Difference between revisions of "II, 62. Graf Berchtold an die k. u. k. Botschafter in Berlin, Rom, London und Paris, 26. Juli 1914"

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    Adresse:<br>
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    1. Graf  S z ö g y é n y,  Berlin, Nr. 270,<br>
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    2. Herr von  M é r e y ,  Rom, Nr. 884,<br>
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    3. Graf  M e n s d o r f f ,  London, Nr. 172,<br>
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    4. Graf  S z é c s e n ,  Paris, Nr. 163<ref>Vgl. Die Fassung im Österreichisch-ungarischen Rotbuch, Nr. 30.  (Zurück)</ref></blockquote>
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    Nachdem Serbien die von uns aufgestellten Forderungen abgelehnt hat, haben wir die diplomatischen Beziehungen zu diesem Lande abgebrochen.
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    Ich ersuche Euer Exzellenz nunmehr, sich sofort zum.</blockquote>
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    Herrn Reichskanzler oder dem Staatsminister von Jagow</blockquote>
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    Marquis di San Giuliano oder dessen Stellvertreter</blockquote>
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    Sir Edward Grey oder dessen Stellvertreter</blockquote>
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    Herrn Minister des Äußern oder dessen Stellvertreter</blockquote>
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    zu begeben und sich ihm gegenüber beiläufig, im nachstehenden Sinne auszusprechen:
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    Die königlich serbische Regierung hat die Erfüllung der Forderungen, welche wir zur dauernden Sicherung unserer von ihr bedrohten vitalsten Interessen an sie stellen mußten, abgelehnt und damit bekundet, daß sie nicht willens ist, ihre subversiven auf die stete Beunruhigung einiger unserer Grenzländer und ihre schließliche Lostrennung aus dem Gefüge der Monarchie gerichteten Bestrebungen aufzugeben.
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    Zu unserem Bedauern und sehr gegen unseren Willen sind wir dadurch in die Notwendigkeit versetzt worden, Serbien durch die schärfsten Mittel zu einer grundsätzlichen Änderung seiner bisherigen feindseligen Haltung zu zwingen.</blockquote>
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    Der kaiserlich deutschen Regierung ist es wohlbekannt, daß uns hiebei aggressive Tendenzen fern liegen, und daß es ein Akt der Selbstverteidigung ist, wenn wir uns nach jahrelanger Duldung endlich entschließen, den großserbischen Wühlereien auch mit dem Schwerte entgegenzutreten.
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    Es gereicht uns zur aufrichtigen Genugtuung, bei der kaiserlich deutschen Regierung und bei dem ganzen deutschen Volke volles Verständnis dafür zu finden, daß das nach den Ergebnissen der Untersuchung in Belgrad vorbereitete und von dortigen Sendlingen ausgeführte Attentat von Sarajevo unsere Serbien gegenüber bisher bewiesene Langmut erschöpfen mußte, und daß wir jetzt mit allen Mitteln bestrebt sein müssen, uns Garantien gegen die Fortdauer der gegenwärtigen unleidlichen Verhältnisse an unserer südöstlichen Grenze zu verschaffen. Wir hoffen zuversichtlich, daß unserer bevorstehende Auseinandersetzung mit Serbien zu keinen weiteren Komplikationen Anlaß geben wird; sollte dies aber dennoch der Fall sein, so stellen wir mit Dankbarkeit fest, daß Deutschland in oft erprobter Treue seiner Bundespflichten eingedenk sein und uns in einem aufgezwungen Kampfe gegen ein anderen Gegner unterstützen wird.</blockquote>
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    Der königlich italienischen Regierung ist es wohl bekannt, daß uns hiebei aggressive Tendenzen fern liegen, und daß es ein Akt der Selbstverteidigung ist, wenn wir uns nach jahrelanger Duldung endlich dazu entschließen, den großserbischen Wühlereien eventuell mit dem Schwerte entgegenzutreten. Man wird uns in Rom das Zeugnis nicht versagen können, daß wir trotz der schwersten Provokationen Serbien gegenüber seit einer Reihe von Jahren die größte Langmut haben walten lassen, obwohl uns die immer kühner auftretende großserbische Propaganda die schwersten Besorgnisse einflößen mußte. Nachdem nunmehr aber das nach den Ergebnissen der Untersuchung in Belgrad vorbereitete und von dortigen Sendlingen ausgeführte Attentat in Sarajevo deutlich beweist, daß man in Serbien zur vermeintlichen Förderung seiner Ziele auch vor den gewalttätigsten Mitteln nicht zurückschreckt, sind wir zur Erkenntnis gelangt, daß es höchste Zeit ist, uns mit allem Nachdrucke Garantien gegen den Fortbestand der gegenwärtigen unleidlichen Verhältnisse an unserer südöstlichen Grenze zu verschaffen.
