II, 50. Herr von Mérey an Grafen Berchtold, 26. Juli 1914

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     Ich trat allen diesen Thesen nachdrücklichst entgegen, wobei ich aber die zwar nicht überraschende, aber höchst bedauerliche Konstatierung machte, daß sich Herr Biancheri sowohl hinsichtlich der Kritik der Redaktion unserer Note, wie bezügl[i]ch der Unterlassung ihrer früheren Mitteilung, wie vollends betreffs der Kompensationen theoretisch auf die Übereinstimmung zwischen Rom und Berlin (vide übrigens Tagesbericht vom 20. d. M. über Unterredung Euer Exzellenz mit Herrn von Tschirschky)<ref>Siehe [[I, 35. Unterredung Graf Berchtolds mit dem deutschen Botschafter, 20. Juli 1914|I, Nr. 35]]   </ref> berief.
 
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Latest revision as of 22:36, 10 June 2009

WWI Archive > Dokumente zum Kriegsausbruch > II, 50. Herr von Mérey an Grafen Berchtold, 26. Juli 1914



Telegramm Nr. 541


R o m , den 26. Juli 1914            
Aufg. 2 Uhr a. m. 27./7.            
Eingetr. 11 Uhr a. m. 27./7.            


C h i f f r e   -   V e r t r a u l i c h


Der Sekretär des Ministers des Äußern machte mir heute einen Krankenbesuch, um sich im Auftrage des letzteren nach meinem Befinden zu erkundigen.
Hieran schloß sich eine längere unverbindliche Diskussion über unseren Konflikt mit Serbien. Mein Mitredner, welcher hiebei offenbar die Auffassung seines Chefs zum Ausdruck brachte, relevierte den für jeden Staat inakzeptablen Ton unserer Note, den Umstand, daß letztere den Kabinetten nicht früher mitgeteilt worden sei, so daß dieselben jedes Engagements frei seien, daß sie ihnen aber nachträglich doch mitgeteilt worden sei, was ihnen Gelegenheit zur Einmischung gebe und mit These unvereinbar sei, es handle sich um eine ausschließlich uns und Serbien angehende Angelegenheit. Wozu dann die Mitteilung an die Signatarmächte? Auch von Italien, welches man früher nicht gefragt noch verständigt hatte, könne man nicht verlangen, daß es eventuell im weiteren Verlaufe des Konfliktes für uns vom Leder ziehe. Käme es zu zeitweisen oder definitiven Okkupationen von unserer Seite, so stehe das Anrecht Italiens auf Kompensationen außer Zweifel.
Ich trat allen diesen Thesen nachdrücklichst entgegen, wobei ich aber die zwar nicht überraschende, aber höchst bedauerliche Konstatierung machte, daß sich Herr Biancheri sowohl hinsichtlich der Kritik der Redaktion unserer Note, wie bezügl[i]ch der Unterlassung ihrer früheren Mitteilung, wie vollends betreffs der Kompensationen theoretisch auf die Übereinstimmung zwischen Rom und Berlin (vide übrigens Tagesbericht vom 20. d. M. über Unterredung Euer Exzellenz mit Herrn von Tschirschky)[1] berief.
Ich bin überzeugt, daß Italien an uns mit allerlei uns irgendwie bindenden Anträgen, hinsichtlich Mediation oder Kompensation herantreten wird. Meines Erachtens sollten wir uns absolut ablehnend verhalten, ja keinerlei Engagements eingehen und hiesige Regierung und Presse schreien lassen. Je entschlossener und unerschütterlicher wir sind, desto mehr wird uns dies in Italien nutzen.




  1. Siehe I, Nr. 35



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