Difference between revisions of "II, 12. Graf Szécsen an Grafen Berchtold, 24. Juli 1914"

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    Hiesige Zeitungen haben zu unserer Demarche noch wenig Stellung genommen.
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    Ich bin bemüht, auf die Presse beruhigend einzuwirken und sie von einer Stellungnahme zu Gunsten Serbiens abzuhalten, indem ich hervorhebe, daß die serbische Antwort noch nicht erflossen sei und unsere weiteren Absichten, die eben von dieser Antwort abhängen, auch noch nicht bekannt sind. Zeitungen könnten sich daher nur expektativ verhalten.
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    Herr Pichon (jetzt »Petit Parisien«) teilt diese Ansicht und versprach mir, durch Herrn Berthelot, mit dem er sehr befreundet ist, in diesem Sinne auf die Presse wirken zu lassen.
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    Schoen gegenüber. Er frug mich mit einiger Besorgnis, ob man in Berlin sehr kriegerisch sei. Ich sagte, daß man in Berlin meines Wissens die Richtigkeit unseres Standpunktes rückhaltlos anerkenne und lebhaft wünsche, daß Serbien unseren Wünschen in allem Rechnung trage. Man betrachte aber die Sache als eine rein österreichisch-ungarisch-serbische Angelegenheit und wünsche, daß, wie immer sie sich gestalten möge, sie als solche lokalisiert bleibe. Herr Pichon bemerkte hierauf, daß, wenn man in Berlin keinen Krieg wolle, der Friede erhalten bleiben werde. Frankreich sei ganz friedlich gesinnt, und er glaube, daß auch die russische Regierung trotz der bedauerlichen Agitation der Panslawisten absolut keine kriegerischen Absichten habe.
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    Pichon hat natürlich noch vielfache Beziehungen und einen gewissen Einfluß im Ministerium des Äußern.
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    Soviel ich erfahre, war bis heute abends noch keine Information aus Petersburg über dortige Stellungnahme eingetroffen. </blockquote>
  
  

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WWI Archive > Dokumente zum Kriegsausbruch > II, 12. Graf Szécsen an Grafen Berchtold, 24. Juli 1914



Telegramm Nr. 122


P a r i s , den 24. Juli 1914
Aufg. 7 Uhr 40 M. p. m.
Eingetr. 9 Uhr • / . a. m. 25./7.


C h i f f r e


Serbien.

Hiesige Zeitungen haben zu unserer Demarche noch wenig Stellung genommen.

Ich bin bemüht, auf die Presse beruhigend einzuwirken und sie von einer Stellungnahme zu Gunsten Serbiens abzuhalten, indem ich hervorhebe, daß die serbische Antwort noch nicht erflossen sei und unsere weiteren Absichten, die eben von dieser Antwort abhängen, auch noch nicht bekannt sind. Zeitungen könnten sich daher nur expektativ verhalten.

Herr Pichon (jetzt »Petit Parisien«) teilt diese Ansicht und versprach mir, durch Herrn Berthelot, mit dem er sehr befreundet ist, in diesem Sinne auf die Presse wirken zu lassen.

Schoen gegenüber. Er frug mich mit einiger Besorgnis, ob man in Berlin sehr kriegerisch sei. Ich sagte, daß man in Berlin meines Wissens die Richtigkeit unseres Standpunktes rückhaltlos anerkenne und lebhaft wünsche, daß Serbien unseren Wünschen in allem Rechnung trage. Man betrachte aber die Sache als eine rein österreichisch-ungarisch-serbische Angelegenheit und wünsche, daß, wie immer sie sich gestalten möge, sie als solche lokalisiert bleibe. Herr Pichon bemerkte hierauf, daß, wenn man in Berlin keinen Krieg wolle, der Friede erhalten bleiben werde. Frankreich sei ganz friedlich gesinnt, und er glaube, daß auch die russische Regierung trotz der bedauerlichen Agitation der Panslawisten absolut keine kriegerischen Absichten habe.

Pichon hat natürlich noch vielfache Beziehungen und einen gewissen Einfluß im Ministerium des Äußern.

Soviel ich erfahre, war bis heute abends noch keine Information aus Petersburg über dortige Stellungnahme eingetroffen.



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