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    Da nun die friedlichen Mittel, um Serbien zu einer Änderung seiner Haltung zu bewegen, erschöpft sind, ist die Entscheidung durch die Waffen voraussichtlich.
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    Als Italian vor kurzer Zeit genötigt war, zur Befestigung seiner Stellung im Mittelmeer und zur Wahrung seiner wirtschaftlichen Interessen Krieg zu führen, haben wir in bundesfreundlicher Gesinnung die Erfolge seiner Waffen mit Freuden begrüßt und die sich hieraus ergebende Erweiterung der italienischen Machtsphäre bereitwilligst anerkannt.
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    Dem freundschaftlichen Charakter unseres Bundesverhältnisses entsprechend, hat nunmehr Herzog Avarna die offizielle Erklärung abgegeben, daß Italien im Falle des Eintretens eines kriegerischen Konfliktes zwischen uns und Serbien seiner Bundespflichten eingedenk sein werde, wovon wir mit dankbarer Genugtuung Kenntnis nehmen.</blockquote>
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    Regierung wohlbekannt ist, durch eine Reihe von Jahren bemüht, mit unserem unruhigen Nachbar das Auskommen zu finden, obwohl er uns diese zuwartende Haltung durch seine immer kühner auftretenden Provokationen sehr erschwert hat. Unsere Langmut mußte aber zu Ende gehen, als durch das in Belgrad vorbereitete und von dortigen Sendlingen ausgeführte blutige Attentat von Sarajevo aller Welt offenbar wurde, welch entsetzliche Folgen die großserbische Propaganda bereits gezeitigt hat, welch dauernde Bedrohung dieselbe für die Integrität der Monarchie bildet und welch verwerflicher Mittel und Werkzeuge sich Serbien bedient, um zu seinen Zielen zu gelangen.</blockquote>
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    Regierung wird begreifen, daß wir nun endlich den Augenblick für gekommen halten müssen, um uns mit dem größten Nachdrucke Garantien zu verschaffen, die in absoluter Weise die Unterdrückung der serbischen Aspirationen und damit die Ruhe und Ordnung an unserer südöstlichen Grenze gewährleisten.
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    Da die zu diesem Zwecke aufgewendeten friedlichen Mittel erschöpft sind, muß eventuell die Entscheidung durch die Waffen angerufen werden. Die österreichisch-ungarische Regierung hat sich hiezu nicht leicht und nur darum entschlossen, weil ihr Vorgehen, dem jede aggressive Tendenz fernliegt, nicht anders als ein unaufzuschiebender Akt der Selbstverteidigung dargestellt werden kann, und weil sie einem europäischen Interesse zu dienen glaubt, wenn sie Serbien die Möglichkeit benimmt, auch fernerhin, wie seit den letzten zehn Jahren, ein Element der allgemeinen Beunruhigung zu sein.</blockquote>
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    Das hochentwickelte Gerechtigkeitsgefühl des englischen Volkes und seiner leitenden Staatsmänner kann uns nicht Unrecht geben, wenn wir uns dazu entschließen müßten, mit dem Schwerte zu verteidigen, was unser ist, wenn wir uns endlich mit einem Lande auseinandersetzen, dessen feindselige Politik uns seit Jahren zu den kostspieligsten Maßregeln zwingt, die unseren Wohlstand auf das empfindlichste beeinträchtigen. Im Vertrauen auf die glücklicherweise wiederhergestellten traditionell freundschaftlichen Beziehungen zu England dürfen wir auf die Sympathien der königlich großbritannischen Regierung bei einem uns aufgezwungenen Kampfe hoffen und darauf rechnen, daß sie die auf seine Lokalisierung gerichteten Bestrebungen vorkommenden Falles unterstützen werde.</blockquote>
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    In der Haltung Frankreichs während der Annexionskrise, in den wertvollen, von uns dankbar anerkannten Beweisen einer gerechten Würdigung unserer politischen Bestrebungen zu jener Zeit dürfen wir ein Unterpfand dafür erblicken, daß die französische Regierung uns auch in einem uns aufgezwungenen Kampf ihre Sympathien nicht versagen und daß sie die auf seine Lokalisierung gerichteten Bemühungen vorkommenden Falles unterstützen werde.</blockquote>
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Revision as of 06:23, 3 March 2009

WWI Archive > Dokumente zum Kriegsausbruch > II, 62. Graf Berchtold an die k. u. k. Botschafter in Berlin, Rom, London und Paris, 26. Juli 1914



Telegramm in Ziffern


W i e n , den 26. Juli 1914
Chiffr. 4 Uhr 30 M. p. m


Adresse:
1. Graf S z ö g y é n y, Berlin, Nr. 270,
2. Herr von M é r e y , Rom, Nr. 884,
3. Graf M e n s d o r f f , London, Nr. 172,

4. Graf S z é c s e n , Paris, Nr. 163[1]


1—4


Nachdem Serbien die von uns aufgestellten Forderungen abgelehnt hat, haben wir die diplomatischen Beziehungen zu diesem Lande abgebrochen.

