II, 15. Graf Mensdorff an Grafen Berchtold, 24. Juli 1914

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    Mein deutscher Kollege hat mit Sir E. Grey gesprochen und ihm instruktionsgemäß den Standpunkt deutscher Regierung mitgeteilt.
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    Staatssekretär äußerte sich sehr perplex und beunruhigt. Es sei noch nie in so einem Tone zu einem unabhängigen Staate gesprochen worden. Er kritisierte Form noch mehr als Inhalt, kurze Frist mache jede Einwirkung unmöglich. Wenn deutsche Regierung darauf einginge, möchte er gemeinschaftlich mit ihr kurze Fristerstreckung vorschlagen, um noch etwas zu versuchen.
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    Wenn es nur eine österreichisch-ungarisch-serbische Frage wäre, würde sich Staatssekretär nicht weiter darum kümmern. Er wisse noch nichts von Petersburg, wenn aber Slawen sympathische Strömung einsetze, könne er mit Ratschlägen nichts ausrichten.</blockquote>
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    Deutscher Botschafter resümierte seine Unterredung dahin, daß Sir E. Grey sich mit deutscher Regierung im Wunsch begegne, Konflikt zwischen uns und Serbien zu lokalisieren.
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    Sollte Konflikt zwischen uns und Rußland entstehen, würde er an eine Vermittlung à quatre (England, Deutschland, Frankreich, Italien) zwischen Wien und Petersburg denken.
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    Tyrell sagte Lichnowsky, es sei undenkbar, daß Serbien annehme, Österreich-Ungarn unterschätze Serbien und werde sich dort verbluten; Haltung Rumäniens würde voraussichtlich sehr feindselig sein.</blockquote>
  
  

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WWI Archive > Dokumente zum Kriegsausbruch > II, 15. Graf Mensdorff an Grafen Berchtold, 24. Juli 1914



Telegramm Nr. 109


L o n d o n , den 24. Juli 1914            
Aufg. 8 Uhr 48 M. p. m.            
Eingetr. 2 Uhr • / . a. m. 25. /7.            


C h i f f r e


Ultimatum an Serbien.
Mein deutscher Kollege hat mit Sir E. Grey gesprochen und ihm instruktionsgemäß den Standpunkt deutscher Regierung mitgeteilt.
Staatssekretär äußerte sich sehr perplex und beunruhigt. Es sei noch nie in so einem Tone zu einem unabhängigen Staate gesprochen worden. Er kritisierte Form noch mehr als Inhalt, kurze Frist mache jede Einwirkung unmöglich. Wenn deutsche Regierung darauf einginge, möchte er gemeinschaftlich mit ihr kurze Fristerstreckung vorschlagen, um noch etwas zu versuchen.
Wenn es nur eine österreichisch-ungarisch-serbische Frage wäre, würde sich Staatssekretär nicht weiter darum kümmern. Er wisse noch nichts von Petersburg, wenn aber Slawen sympathische Strömung einsetze, könne er mit Ratschlägen nichts ausrichten.


G e h e i m


Deutscher Botschafter resümierte seine Unterredung dahin, daß Sir E. Grey sich mit deutscher Regierung im Wunsch begegne, Konflikt zwischen uns und Serbien zu lokalisieren.
Sollte Konflikt zwischen uns und Rußland entstehen, würde er an eine Vermittlung à quatre (England, Deutschland, Frankreich, Italien) zwischen Wien und Petersburg denken.
Tyrell sagte Lichnowsky, es sei undenkbar, daß Serbien annehme, Österreich-Ungarn unterschätze Serbien und werde sich dort verbluten; Haltung Rumäniens würde voraussichtlich sehr feindselig sein.



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