II, 29. Freiherr von Macchio an Grafen Berchtold in Bad Ischl, 25. Juli 1914

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Prot. Nr. 5241


W i e n , den 25. Juli 1914            
Chiffr. 1 Uhr 45 M. p. m.            


T e l e g r a m m   i n   Z i f f e r n


Der russische Geschäftsträger hat heute vormittag bei mir vorgesprochen und im Namen seiner Regierung den Wunsch ausgedrückt, die in unserer Note an Serbien angegebene Frist möge verlängert werden. Dieses Ersuchen werde damit begründet, daß die Mächte von unserem Schritt vollständig überrascht worden seien, und daß die russische Regierung es als eine natürliche Rücksicht des Wiener gegen die anderen Kabinette betrachten würde, wenn den Letzteren Gelegenheit gegeben würde, die Grundlagen unserer Mitteilung an die Mächte zu prüfen und das von uns in Aussicht gestellte Dossier zu studieren.
Ich antwortete dem Geschäftsträger, daß ich seine Ausführungen sofort zur Kenntnis Euer Exzellenz bringen würde; ich könne ihm aber schon jetzt sagen, daß keine Aussicht bestehe, daß unsererseits eine Verlängerung der angegebenen Frist gewährt würde. Was die Gründe anbelangt, die die russische Regierung zur Erhärtung des von ihr vorgebrachten Wunsches angeführt habe, so scheinen dieselben auf einer irrtümlichen Voraussetzung zu beruhen, nachdem die Note an die Mächte keineswegs den Zweck verfolgt hätte, dieselben einzuladen, ihre gegenständliche Auffassung bekanntzugeben, sondern nur den Charakter einer Information habe, welche wir als eine Pflicht internationaler Höflichkeit angesehen hätten. Im übrigen betrachten wir unsere Aktion als eine nur uns und Serbien berührende Angelegenheit, zu der wir sehr gegen unseren Wunsch und trotz unserer seit Jahren bekundeten Langmut und Geduld durch die Entwicklung der Verhältnisse zur Verteidigung unserer vitalsten Interessen gezwungen worden sind.
Ich habe dem russischen Geschäftsträger versprochen, ihm eine möglichst baldige Antwort Euer Exzellenz mitzuteilen und bitte daher um eine telegraphische Benachrichtigung, ob Hochdieselben meine Erwiderung billigen.



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