kaiserm&auml;chten ein hoch zu bewertender Faktor war.
+
 
+
<dd></dd>Der Gedanke, die christlichen Balkanv&ouml;lker von der t&uuml;rkischen Herrschaft zu befreien, um sie
+
dann als Waffe gegen Zentraleuropa zu gebrauchen, ist seit altersher der realpolitische
+
Hintergrund des traditionellen Interesses Ru&szlig;lands f&uuml;r diese V&ouml;lker. In neuerer Zeit hat sich
+
hieraus die von Ru&szlig;land ausgegangene, von Frankreich verst&auml;ndnisvoll aufgenommene Idee
+
entwickelt, die Balkanstaaten zu einem Balkanbund zu vereinigen, um auf diese Weise die
+
milit&auml;rische Superiorit&auml;t des Dreibundes aus der Welt zu schaffen. Die erste Vorbedingung f&uuml;r die
+
Verwirklichung dieses Planes war, da&szlig; die T&uuml;rkei aus den von den christlichen Balkannationen
+
bewohnten Gebieten verdr&auml;ngt werde, damit die Kraft dieser Staaten vermehrt und nach Westen
+
hin frei werde. Diese Vorbedingung ist durch den letzten Krieg im gro&szlig;en und ganzen erf&uuml;llt
+
worden. Dagegen ist nach dem Ausgange der Krise eine Spaltung der Balkanstaaten in zwei
+
ann&auml;hernd gleich starke gegnerische Gruppen, die T&uuml;rkei und Bulgarien einerseits, die beiden
+
serbischen Staaten, Griechenland und Rum&auml;nien andererseits, eingetreten.
+
 
+
<dd></dd>Diese Spaltung zu beseitigen, um alle Balkanstaaten oder doch die entscheidende Mehrzahl zur
+
Verschiebung des &nbsp; e u r o p &auml; i s c h e n &nbsp; Kr&auml;fteverh&auml;ltnisses verwenden zu k&ouml;nnen, bildete die
+
n&auml;chste Aufgabe, die sich nach dem Abschlu&szlig; der Krise Ru&szlig;land und mit ihm Frankreich stellte.
+
 
+
<dd></dd>Da zwischen Serbien und Griechenland ein B&uuml;ndnis bereits bestand und Rum&auml;nien sich mit
+
diesen beiden Staaten wenigstens hinsichtlich der Resultate des Bukarester Friedens solidarisch
+
erkl&auml;rt hatte, handelt es sich f&uuml;r die Zweibundm&auml;chte im Wesen darum, den tiefen Gegensatz
+
Bulgariens zu Griechenland und vor allem zu Serbien in der mazedonischen Frage auszugleichen,
+
ferner eine Basis zu finden, auf welcher Rum&auml;nien bereit w&auml;re, ganz ins Lager des Zweibundes
+
abzuschwenken, und selbst mit dem mi&szlig;trauisch beobachteten Bulgarien an &nbsp; e i n e r &nbsp; politischen
+
Kombination teilzunehmen, endlich, wenn m&ouml;glich, eine friedliche Losung der Inselfrage
+
herbeizuf&uuml;hren, um eine Ann&auml;herung oder den Anschu&szlig; der T&uuml;rkei an die Balkanstaaten
+
anzubahnen.
+
 
+
<dd></dd>&Uuml;ber die Grundlage, auf welcher sich nach den Absichten der russischen und franz&ouml;sischen
+
Diplomatie die Ausgleichung dieser Gegens&auml;tze und Rivalit&auml;ten vollziehen und der neue
+
Balkanbund aufbauen soll, kann kein Zweifel bestehen. Ein B&uuml;ndnis der Balkanstaaten kann sich
+
unter den heutigen Verh&auml;ltnissen, da eine gemeinsame Aktion gegen die T&uuml;rkei nicht mehr in
+
Betracht kommt, nur gegen &Ouml;sterreich-Ungarn richten und nur auf der Basis eines Programmes
+
zustande gebracht werden, das in letzter Linie auf Kosten der territorialen Integrit&auml;t der
+
Monarchie allen Teilnehmern durch eine staffelweise Verr&uuml;ckung der Grenzen von Ost nach West
+
Gebietserweiterungen in Aussicht stellt. Eine Einigung der Balkanstaaten auf einer anderen
+
Grundlage ist kaum denkbar, auf dieser Basis aber nicht nur nicht ausgeschlossen, sondern auf
+
bestem Wege, zur Tatsache zu werden.
+
 
+
<dd></dd>Da&szlig; Serbien unter russischem Druck darauf eingehen w&uuml;rde, f&uuml;r den Eintritt Bulgariens in ein
+
gegen die Monarchie gerichtetes, auf den Erwerb Bosniens und der angrenzenden Gebiete
+
abzielendes B&uuml;ndnis in Mazedonien einen angemessenen Preis zu bezahlen, ist wohl nicht zu
+
bezweifeln.
+
 
