Difference between revisions of "II, 70. Graf Szécsen an Grafen Berchtold, 27. Juli 1914"

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     Erhalten Chiffretelegramm Nr. 163<ref>Siehe II, Nr. 62.    (Zurück)</ref>
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     Erhalten Chiffretelegramm Nr. 163<ref>Siehe [[II, 62. Graf Berchtold an die k. u. k. Botschafter in Berlin, Rom, London und Paris, 26. Juli 1914|II, Nr. 62]].    (Zurück)</ref>
 
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Revision as of 21:38, 3 June 2009

WWI Archive > Dokumente zum Kriegsausbruch > II, 70. Graf Szécsen an Grafen Berchtold, 27. Juli 1914



Telegramm Nr. 131


P a r i s , den. 27, Juli 1914            
Aufg. 8 Uhr 5 M. p. m.            
Eingetr. 8 Uhr • / . a. m. 28./7.            


C h i f f r e


Erhalten Chiffretelegramm Nr. 163[1]

Habe mich im Sinne desselben Herrn Bienvenu Martin gegenüber ausgesprochen. Derselbe schien peinlich überrascht und sagte mir, die serbische Regierung habe in so weitgehendem Maße unseren Wünschen Rechnung getragen, daß die übriggebliebenen Differenzen so unbedeutend erschienen, daß niemand verstehe, daß es wegen derselben zum Bruche und zur Anwendung schärfster Maßregeln kommen könne.

Ohne es direkt zu sagen, schien er anzunehmen, daß der Ausbruch der Feindseligkeiten mit Serbien einen allgemeinen Krieg zur Folge haben müsse. Er sagte, Österreich-Ungarn würde eine furchtbare Verantwortung auf sich laden, wenn es, nachdem Serbien soviel nachgegeben, wegen der verbleibenden kleinen Differenzen einen Weltkrieg hervorrufen würde, worauf ich natürlich erwiderte, unser ganzes Bestreben sei darauf gerichtet, unsererseits Konflikt zwischen uns und Serbien zu lokalisieren; die Gefahr weiterer Komplikationen würde nur eintreten, wenn eine dritte Macht sich in diesen Konflikt einmischen würde. In dieser Hinsicht könne Frankreich sehr nützlich wirken.

Minister versicherte mich, Frankreich höre nicht auf, in Belgrad zur Nachgiebigkeit zu raten. Er gebe Hoffnung nicht auf, daß Serbien Mittel finden werde, uns ganz zufrieden zu stellen; wenn Serbien unsere Note nachträglich ohne Vorbehalt akzeptieren würde, müsse dies doch genügen. Er frug mich, was unter den von Euer Exzellenz erwähnten, »schärfsten Mitteln« zu verstehen sei, worauf ich sagte, daß ich dieselben nicht näher präzisieren könne. Minister hofft, es werde nur Ultimatum sein, um Serbien Möglichkeiten zu geben, seine Antwort in uns befriedigendem Sinne zu ergänzen.

Die weitgehende Nachgiebigkeit Serbiens, die hier für unmöglich gehalten wurde, hat starken Eindruck gemacht. Angesichts unserer Haltung verbreitete sich Ansicht, daß wir Krieg um jeden Preis wollen, was die Stimmung ungünstig beeinflußte.

Herr Poincaré hat Besuch in Kopenhagen und Christiania abgesagt, was ihn sicher sehr verstimmen wird; er trifft Mittwoch hier ein, Herr Iswolsky heute oder morgen. Wir werden jetzt wahrscheinlich schärfere Tonart zu hören bekommen.




  1. Siehe II, Nr. 62. (Zurück)



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