II, 35. Graf Szécsen an Grafen Berchtold, 25. Juli 1914

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    Die Presse bespricht mit großer Aufregung, aber mit gewisser Vorsicht, unseren Schritt in Belgrad. Bis jetzt ist die Haltung der Zeitungen nicht ganz so feindselig, wie zu befürchten war. Man will sich nicht à fond engagieren, da man noch keine Instruktionen von Herrn Poincaré und Viviani hat, die ihrerseits offenbar erst mit Petersburg Fühlung suchen.
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    Im allgemeinen zeigt man für unsere Forderungen, speziell soweit sie sich auf die Untersuchung gegen die Attentäter und ihre Helfer beziehen, einiges Verständnis. Es wird die praktische Undurchführbarkeit gewisser unserer Wünsche in ihrer gegenwärtigen allgemeinen Fassung betont; dies bezieht sich speziell auf Punkt 1, 3, 5, 9.
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    Der russische Geschäftsträger schildert Situation in den schwärzesten Farben und ist bestrebt, hier den Eindruck hervorzurufen, daß wir um jeden Preis einen europäischen Krieg hervorrufen wollen. Da ein solcher derzeit hier sehr unerwünscht wäre, soll auf diese Weise die Antipathie gegen uns geschürt und wir für allfällige Komplikationen, die nur Rußland hervorrufen kann, verantwortlich gemacht werden. Englischer Botschafter sagte mir gestern, Rußland wird den Kampf nicht aufnehmen.
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    Das gleichzeitige Bekanntwerden unserer Note nach Belgrad mit den Ergebnissen der Untersuchung in Sarajevo hat öffentliche Aufmerksamkeit von letzteren etwas abgelenkt. Es wäre vielleicht nützlich, die Untersuchungen, eventuell durch einige Details ergänzt, neuerlich in amtlicher Form hinauszugeben.
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    Die bereits einmal dementierte Nachricht, Serbien habe vor Attentat Warnung nach Wien erteilt, wird von einigen Zeitungen, speziell heutigen »Temps«, wieder aufgewärmt.</blockquote>
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    Neuerliches Dementi wäre von Nutzen.
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WWI Archive > Dokumente zum Kriegsausbruch > II, 35. Graf Szécsen an Grafen Berchtold, 25. Juli 1914



Telegramm Nr. 123


P a r i s , den 25. Juli 1914            
Aufg. 5 Uhr 20 M. p. m.            
Eingetr. 9 Uhr 30 M. a. m. 26./7.            


C h i f f r e


Serbien.
Die Presse bespricht mit großer Aufregung, aber mit gewisser Vorsicht, unseren Schritt in Belgrad. Bis jetzt ist die Haltung der Zeitungen nicht ganz so feindselig, wie zu befürchten war. Man will sich nicht à fond engagieren, da man noch keine Instruktionen von Herrn Poincaré und Viviani hat, die ihrerseits offenbar erst mit Petersburg Fühlung suchen.
Im allgemeinen zeigt man für unsere Forderungen, speziell soweit sie sich auf die Untersuchung gegen die Attentäter und ihre Helfer beziehen, einiges Verständnis. Es wird die praktische Undurchführbarkeit gewisser unserer Wünsche in ihrer gegenwärtigen allgemeinen Fassung betont; dies bezieht sich speziell auf Punkt 1, 3, 5, 9.
Der russische Geschäftsträger schildert Situation in den schwärzesten Farben und ist bestrebt, hier den Eindruck hervorzurufen, daß wir um jeden Preis einen europäischen Krieg hervorrufen wollen. Da ein solcher derzeit hier sehr unerwünscht wäre, soll auf diese Weise die Antipathie gegen uns geschürt und wir für allfällige Komplikationen, die nur Rußland hervorrufen kann, verantwortlich gemacht werden. Englischer Botschafter sagte mir gestern, Rußland wird den Kampf nicht aufnehmen.
Das gleichzeitige Bekanntwerden unserer Note nach Belgrad mit den Ergebnissen der Untersuchung in Sarajevo hat öffentliche Aufmerksamkeit von letzteren etwas abgelenkt. Es wäre vielleicht nützlich, die Untersuchungen, eventuell durch einige Details ergänzt, neuerlich in amtlicher Form hinauszugeben.
Die bereits einmal dementierte Nachricht, Serbien habe vor Attentat Warnung nach Wien erteilt, wird von einigen Zeitungen, speziell heutigen »Temps«, wieder aufgewärmt.
Neuerliches Dementi wäre von Nutzen.



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