+
<dd></dd>Gr&ouml;&szlig;er sind die Schwierigkeiten in Sofia.
+
 
+
<dd></dd>Ru&szlig;land hat Bulgarien Vorschl&auml;ge auf der eben erw&auml;hnten Basis schon vor dem zweiten
+
Balkankrieg gemacht und sie nach dem Bukarester Frieden wiederholt. Bulgarien, das offenbar
+
von Vereinbarungen mit Serbien gr&uuml;ndlich abgeschreckt war, hat es jedoch abgelehnt, auf die
+
russischen Pl&auml;ne einzugehen, und verfolgt seither eine Politik, welche auf alles eher als auf eine
+
friedliche Verst&auml;ndigung mit Serbien unter der &Auml;gide Ru&szlig;lands abzielt. Man hat in St. Petersburg
+
das Spiel aber keineswegs verlorengegeben. Im Innern des Landes arbeiten russische Agenten am
+
Sturze des heutigen Regimes, und gleichzeitig ist die Zweibund-Diplomatie eifrig bem&uuml;ht, eine
+
v&ouml;llige Isolierung Bulgariens herbeizuf&uuml;hren, um es hierdurch den russischen Angeboten
+
zug&auml;nglich zu machen.
+
 
+
<dd></dd>Da Bulgarien nach dem Friedensschlusse bei der T&uuml;rkei Anlehnung gesucht und gefunden, und
+
da sich bei der Pforte andererseits die Neigung gezeigt hatte, ein B&uuml;ndnis mit Bulgarien
+
einzugehen und sich dem Dreibunde zu n&auml;hern, so ist russisch-franz&ouml;sischer Einflu&szlig; seit einiger
+
Zeit am Bosporus eifrig am Werk, um dieser Politik der T&uuml;rkei entgegenzuarbeiten, letztere zum
+
Zweibund hin&uuml;berzuziehen und auf diese Art Bulgarien entweder durch v&ouml;llige Isolierung oder
+
durch Einwirkung der T&uuml;rkei zu einer neuen Orientierung zu veranlassen. Meldungen aus
+
Konstantinopel, die durch die Reise Talaat Beys nach Livadia eine gewisse Best&auml;tigung erfahren
+
haben, best&auml;tigen, da&szlig; diese Bem&uuml;hungen, wenigstens was die T&uuml;rkei betrifft, nicht ohne Erfolg
+
geblieben sind. Es ist Ru&szlig;land gelungen, durch den Hinweis auf die angeblichen, den
+
kleinasiatischen Besitzstand bedrohenden Aufteilungspl&auml;ne anderer M&auml;chte das historische
+
Mi&szlig;trauen der T&uuml;rkei von sich abzulenken und mit wirksamer Unterst&uuml;tzung Frankreichs, das die
+
Finanznot der T&uuml;rkei auszunutzen verstand, zu erreichen, da&szlig; anstatt eines Zusammengehens mit
+
dem Dreibund der Gedanke einer Ann&auml;herung an die andere M&auml;chtegruppe von den t&uuml;rkischen
+
Staatsm&auml;nnern in ernste Erw&auml;gung gezogen wird.
+
 
+
<dd></dd>Auf die T&auml;tigkeit der russischen und franz&ouml;sischen Diplomatie ist auch die Reise Talaat Beys
+
nach Bukarest zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, durch welche eine rum&auml;nische Vermittlung in der Inselfrage
+
herbeigef&uuml;hrt, gleichzeitig aber auch durch die Anbahnung freundschaftlicher Beziehungen
+
zwischen Konstantinopel und Bukarest die Einkreisung Bulgariens gef&ouml;rdert werden sollte.
+
 
+
<dd></dd>Einstweilen hat sich eine Wirkung dieser Einkreisungsbestrebungen auf die bulgarische Politik
+
noch nicht gezeigt, vielleicht deshalb, well man in Sofia noch keinen Anla&szlig; hatte, gegen die
+
Absichten der T&uuml;rkei mi&szlig;trauisch zu werden. Jedenfalls ist aber die Erwartung Ru&szlig;lands
+
vollkommen gerechtfertigt, da&szlig; eine v&ouml;llige Isolierung am Balkan wie in Europa Bulgarien
+
schlie&szlig;lich n&ouml;tigen w&uuml;rde, seine bisherige Politik aufzugeben und auf die Bedingungen
+
einzugehen, die ihm Ru&szlig;land f&uuml;r die Wiederaufnahme in seinen Schutz und Schirm auferlegen
+
w&uuml;rde.
+
 
+
<dd></dd>Mazedonien spielt in der inneren und &auml;u&szlig;eren Politik Bulgariens eine proeminente [<i>sic</i>] Rolle. Wenn
+
es sich f&uuml;r die dortigen Machthaber herausstellen sollte, da&szlig; der von Ru&szlig;land proponierte
+
friedliche Ausgleich und das B&uuml;ndnis mit Serbien der &nbsp; e i n z i g e &nbsp; Weg ist, wenigstens Teile
+
Mazedoniens f&uuml;r die bulgarische Sache zu retten, wird trotz der erlittenen Entt&auml;uschungen keine
+
bulgarische Regierung es wagen k&ouml;nnen, diese Kombinationen zur&uuml;ckzuweisen. Nur eine Aktion,
+
die Bulgarien den russischen Drohungen und Lockungen gegen&uuml;ber das R&uuml;ckgrat st&auml;rkt und das
+
Land vor Isolierung bewahrt, k&ouml;nnte verhindern, da&szlig; Bulgarien schlie&szlig;lich auf die
+
Balkanbundpl&auml;ne eingeht.
+
 