Ich ersuche Euer Exzellenz nunmehr, sich sofort zum.


ad 1


Herrn Reichskanzler oder dem Staatsminister von Jagow


ad 2


Marquis di San Giuliano oder dessen Stellvertreter


ad 3


Sir Edward Grey oder dessen Stellvertreter


ad 4


Herrn Minister des Äußern oder dessen Stellvertreter


ad 1—4


zu begeben und sich ihm gegenüber beiläufig, im nachstehenden Sinne auszusprechen:

Die königlich serbische Regierung hat die Erfüllung der Forderungen, welche wir zur dauernden Sicherung unserer von ihr bedrohten vitalsten Interessen an sie stellen mußten, abgelehnt und damit bekundet, daß sie nicht willens ist, ihre subversiven auf die stete Beunruhigung einiger unserer Grenzländer und ihre schließliche Lostrennung aus dem Gefüge der Monarchie gerichteten Bestrebungen aufzugeben.

Zu unserem Bedauern und sehr gegen unseren Willen sind wir dadurch in die Notwendigkeit versetzt worden, Serbien durch die schärfsten Mittel zu einer grundsätzlichen Änderung seiner bisherigen feindseligen Haltung zu zwingen.


ad 1


Der kaiserlich deutschen Regierung ist es wohlbekannt, daß uns hiebei aggressive Tendenzen fern liegen, und daß es ein Akt der Selbstverteidigung ist, wenn wir uns nach jahrelanger Duldung endlich entschließen, den großserbischen Wühlereien auch mit dem Schwerte entgegenzutreten.

Es gereicht uns zur aufrichtigen Genugtuung, bei der kaiserlich deutschen Regierung und bei dem ganzen deutschen Volke volles Verständnis dafür zu finden, daß das nach den Ergebnissen der Untersuchung in Belgrad vorbereitete und von dortigen Sendlingen ausgeführte Attentat von Sarajevo unsere Serbien gegenüber bisher bewiesene Langmut erschöpfen mußte, und daß wir jetzt mit allen Mitteln bestrebt sein müssen, uns Garantien gegen die Fortdauer der gegenwärtigen unleidlichen Verhältnisse an unserer südöstlichen Grenze zu verschaffen. Wir hoffen zuversichtlich, daß unserer bevorstehende Auseinandersetzung mit Serbien zu keinen weiteren Komplikationen Anlaß geben wird; sollte dies aber dennoch der Fall sein, so stellen wir mit Dankbarkeit fest, daß Deutschland in oft erprobter Treue seiner Bundespflichten eingedenk sein und uns in einem aufgezwungen Kampfe gegen ein anderen Gegner unterstützen wird.


ad 2


Der königlich italienischen Regierung ist es wohl bekannt, daß uns hiebei aggressive Tendenzen fern liegen, und daß es ein Akt der Selbstverteidigung ist, wenn wir uns nach jahrelanger Duldung endlich dazu entschließen, den großserbischen Wühlereien eventuell mit dem Schwerte entgegenzutreten. Man wird uns in Rom das Zeugnis nicht versagen können, daß wir trotz der schwersten Provokationen Serbien gegenüber seit einer Reihe von Jahren die größte Langmut haben walten lassen, obwohl uns die immer kühner auftretende großserbische Propaganda die schwersten Besorgnisse einflößen mußte. Nachdem nunmehr aber das nach den Ergebnissen der Untersuchung in Belgrad vorbereitete und von dortigen Sendlingen ausgeführte Attentat in Sarajevo deutlich beweist, daß man in Serbien zur vermeintlichen Förderung seiner Ziele auch vor den gewalttätigsten Mitteln nicht zurückschreckt, sind wir zur Erkenntnis gelangt, daß es höchste Zeit ist, uns mit allem Nachdrucke Garantien gegen den Fortbestand der gegenwärtigen unleidlichen Verhältnisse an unserer südöstlichen Grenze zu verschaffen.

