Difference between revisions of "I, 67. Freiherr von Giesl an Grafen Berchtold, 23. Juli 1914"

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    Interimistischer Ministerpräsident Paču hat mir nach einigem Zögern Unterredung für 6 Uhr nachmittags anberaumt und mich mit dem Glockenschlage in Gegenwart Generalsekretär Gruić (da Paču nicht französisch spricht) empfangen.
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    Ich übergab Note und fügte bei, daß die Antwort bis Samstag 6 Uhr abends befristet sei, zu welchem Zeitpunkte ich, wenn keine oder ungenügende Antwort eintreffe, mit dem Personal der Gesandtschaft Belgrad verlassen würde; daß ich gleichzeitig mit der Antwort die Übergabe des serbischen Textes der beiden offiziellen Enunziationen wünsche, um dieselben kontrollieren zu können.
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    Paču bemerkte, ohne die Note gelesen zu haben, daß jetzt die Wahlen und ein Teil der Minister abwesend seien, er fürchte die physische Unmöglichkeit, den vollständigen Ministerrat rechtzeitig zu augenscheinlich wichtiger Entscheidung einberufen zu können.
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    Ministerrat war schon seit 5 Uhr versammelt.
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    Ich erwiderte, daß die Rückkehr der Minister im Zeitalter der Eisenbahnen, des Telegraphen und Telephons bei der Größe des Landes nur die Affäre einiger Stunden sein könne, und daß ich vormittags bereits eventuelle Verständigung Herrn Pašić als nützlich angeregt habe. Im übrigen sei dies eine interne Angelegenheit der serbischen Regierung, die ich weiter nicht zu beurteilen hätte. Eine andere Diskussion fand nicht statt.
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Revision as of 04:57, 18 February 2009

WWI Archive > Dokumente zum Kriegsausbruch > I, 67. Freiherr von Giesl an Grafen Berchtold, 23. Juli 1914



Telegramm Nr. 175


B e l g r a d , den 23. Juli 1914


C h i f f r e


Ultimatum

Interimistischer Ministerpräsident Paču hat mir nach einigem Zögern Unterredung für 6 Uhr nachmittags anberaumt und mich mit dem Glockenschlage in Gegenwart Generalsekretär Gruić (da Paču nicht französisch spricht) empfangen.

Ich übergab Note und fügte bei, daß die Antwort bis Samstag 6 Uhr abends befristet sei, zu welchem Zeitpunkte ich, wenn keine oder ungenügende Antwort eintreffe, mit dem Personal der Gesandtschaft Belgrad verlassen würde; daß ich gleichzeitig mit der Antwort die Übergabe des serbischen Textes der beiden offiziellen Enunziationen wünsche, um dieselben kontrollieren zu können.

Paču bemerkte, ohne die Note gelesen zu haben, daß jetzt die Wahlen und ein Teil der Minister abwesend seien, er fürchte die physische Unmöglichkeit, den vollständigen Ministerrat rechtzeitig zu augenscheinlich wichtiger Entscheidung einberufen zu können. Ministerrat war schon seit 5 Uhr versammelt.

Ich erwiderte, daß die Rückkehr der Minister im Zeitalter der Eisenbahnen, des Telegraphen und Telephons bei der Größe des Landes nur die Affäre einiger Stunden sein könne, und daß ich vormittags bereits eventuelle Verständigung Herrn Pašić als nützlich angeregt habe. Im übrigen sei dies eine interne Angelegenheit der serbischen Regierung, die ich weiter nicht zu beurteilen hätte. Eine andere Diskussion fand nicht statt.



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