+
<dd></dd>Was nun Rum&auml;nien anbelangt, so hatte dort die russisch-franz&ouml;sische Aktion schon w&auml;hrend
+
der Balkankrise mit voller Intensit&auml;t eingesetzt, sie hatte die &ouml;ffentliche Meinung durch
+
erstaunliche Verdrehungsk&uuml;nste und durch geschickte Anfachung der unter der Oberfl&auml;che stets
+
fortglimmenden gro&szlig;rum&auml;nischen Idee in eine feindselige Stimmung gegen die Monarchie
+
hineingetrieben und die ausw&auml;rtige Politik Rum&auml;niens zu einer mit seinen Bundespflichten
+
gegen&uuml;ber &Ouml;sterreich-Ungarn kaum in Einklang stehenden milit&auml;rischen Kooperation mit Serbien
+
veranla&szlig;t.
+
 
+
<dd></dd>Diese Aktion ist seither keineswegs zum Stillstand gekommen, sie wurde und wird vielmehr
+
mit allem Nachdruck und mit so eindrucksvollen und demonstrativen Mitteln, wie dem Besuche
+
des Zaren am rum&auml;nischen Hofe, fortgesetzt.
+
 
+
<dd></dd>Parallel damit vollzog sich ein immer tiefer gehender Umschwung in der rum&auml;nischen
+
&ouml;ffentlichen Meinung, und es kann heute nicht daran gezweifelt werden, da&szlig; weite Kreise der
+
Armee, der Intelligenz und des Volkes f&uuml;r eine neue Orientierung Rum&auml;niens gewonnen sind, f&uuml;r
+
eine Politik des Anschlusses an Ru&szlig;land, die sich »Befreiung der Br&uuml;der jenseits der
+
Karpathen« zum Ziele zu setzen hatte. Es ist klar, da&szlig; damit das Terrain fur den Eintritt
+
Rum&auml;niens in einen etwaigen k&uuml;nftigen Balkanbund in der wirksamsten Weise vorbereitet ist.
+
 
+
<dd></dd>Das offizielle Rum&auml;nien hat bisher dem Einflusse dieser popul&auml;ren Str&ouml;mungen und den
+
russisch-franz&ouml;sischen Werbungen so weit widerstanden, da&szlig; von einem &nbsp; o f f e n e n &nbsp; &Uuml;bergang ins
+
Lager des Zweibundes und von einer ausgesprochenen Politik  gegen &Ouml;sterreich-Ungarn derzeit
+
noch nicht gesprochen werden kann. Es ist aber unleugbar, da&szlig; in der ausw&auml;rtigen Politik
+
Rum&auml;niens eine bedeutsame Schwenkung eingetreten ist, die -- ganz abgesehen von allen
+
Perspektiven auf eine k&uuml;nftige, in gleicher Richtung fortschreitende Entwicklung -- schon jetzt auf
+
die politische und milit&auml;rische Situation &Ouml;sterreich-Ungarns, ja des ganzen Dreibundes, in
+
betr&auml;chtlichem Ma&szlig;e zur&uuml;ckwirkt.
+
 
+
<dd></dd>W&auml;hrend n&auml;mlich fr&uuml;her, trotz der Geheimhaltung des Allianzverh&auml;ltnisses, kein positiver
+
Anhaltspunkt vorlag, an der Erf&uuml;llung der aus dem Akkord mit den Dreibundm&auml;chten
+
entspringenden Verpflichtungen durch Rum&auml;nien zu zweifeln, haben kompetente rum&auml;nische
+
Stellen in letzter Zeit mehrfach die &ouml;ffentliche Erkl&auml;rung abgegeben -- wogegen die
+
Dreibundm&auml;chte infolge der Geheimhaltungsklausel des B&uuml;ndnisvertrages keine Rekriminationen
+
erheben konnten --, da&szlig; der leitende Gedanke der rum&auml;nischen Politik das Prinzip der freien Hand
+
sei. Ebenso hat K&ouml;nig Carol mit der Offenheit, die seiner vornehmen Gesinnung entspricht, dem k.
+
u. k. Gesandten erkl&auml;rt, solange er lebe, werde sein Streben zwar dahin gehen, da&szlig; die rum&auml;nische
+
Armee gegen &Ouml;sterreich-Ungarn nicht ins Feld ziehe, allein gegen die &ouml;ffentliche Meinung des
+
heutigen Rum&auml;nien k&ouml;nne er nicht Politik machen, und es sei daher im Falle eines Angriffes
+
Ru&szlig;lands gegen die Monarchie trotz des bestehenden B&uuml;ndnisses an eine Aktion Rum&auml;niens an
+
der Seite &Ouml;sterreich-Ungarns nicht zu denken. Um einen Schritt weiter ist -- bezeichnenderweise
+
unmittelbar nach dem Zarenbesuche in Constantza -- der rum&auml;nische Minister des &Auml;u&szlig;ern
+
gegangen, indem er in einem Interview unverbl&uuml;mt zugab, da&szlig; eine Ann&auml;herung Rum&auml;niens an
+
Ru&szlig;land erfolgt sei, und da&szlig; eine Interessengemeinschaft zwischen den beiden Staaten bestehe.
+
 
