II, 54. Graf Szécsen an Grafen Berchtold, 26. Juli 1914

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    Im Ministerium des Äußern wurde mir streng vertraulich Einsicht in ein Telegramm des französischen Vertreters in Belgrad gewährt, das Inhalt serbischer Antwortnote, die ihm vor Übergabe gezeigt wurde, resumiert.
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    Laut dieser Darstellung akzeptiert Serbien alle unsere Wünsche rückhaltlos, erklärt sich bereit, Preßgesetz zu modifizieren, und bittet nur hinsichtlich der Teilnahme unserer Organe an Untersuchung in Serbien, die es im Prinzip auch annimmt, um nähere Auskünfte.
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    Herr Berthelot sprach sein Erstaunen aus, daß diese Antwort, die vollkommener Kapitulation gleichkomme, nicht akzeptiert wurde. Ich antwortete, Text serbischer Note nicht zu kennen, müsse aber vermuten, daß in derselben Reserven enthalten seien, die deren anscheinend entgegenkommenden Charakter modifizieren und Antwort als unannehmbar erscheinen lassen.
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    Sollte Serbien unsere Wünsche wirklich rückhaltlos akzeptiert haben, so würde unsere intransigente Haltung hier, fürchte ich, sehr ungünstigen Eindruck machen.
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    Sprache Herrn Berthelots war sonst sehr versöhnlich; er drückte die Hoffnung aus, daß das jedenfalls sehr große Entgegenkommen Serbiens eine Basis für weitere Verhandlungen bieten würde.
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    Erwähnte Depesche aus Belgrad scheint 20 Stunden unterwegs gewesen zu sein, was Berthelot relevierte, ohne Kommentar daran zu knüpfen.
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WWI Archive > Dokumente zum Kriegsausbruch > II, 54. Graf Szécsen an Grafen Berchtold, 26. Juli 1914



Telegramm Nr. 125


P a r i s , den 26. Juli 1914            
Aufg. 4 Uhr 20 M. p. m.            
Eingetr. 11 Uhr • / . M. a. m. 27./7.            


C h i f f r e


Serbien.
Im Ministerium des Äußern wurde mir streng vertraulich Einsicht in ein Telegramm des französischen Vertreters in Belgrad gewährt, das Inhalt serbischer Antwortnote, die ihm vor Übergabe gezeigt wurde, resumiert.
Laut dieser Darstellung akzeptiert Serbien alle unsere Wünsche rückhaltlos, erklärt sich bereit, Preßgesetz zu modifizieren, und bittet nur hinsichtlich der Teilnahme unserer Organe an Untersuchung in Serbien, die es im Prinzip auch annimmt, um nähere Auskünfte.
Herr Berthelot sprach sein Erstaunen aus, daß diese Antwort, die vollkommener Kapitulation gleichkomme, nicht akzeptiert wurde. Ich antwortete, Text serbischer Note nicht zu kennen, müsse aber vermuten, daß in derselben Reserven enthalten seien, die deren anscheinend entgegenkommenden Charakter modifizieren und Antwort als unannehmbar erscheinen lassen.
Sollte Serbien unsere Wünsche wirklich rückhaltlos akzeptiert haben, so würde unsere intransigente Haltung hier, fürchte ich, sehr ungünstigen Eindruck machen.
Sprache Herrn Berthelots war sonst sehr versöhnlich; er drückte die Hoffnung aus, daß das jedenfalls sehr große Entgegenkommen Serbiens eine Basis für weitere Verhandlungen bieten würde.
Erwähnte Depesche aus Belgrad scheint 20 Stunden unterwegs gewesen zu sein, was Berthelot relevierte, ohne Kommentar daran zu knüpfen.



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