Da nun die friedlichen Mittel, um Serbien zu einer Änderung seiner Haltung zu bewegen, erschöpft sind, ist die Entscheidung durch die Waffen voraussichtlich.

Als Italian vor kurzer Zeit genötigt war, zur Befestigung seiner Stellung im Mittelmeer und zur Wahrung seiner wirtschaftlichen Interessen Krieg zu führen, haben wir in bundesfreundlicher Gesinnung die Erfolge seiner Waffen mit Freuden begrüßt und die sich hieraus ergebende Erweiterung der italienischen Machtsphäre bereitwilligst anerkannt.

Dem freundschaftlichen Charakter unseres Bundesverhältnisses entsprechend, hat nunmehr Herzog Avarna die offizielle Erklärung abgegeben, daß Italien im Falle des Eintretens eines kriegerischen Konfliktes zwischen uns und Serbien seiner Bundespflichten eingedenk sein werde, wovon wir mit dankbarer Genugtuung Kenntnis nehmen.


ad 3—4


Wir haben uns, wie der


ad 3


königlich großbritannischen


ad 4


französischen


ad 3—4


Regierung wohlbekannt ist, durch eine Reihe von Jahren bemüht, mit unserem unruhigen Nachbar das Auskommen zu finden, obwohl er uns diese zuwartende Haltung durch seine immer kühner auftretenden Provokationen sehr erschwert hat. Unsere Langmut mußte aber zu Ende gehen, als durch das in Belgrad vorbereitete und von dortigen Sendlingen ausgeführte blutige Attentat von Sarajevo aller Welt offenbar wurde, welch entsetzliche Folgen die großserbische Propaganda bereits gezeitigt hat, welch dauernde Bedrohung dieselbe für die Integrität der Monarchie bildet und welch verwerflicher Mittel und Werkzeuge sich Serbien bedient, um zu seinen Zielen zu gelangen.


Die


ad 3


königlich großbritannische


ad 4


französische


ad 3—4


Regierung wird begreifen, daß wir nun endlich den Augenblick für gekommen halten müssen, um uns mit dem größten Nachdrucke Garantien zu verschaffen, die in absoluter Weise die Unterdrückung der serbischen Aspirationen und damit die Ruhe und Ordnung an unserer südöstlichen Grenze gewährleisten.

Da die zu diesem Zwecke aufgewendeten friedlichen Mittel erschöpft sind, muß eventuell die Entscheidung durch die Waffen angerufen werden. Die österreichisch-ungarische Regierung hat sich hiezu nicht leicht und nur darum entschlossen, weil ihr Vorgehen, dem jede aggressive Tendenz fernliegt, nicht anders als ein unaufzuschiebender Akt der Selbstverteidigung dargestellt werden kann, und weil sie einem europäischen Interesse zu dienen glaubt, wenn sie Serbien die Möglichkeit benimmt, auch fernerhin, wie seit den letzten zehn Jahren, ein Element der allgemeinen Beunruhigung zu sein.


ad 3


Das hochentwickelte Gerechtigkeitsgefühl des englischen Volkes und seiner leitenden Staatsmänner kann uns nicht Unrecht geben, wenn wir uns dazu entschließen müßten, mit dem Schwerte zu verteidigen, was unser ist, wenn wir uns endlich mit einem Lande auseinandersetzen, dessen feindselige Politik uns seit Jahren zu den kostspieligsten Maßregeln zwingt, die unseren Wohlstand auf das empfindlichste beeinträchtigen. Im Vertrauen auf die glücklicherweise wiederhergestellten traditionell freundschaftlichen Beziehungen zu England dürfen wir auf die Sympathien der königlich großbritannischen Regierung bei einem uns aufgezwungenen Kampfe hoffen und darauf rechnen, daß sie die auf seine Lokalisierung gerichteten Bestrebungen vorkommenden Falles unterstützen werde.


ad 4


In der Haltung Frankreichs während der Annexionskrise, in den wertvollen, von uns dankbar anerkannten Beweisen einer gerechten Würdigung unserer politischen Bestrebungen zu jener Zeit dürfen wir ein Unterpfand dafür erblicken, daß die französische Regierung uns auch in einem uns aufgezwungenen Kampf ihre Sympathien nicht versagen und daß sie die auf seine Lokalisierung gerichteten Bemühungen vorkommenden Falles unterstützen werde.




  1. Vgl. Die Fassung im Österreichisch-ungarischen Rotbuch, Nr. 30. (Zurück)



WWI Archive > Dokumente zum Kriegsausbruch > II, 62. Graf Berchtold an die k. u. k. Botschafter in Berlin, Rom, London und Paris, 26. Juli 1914