+
<dd></dd>Das Verh&auml;ltnis &Ouml;sterreich-Ungarns zu Rum&auml;nien ist somit gegenw&auml;rtig dadurch
+
charakterisiert, da&szlig; die Monarchie ganz auf dem Boden des B&uuml;ndnisses steht und nach wie vor
+
bereit ist, Rum&auml;nien, wenn der Casus foederis eintreten sollte, mit ganzer Macht zu unterst&uuml;tzen,
+
da&szlig; Rum&auml;nien aber sich von den B&uuml;ndnispflichten einseitig lossagt und der Monarchie lediglich
+
eine neutrale Haltung in Aussicht stellt. Selbst die blo&szlig;e Neutralit&auml;t Rum&auml;niens ist der Monarchie
+
nur durch eine pers&ouml;nliche Zusage K&ouml;nig Carols garantiert, die nat&uuml;rlich lediglich f&uuml;r die Dauer
+
seiner Regierung von Wert ist, deren Einhaltung aber &uuml;berdies davon abh&auml;ngt, da&szlig; der K&ouml;nig die
+
Leitung der ausw&auml;rtigen Politik stets vollkommen in der Hand behalf. Da&szlig; dies in Zeiten
+
nationaler Erregung des ganzen Landes die Kraft des Monarchen &uuml;bersteigen k&ouml;nnte, kann um so
+
weniger negiert werden, als K&ouml;nig Carol sich heute schon auf die Volksstimmung beruft, um die
+
Unm&ouml;glichkeit der vollen Erf&uuml;llung der Bundespflichten seitens Rum&auml;niens zu begr&uuml;nden. Es darf
+
schlie&szlig;lich auch nicht &uuml;bersehen werden, da&szlig; Rum&auml;nien schon heute mit dem erbittertsten Gegner
+
der Monarchie am Balkan, mit Serbien, durch Bande der Freundschaft und
+
Interessengemeinschaft verkn&uuml;pft ist.
+
 
+
<dd></dd>Die Monarchie hat sich bisher darauf beschr&auml;nkt, die Schwenkung der rum&auml;nischen Politik in
+
Bukarest in freundschaftlicher Weise zur Sprache zu bringen, sich im &uuml;brigen aber nicht veranla&szlig;t
+
gesehen, aus dieser immer deutlicheren Kurs&auml;nderung Rum&auml;niens ernste Konsequenzen zu ziehen;
+
das Wiener Kabinett hat sich hierzu in erster Linie dadurch bestimmen lassen, da&szlig; die deutsche
+
Regierung die Auffassung vertrat, es handle sich um vor&uuml;bergehende Schwankungen,
+
Folgeerscheinungen gewisser Mi&szlig;verst&auml;ndnisse aus der Zeit der Krise, die sich automatisch
+
zur&uuml;ckbilden w&uuml;rden, wenn man ihnen gegen&uuml;ber Ruhe und Geduld bewahrt. Es hat sich aber
+
gezeigt, da&szlig; diese Taktik ruhigen Abwartens und freundschaftlicher Vorstellungen nicht die
+
gew&uuml;nschte Wirkung hatte, da&szlig; sich der Proze&szlig; der Entfremdung zwischen &Ouml;sterreich-Ungarn
+
und Rum&auml;nien nicht zur&uuml;ckgebildet, sondern im Gegenteil beschleunigt hat. Da&szlig; von dieser
+
Taktik auch f&uuml;r die Zukunft eine Wendung im g&uuml;nstigen Sinne nicht zu erwarten ist, daf&uuml;r spricht
+
schon der Umstand, da&szlig; die gegenw&auml;rtige Situation der »freien Hand« f&uuml;r Rum&auml;nien durchaus
+
vorteilhaft und nur f&uuml;r die Monarchie nachteilig ist.
+
 
+
<dd></dd>Es dr&auml;ngt sich nun die Frage auf, ob &Ouml;sterreich-Ungarn das Verh&auml;ltnis zu Rum&auml;nien noch
+
durch eine offene Auseinandersetzung sanieren k&ouml;nnte, indem es das K&ouml;nigreich vor die Wahl
+
stellt, entweder alle Br&uuml;cken zum Dreibund abzubrechen oder -- etwa durch Bekanntmachung
+
seiner Zugeh&ouml;rigkeit zum Dreibunde -- ausreichende Burgschaften daf&uuml;r zu geben, da&szlig; die aus der
+
Allianz entspringenden Verpflichtungen auch von seiner Seite voll und ganz erf&uuml;llt werden
+
w&uuml;rden. Eine solche L&ouml;sung der Frage, die eine drei&szlig;igj&auml;hrige Tradition wieder aufleben lie&szlig;e,
+
w&uuml;rde sicherlich den Wunsch &Ouml;sterreich-Ungarns am meisten entsprechen. Unter den gegebenen
+
Verh&auml;ltnissen ist es aber leider wenig wahrscheinlich, da&szlig; sich K&ouml;nig Carol oder irgendeine
+
rum&auml;nische Regierung selbst gegen eine eventuelle Erweiterung des gegenw&auml;rtigen
+
B&uuml;ndnisvertrages, dazu bereit finden w&uuml;rde, der herrschenden Volksstimmung zum Trotz
+
Rum&auml;nien &ouml;ffentlich als Bundesgenossen des Dreibundes hinzustellen. Ein kategorisches aut-aut
+
seitens der Monarchie k&ouml;nnte daher zum offenen Bruch f&uuml;hren. Ob es dem deutschen Kabinett
+
durch ernste und nachdr&uuml;ckliche Vorstellungen, eventuell verbunden mit einem Anerbieten im
+
obigen Sinne, gelingen w&uuml;rde, Rum&auml;nien zu einer Stellungnahme zu veranlassen, die als eine
+
verl&auml;&szlig;liche Garantie f&uuml;r seine dauernde und volle Bundestreue angesehen werden k&ouml;nnte, l&auml;&szlig;t sich
+
von Wien aus nicht leicht beurteilen, erscheint aber wohl gleichfalls als zweifelhaft.
+
 
