II, 18. Graf Szápáry an Grafen Berchtold, 24. Juli 1914

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     Fortsetzung meines Telegrammes Nr. 157<ref>Siehe II, Nr. 17.</ref>.  
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     Fortsetzung meines Telegrammes Nr. 157<ref>Siehe [[II, 17. Graf Szápáry an Grafen Berchtold, 24. Juli 1914|II, Nr. 17]].</ref>.  
 
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Graf Szápáry an Grafen Berchtold[1]


Telegramm Nr. 159


P e t e r s b u r g , den 24. Juli 1914            
Aufg. 8 Uhr • / . M. p. m.            
Eingetr. 7 Uhr • / . a. m. 25./7.            


C h i f f r e


Fortsetzung meines Telegrammes Nr. 157[2].
Das zur Verfügung der Regierung gehaltene Dossier betreffend meinte Herr Sazonow, wozu wir uns diese Mühe gegeben hätten, wo wir doch bereits ein Ultimatum erlassen hätten. Dies beweise am besten, daß wir eine unparteiische Prüfung des Falles gar nicht anstreben. Ich sagte ihm, daß für unser Vorgehen in dieser zwischen Österreich-Ungarn und Serbien spielenden Angelegenheit die durch unsere eigene Untersuchung erzielten Resultate genügen und wir nur bereit seien, den Mächten weitere Aufschlüsse zu geben, weil wir nichts zu verstecken hätten, falls dieselben sie interessieren.
Herr Sazonow meinte, jetzt nach dem Ultimatum sei er eigentlich gar nicht neugierig. »C'est que vous voulez la guerre et vous avez brûlé vos ponts.« 
Ich erwiderte, wir seien die friedliebendste Macht der Welt, was wir wollten, sei nur die Sicherung unseres Territoriums vor der Revolution und unserer Dynastie vor Bomben.
 »On voit comme vous êtes pacifiques puisque vous mettez le feu à l'Europe« meinte Sazonow.
Was wir wollten, sei Ruhe zu haben, erwiderte ich, und meine Regierung habe die hiezu zweckdienlichen Maßnahmen gewählt.
Auch den von mir auftragsgemäß mündlich vorzutragenden Kommentar hörte der Minister ruhig an, versuchte aber wieder die Ablehnung des letzten, den Königsmord betreffenden Passus.
An die Ausführung meines Auftrages knüpfte sich eine längere Diskussion, in welcher Sazonow unter anderem unsere Politik dem Grafen Forgách unterschieben wollte, was mir Gelegenheit gab, die versöhnliche Rolle dieses Funktionärs als Gesandter in Belgrad ins Licht zu setzen. Auch nahm ich diesen Anlaß wahr, zu versuchen, dem Minister über den Friedjung-Prozeß, der hier wieder hervorgezerrt wird, klaren Wein einzuschenken. Im Verlaufe der weiteren Erörterungen ließ Sazonow nochmals Bemerkung fallen, daß wir jedenfalls eine ernste Situation geschaffen hätten. Rußland, Slawentum, Orthodoxie wurden von ihm nicht genannt; er sprach nur immer von England, Frankreich, Europa und dergleichen und dem Eindruck, den unser Schritt hier und anderwärts machen werde.
Trotz der relativen Ruhe des Ministers war seine Stellungnahme, wie kaum anders zu erwarten, eine durchaus ablehnende und gegnerische. Nach eineinhalbstündigem Verweilen verließ ich sein Arbeitskabinett.




  1. Vgl. die Fassung im Österreichisch-ungarischen Rotbuch, Nr. 14.
  2. Siehe II, Nr. 17.



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