I, 15. Graf Szögyény an Grafen Berchtold, 12. Juli 1914

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    Mit Bezug auf meine Darlegungen gelegentlich der jüngst unter Vorsitz Euer Exzellenz stattgehabten Besprechungen erlaube ich mir das Nachfolgende auch noch schriftlich niederzulegen.
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    Für mich, in meiner Eigenschaft als Chef des Generalstabes, kommt nur die präzise Formulierung der Entscheidung in Betracht, ob auf den Ausbruch eines Krieges gegen Serbien direkte hingearbeitet oder ob nur mit der Möglichkeit eines Krieges gerechnet wird.
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    In welcher Weise das eine oder das andere diplomatisch behandelt wird, entzieht sich selbstverständlich meiner Ingerenz; nur muß ich, so wie ich dies ja auch in voller Übereinstimmung mit Euer Exzellenz schon mündlich dargelegt habe, erneuert hervorheben, daß bei dem diplomatischen Wege alles vermieden werden müsse, was durch Hinausziehen und etwa nur sukzessives Einsetzen der diplomatischen Aktion den Gegnern Zeit zu militärischen Maßnahmen geben würde, so daß wir dadurch militärisch in die Nachhand kämen - was überhaupt von Nachteil ist, es ganz besonders aber Serbien und Montenegro gegenüber wäre.
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    In diesem Sinne wäre auch alles zu vermeiden, was die Gegner vorzeitig alarmieren und zu Gegenmaßnahmen veranlassen könnte; es müßte vielmehr in jeder Hinsicht ein durchaus friedliches Gepräge zur Schau getragen werden.
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    Steht aber der Entschluß zur Demarche fest, dann müßte dieselbe im Hinblicke auf die militärischen Interessen in einem einzigen Akt mit kurzbefristetem Ultimatum geschehen, welchem, wenn er abschlägig beschieden wird, sofort der Mobilisierungsbefehl zu folgen hätte.
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    Genehmigen Euer Exzellenz den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung.
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    (gez.) Conrad, G.d.I.
  
 
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Revision as of 08:56, 12 February 2009

WWI Archive > Dokumente zum Kriegsausbruch > I, 15. Graf Szögyény an Grafen Berchtold, 12. Juli 1914


Gstb. Nr. 2508 res.

(Ohne Datum, beiläufig 10. Juli 1914.) E u e r E x z e l l e n z !

   Mit Bezug auf meine Darlegungen gelegentlich der jüngst unter Vorsitz Euer Exzellenz stattgehabten Besprechungen erlaube ich mir das Nachfolgende auch noch schriftlich niederzulegen. 
   Für mich, in meiner Eigenschaft als Chef des Generalstabes, kommt nur die präzise Formulierung der Entscheidung in Betracht, ob auf den Ausbruch eines Krieges gegen Serbien direkte hingearbeitet oder ob nur mit der Möglichkeit eines Krieges gerechnet wird. 
   In welcher Weise das eine oder das andere diplomatisch behandelt wird, entzieht sich selbstverständlich meiner Ingerenz; nur muß ich, so wie ich dies ja auch in voller Übereinstimmung mit Euer Exzellenz schon mündlich dargelegt habe, erneuert hervorheben, daß bei dem diplomatischen Wege alles vermieden werden müsse, was durch Hinausziehen und etwa nur sukzessives Einsetzen der diplomatischen Aktion den Gegnern Zeit zu militärischen Maßnahmen geben würde, so daß wir dadurch militärisch in die Nachhand kämen - was überhaupt von Nachteil ist, es ganz besonders aber Serbien und Montenegro gegenüber wäre. 
   In diesem Sinne wäre auch alles zu vermeiden, was die Gegner vorzeitig alarmieren und zu Gegenmaßnahmen veranlassen könnte; es müßte vielmehr in jeder Hinsicht ein durchaus friedliches Gepräge zur Schau getragen werden. 
   Steht aber der Entschluß zur Demarche fest, dann müßte dieselbe im Hinblicke auf die militärischen Interessen in einem einzigen Akt mit kurzbefristetem Ultimatum geschehen, welchem, wenn er abschlägig beschieden wird, sofort der Mobilisierungsbefehl zu folgen hätte. 
   Genehmigen Euer Exzellenz den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung.
   (gez.) Conrad, G.d.I. 

WWI Archive > Dokumente zum Kriegsausbruch > I, 15. Graf Szögyény an Grafen Berchtold, 12. Juli 1914


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