+
<dd></dd>Unter diesen Umst&auml;nden kann die M&ouml;glichkeit praktisch als ausgeschlossen gelten, das
+
B&uuml;ndnis mit Rum&auml;nien wieder so verl&auml;&szlig;lich und tragf&auml;hig zu gestalten, da&szlig; es f&uuml;r
+
&Ouml;sterreich-Ungarn das Pivot seiner Balkanpolitik bilden k&ouml;nnte.
+
 
+
<dd></dd>Es w&auml;re nicht nur zwecklos, sondern bei der politischen und milit&auml;rischen Bedeutung
+
Rum&auml;niens eine nicht zu verantwortende Sorglosigkeit, die wichtige Interessen der
+
Reichsverteidigung aufs Spiel setzen w&uuml;rde, wenn sich die Monarchie gegen&uuml;ber den in Rum&auml;nien
+
zutage getretenen Erscheinungen weiterhin mehr oder weniger passiv verhalten und nicht ohne
+
Aufschub die erforderlichen milit&auml;rischen Vorbereitungen und politischen Aktionen einleiten
+
w&uuml;rde, um die Wirkungen der Neutralit&auml;t und eventuellen Feindseligkeiten Rum&auml;niens aufzuheben
+
oder wenigstens abzuschw&auml;chen.
+
 
+
<dd></dd>Der milit&auml;rische Wert des B&uuml;ndnisses mit Rum&auml;nien bestand f&uuml;r die Monarchie darin, da&szlig; sie
+
im Konfliktsfalle mit Ru&szlig;land gegen dieses von der rum&auml;nischen Seite her milit&auml;risch v&ouml;llig freie
+
Hand gehabt h&auml;tte, wahrend ein ansehnlicher Teil der russischen Heeresmacht durch den Angriff
+
der flankierenden rum&auml;nischen Armee gebunden worden w&auml;re. Das heutige Verh&auml;ltnis Rum&auml;niens
+
zur Monarchie h&auml;tte jedoch, w&uuml;rde jetzt zwischen ihr und Ru&szlig;land ein bewaffneter Konflikt
+
ausbrechen, so ziemlich das Gegenteil zur Folge. Ru&szlig;land h&auml;tte nun auf keinen Fall einen Angriff
+
Rum&auml;niens zu bef&uuml;rchten und w&uuml;rde gegen Rum&auml;nien kaum einen Mann aufstellen m&uuml;ssen,
+
wahrend &Ouml;sterreich-Ungarn der rum&auml;nischen Neutralit&auml;t nicht ganz sicher und deshalb
+
gezwungen w&auml;re, ein entsprechendes Aufgebot an Treppen [<i>sic</i>] gegen das jetzt &nbsp; a n &nbsp; s e i n e r &nbsp; Flanke
+
befindliche Rum&auml;nien zur&uuml;ckzubehalten.
+
 
+
<dd></dd>Die bisherigen milit&auml;rischen Vorkehrungen &Ouml;sterreich-Ungarns f&uuml;r den Fall eines Konfliktes
+
mit Ru&szlig;land basierten auf der Voraussetzung der Kooperation Rum&auml;niens. Ist diese
+
Voraussetzung hinf&auml;llig, ja nicht einmal eine absolute Sicherheit vor einer rum&auml;nischen Aggression
+
gegeben, so mu&szlig; die Monarchie f&uuml;r den Kriegsfall andere Dispositionen treffen und auch die
+
Anlage von Befestigungen gegen Rum&auml;nien in Betracht ziehen.
+
 
+
<dd></dd>Politisch handelt es sich darum, Rum&auml;nien durch Taten zu beweisen, da&szlig; wir in der Lage sind,
+
f&uuml;r die Balkanpolitik &Ouml;sterreich-Ungarns einen anderen Stutzpunkt zu schaffen. Sachlich und
+
zeitlich deckt sich die zu diesem Zweck einzuleitende Aktion mit der Notwendigkeit, gegen die
+
von den Zweibundm&auml;chten betriebene Errichtung eines neuen Balkanbundes wirksame
+
Ma&szlig;nahmen zu ergreifen. Das eine wie das andere kann bei der heutigen Lage am Balkan nur
+
dadurch erreicht werden, da&szlig; die Monarchie auf die schon vor einem Jahre gestellten und seither
+
mehrfach wiederholten Anerbieten Bulgariens eingeht und mit diesem in ein vertragsm&auml;&szlig;iges
+
Verh&auml;ltnis tritt. Gleichzeitig m&uuml;&szlig;te die Politik der Monarchie danach trachten, ein B&uuml;ndnis
+
zwischen Bulgarien und der T&uuml;rkei zustande zu bringen, wof&uuml;r in beiden Staaten bis vor kurzem
+
noch so g&uuml;nstige Dispositionen herrschten, da&szlig; ein Vertragsinstrument, wenn es auch sp&auml;ter nicht
+
unterzeichnet wurde, bereits ausgearbeitet war. Auch in dieser Hinsicht k&ouml;nnte eine Fortsetzung
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der bisherigen abwartenden Haltung, zu welcher sich die Monarchie durch eine viel weitergehende
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R&uuml;cksichtnahme auf das B&uuml;ndnis, als sie in Bukarest an den Tag gelegt wurde, bestimmen lie&szlig;,
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von nicht wieder gut zu machendem schweren Nachteil sein. Weiteres Zuwarten und namentlich
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das Unterbleiben einer Gegenaktion in Sofia w&uuml;rde den intensiven und planm&auml;&szlig;igen Bestrebungen
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Ru&szlig;lands und Frankreichs vollkommen freies Spiel lassen. Die Haltung Rum&auml;niens dr&auml;ngt die
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Monarchie geradezu mit Notwendigkeit dahin, Bulgarien jene Anlehnung, die es seit langem
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sucht, zu gew&auml;hren, um den sonst kaum abzuwendenden Erfolg der russischen Einkreisungspolitik
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zu vereiteln. Diese m&uuml;&szlig;te aber eben geschehen, solange der Weg nach Sofia und auch nach
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Konstantinopel noch offen steht.
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<dd></dd>Der Vertrag mit Bulgarien, dessen n&auml;here Bestimmungen noch eingehender zu pr&uuml;fen sein
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werden, wird im allgemeinen nat&uuml;rlich so abzufassen sein, da&szlig; er die Monarchie nicht in
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Widerstreit mit ihren vertragsm&auml;&szlig;igen Verpflichtungen Rum&auml;nien gegen&uuml;ber zu bringen vermag.
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Auch w&auml;re dieser Schritt der Monarchie vor letzterem nicht geheimzuhalten, da ja darin keine
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Feindseligkeit gegen Rum&auml;nien gelegen ist, wohl aber eine ernste Warnung, durch die sich die
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ma&szlig;gebenden Faktoren in Bukarest der ganzen Tragweite einer dauernden einseitigen politischen
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Abh&auml;ngigkeit von Ru&szlig;land bewu&szlig;t werden k&ouml;nnten.
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<dd></dd>Bevor &Ouml;sterreich-Ungarn aber an die in Rede stehende Aktion herantritt, legt es den gr&ouml;&szlig;ten
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Wert darauf, mit dem Deutschen Reiche ein volles Einvernehmen herzustellen, und zwar nicht nur
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aus R&uuml;cksichten, die der Tradition und dem engen Bundesverh&auml;ltnis entspringen, sondern vor
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allem deshalb, weil wichtige Interessen Deutschlands und des Dreibundes &uuml;berhaupt hier mit im
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Spiele sind, und weil eine erfolgreiche Wahrung dieser in letzter Konsequenz &nbsp; g e m e i n s a m e n &nbsp;
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Interessen nur zu erwarten ist, wenn der einheitlichen Aktion Ru&szlig;lands und Frankreichs eine
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ebenso einheitliche Gegenaktion des Dreibundes, insbesondere &Ouml;sterreich-Ungarns und des
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Deutschen Reiches, entgegengesetzt wird.
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<dd></dd>Denn wenn Ru&szlig;land, von Frankreich unterst&uuml;tzt, die Balkanstaaten gegen &Ouml;sterreich-Ungarn
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zu vereinigen trachtet, wenn es die bereits erreichte Tr&uuml;bung des Verh&auml;ltnisses zu Rum&auml;nien zu
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vertiefen bestrebt ist, so richtet sich diese Feindseligkeit nicht allein gegen die Monarchie als
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solche, sondern nicht zuletzt gegen den Bundesgenossen des Deutschen Reiches, gegen den durch
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seine geographische Lage und innere Struktur exponiertesten, Angriffen am meisten zug&auml;nglichen
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Teil des zentraleurop&auml;ischen Blocks, der Ru&szlig;land den Weg zur Verwirklichung seiner
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weltpolitischen Pl&auml;ne sperrt.
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<dd></dd>Die milit&auml;rische Superiorit&auml;t der beiden Kaiserm&auml;chte durch Hilfstruppen vom Balkan her zu
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brechen, ist das Ziel des Zweibundes, aber nicht das letzte Ziel Ru&szlig;lands.
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<dd></dd>    W&auml;hrend Frankreich die Schw&auml;chung der Monarchie anstrebt, weil es hiervon eine F&ouml;rderung
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seiner Revanchebestrebungen erwartet, sind die Absichten des Zarenreiches noch weit
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umfassender.
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<dd></dd>Wenn man die Entwicklung Ru&szlig;lands in den letzten zwei Jahrhunderten, die stetige
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Erweiterung seines Gebietes, das enorme, alle anderen europ&auml;ischen Gro&szlig;m&auml;chte weit
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uberfl&uuml;gelnde Anwachsen seiner Volkszahl und die gewaltigen Fortschritte seiner wirtschaftlichen
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Ressourcen und milit&auml;rischen Machtmittel &uuml;berblickt und bedenkt, da&szlig; dieses gro&szlig;e Reich durch
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seine Lage und durch Vertr&auml;ge vom freien Meer noch immer so gut wie abgeschnitten ist, dann
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begreift man die Notwendigkeit des der russischen Politik seit jeher immanenten aggressiven
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Charakters.
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<dd></dd>Man kann Ru&szlig;land vern&uuml;nftigerweise territoriale Eroberungspl&auml;ne gegen das Deutsche Reich
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nicht zumuten; trotzdem sind die au&szlig;ergew&ouml;hnlichen R&uuml;stungen und kriegerischen
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Vorbereitungen, der Ausbau strategischer Bahnen gegen Westen usw. in Ru&szlig;land sicherlich mehr
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noch gegen Deutschland als gegen &Ouml;sterreich-Ungarn gerichtet.
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<dd></dd>Denn Ru&szlig;land hat erkannt, da&szlig; die Verwirklichung seiner, einer inneren Notwendigkeit
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entspringenden Pl&auml;ne in Europa und Asien in erster Linie h&ouml;chst wichtige Interessen Deutschlands
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verletzen und daher auf dessen unausweichlichen Widerstand sto&szlig;en m&uuml;&szlig;te.
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<dd></dd>Die Politik Ru&szlig;lands ist durch unver&auml;nderliche Verh&auml;ltnisse bedingt und deshalb eine stetige
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und weitausblickende.
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<dd></dd>Die manifesten Einkreisungstendenzen Ru&szlig;lands gegen die Monarchie, die keine Weltpolitik
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treibt, haben den Endzweck, dem Deutschen Reiche den Widerstand gegen jene letzten Ziele
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Ru&szlig;lands und gegen seine politische und wirtschaftliche Suprematie unm&ouml;glich zu machen.
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<dd></dd>Aus diesen Gr&uuml;nden ist die Leitung der ausw&auml;rtigen Politik &Ouml;sterreich-Ungarns auch davon
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&uuml;berzeugt, da&szlig; es ein gemeinsames Interesse der Monarchie wie nicht minder Deutschlands ist, im
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jetzigen Stadium der Balkankrise rechtzeitig und energisch einer von Ru&szlig;land planm&auml;&szlig;ig
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angestrebten und gef&ouml;rderten Entwicklung entgegenzutreten, die sp&auml;ter vielleicht nicht mehr
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r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen w&auml;re.<br><br>
+
 
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<center>*<br></center>
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<center>* &nbsp;  &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; *</center>
+
 
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<br><br><dd></dd>Die vorliegende Denkschrift war eben fertiggestellt, als die furchtbaren Ereignisse von
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Sarajevo eintraten.
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<dd></dd>Die ganze Tragweite der ruchlosen Mordtat l&auml;&szlig;t sich heute kaum &uuml;berblicken. Jedenfalls ist
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aber, wenn es dessen noch bedurft hat, hierdurch der unzweifelhafte Beweis f&uuml;r die
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Un&uuml;berbr&uuml;ckbarkeit des Gegensatzes zwischen der Monarchie und Serbien sowie f&uuml;r die
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Gef&auml;hrlichkeit und Intensit&auml;t der vor nichts zur&uuml;ckschreckenden gro&szlig;serbischen Bestrebungen
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erbracht worden.
+
 
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<dd></dd>&Ouml;sterreich-Ungarn hat es an guten Willen und Entgegenkommen nicht fehlen lassen, um ein
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ertr&auml;gliches Verh&auml;ltnis zu Serbien herbeizuf&uuml;hren. Es hat sich aber neuerlich gezeigt, da&szlig; diese
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Bem&uuml;hungen ganz vergeblich waren, und da&szlig; die Monarchie auch in Zukunft mit der
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hartn&auml;ckigen, unvers&ouml;hnlichen und aggressiven Feindschaft Serbiens zu rechnen haben wird.
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<dd></dd> Um so gebieterischer tritt an die Monarchie die Notwendigkeit heran, mit entschlossener Hand
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die F&auml;den zu zerrei&szlig;en, die ihre Gegner zu einem Netze &uuml;ber ihrem Haupte verdichten wollen.
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<hr align="left" size="1" width="33%"> 
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<p><a name="N_1_">1. ]Entwurf d. d. Wien, 2. Juli 1914, Handschreiben &uuml;berreicht in Berlin am 5. Juli 1914 durch den &ouml;sterreich-ungarischen Botschafter; Antwortschreiben Kaiser Wilhelms siehe [1018.html">Nr. 18.]
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<p><a name="N_2_">2. ]Siehe die [#Beilage">Beilage] zu Nr. 1.
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Revision as of 02:17, 8 March 2007

Entwurf d. d. Wien, 2. Juli 1914, Handschreiben überreicht in Berlin am 5. Juli 1914 durch den österreich-ungarischen Botschafter; Antwortschreiben Kaiser Wilhelms siehe Nr. 18.


Ich habe aufrichtig bedauert, daß Du genötigt warst, Deine Absicht, zur Trauerfeier nach Wien zu kommen, aufzugeben. Ich hätte Dir sehr gerne persönlich meinen herzlichen Dank für Deine wohltuende Anteilnahme an meinem schweren Kummer ausgesprochen.

Du hast mir durch Dein warmes mitfühlendes Beileid wieder bewiesen, daß ich in Dir einen treuen, verläßlichen Freund besitze, und daß ich in jeder ernsten Stunde auf Dich rechnen kann.

Es wäre mir auch sehr erwünscht gewesen, die politische Lage mit Dir zu besprechen; da dies jetzt nicht möglich gewesen ist, erlaube ich mir, Dir die anruhende, von meinem Minister des Äußern ausgearbeitete Denkschrift zu senden, die noch vor der furchtbaren Katastrophe in Sarajevo verfaßt wurde und jetzt nach diesem tragischen Ereignis besonders beachtenswert erscheint.

Das gegen meinen Neffen verübte Attentat ist die direkte Folge der von den russischen und serbischen Panslawisten betriebenen Agitation, deren einziges Ziel die Schwächung des Dreibundes und die Zertrümmerung meines Reiches ist.

Nach allen bisherigen Erhebungen hat es sich in Sarajevo nicht um die Bluttat eines Einzelnen, sondern um ein wohlorganisiertes Komplott gehandelt, dessen Faden nach Belgrad reichen und, wenn es auch vermutlich unmöglich sein wird, die Komplizität der serbischen Regierung nachzuweisen, so kann man wohl nicht im Zweifel darüber sein, daß ihre auf die Vereinigung aller Südslawen unter serbischer Flagge gerichtete Politik solche Verbrechen fordert, und daß die Andauer dieses Zustandes eine dauernde Gefahr für mein Haus und für meine Länder bildet.

Diese Gefahr wird noch dadurch erhöht, daß auch Rumänien, trotz des bestehenden Bündnisses mit uns, sich mit Serbien eng befreundet hat und auch im eigenen Lande eine ebenso gehässige Agitation gegen uns duldet, wie Serbien es tut.

Es wird mir schwer, an der Treue und den guten Absichten eines so alten Freundes, wie Carl von Rumänien es ist, zu zweifeln; er selbst hat aber meinem Gesandten im Laufe der letzten Monate zweimal erklärt, daß er angesichts der erregten und feindlichen Stimmung seines Volkes nicht in der Lage wäre, im Ernstfalle seinen Bundespflichten nachzukommen.

Dabei fördert die gegenwärtige rumänische Regierung ganz offen die Bestrebungen der Kulturliga, begünstigt die Annäherung an Serbien und strebt mit rumänischer Hilfe die Gründung eines neuen Balkanbundes an, der nur gegen mein Reich gerichtet sein könnte.

Schon am Beginn der Regierungszeit Carls haben ähnliche politische Phantasien, wie sie jetzt von der Kulturliga verbreitet werden, den gesunden politischen Sinn der rumänischen Staatsmänner getrübt, und es hat die Gefahr bestanden, daß das Königreich eine Abenteurerpolitik treiben würde. Damals hat Dein seliger Großvater in energischer, zielbewußter Weise durch seine Regierung eingegriffen und hat Rumänien so den Weg gewiesen, auf welchem es zu einer Vorzugsstellung in Europa und zu einer verläßlichen Stütze aller Ordnung geworden ist.

Jetzt droht dieselbe Gefahr dem Königreiche; ich befürchte, daß Ratschläge allein nicht mehr helfen werden, und daß Rumänien nur dann dem Dreibunde erhalten werden kann, wenn wir einerseits das Entstehen eines Balkanbundes unter russischer Patronanz durch den Abschluß Bulgariens an den Dreibund unmöglich machen und andererseits in Bukarest klar und deutlich zu erkennen geben, daß die Freunde Serbiens nicht unsere Freunde sein können, und daß auch Rumänien nicht mehr mit uns als Bundesgenossen wird rechnen können, wenn es sich nicht von Serbien lossagt und die gegen den Bestand meines Reiches gerichtete Agitation in Rumänien mit aller Kraft unterdrückt.

Das Bestreben meiner Regierung muß in Hinkunft auf die Isolierung und Verkleinerung Serbiens gerichtet sein. Die erste Etappe auf diesem Wege wäre in einer Stärkung der Stellung der gegenwärtigen bulgarischen Regierung zu suchen, damit Bulgarien, dessen reelle Interessen mit den unsrigen übereinstimmen, vor der Ruckkehr zur Russophilie bewahrt bleibt.

Wenn man in Bukarest erkennt, daß der Dreibund entschlossen ist, auf einen Anschluß Bulgariens nicht zu verzichten, jedoch bereit wäre, Bulgarien dazu zu veranlassen, sich mit Rumänien zu verbinden und dessen territoriale Integrität zu garantieren, so wird man dort vielleicht von der gefahrlichen Richtung zurückkommen, in welche man durch die Freundschaft mit Serbien und die Annäherung an Rußland getrieben worden ist.

Wenn dies gelingt, konnte der weitere Versuch gemacht werden, Griechenland mit Bulgarien und der Turkei zu versöhnen; es würde sich dann unter der Patronanz des Dreibundes ein neuer Balkanbund bilden, dessen Ziel darin bestehen würde, dem Vordringen der panslawistischen Hochflut ein Ziel zu setzen und unseren Ländern den Frieden zu sichern.

Dieses wird aber nur dann möglich sein, wenn Serbien, welches gegenwärtig den Angelpunkt der panslawistischen Politik bildet, als politischer Machtfaktor am Balkan ausgeschaltet wird.

Auch Du wirst nach dem jüngsten furchtbaren Geschehnisse in Bosnien die Überzeugung haben, daß an eine Versöhnung des Gegensatzes, welcher Serbien von uns trennt, nicht mehr zu denken ist, und daß die erhaltende Friedenspolitik aller europaischen Monarchen bedroht sein wird, solange dieser Herd von verbrecherischer Agitation in Belgrad ungestraft fortlebt.


Siehe Beilage zu I, 1: Denkschrift zum Handschreiben Kaiser und König Franz Josephs an Kaiser Wilhelm, 2. Juli 1914


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