II, 8. Herr von Mérey an Grafen Berchtold, 24. Juli 1914

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Telegramm Nr. 535


R o m , den 24. Juli 1914
Aufg. 4 Uhr 30 M. p. m.
Eingetr. 9 Uhr • / . a. m. 25./7.


C h i f f r e


Graf Ambrózy hat Abschrift des Erlasses an mich vom 20. 1. M. Nr. 3402[1]nach erfolgter Korrektur des Zeitpunktes des Ablaufens der Frist samt Beilage heute um 11 Uhr 30 Minuten vormittags in Abwesenheit des Ministers des Äußern und des Unterstaatssekretärs dem Generalsekretär übergeben.
Letzterer machte bei Beginn der Lektüre die Bemerkung, es sei sehr geschickt, Note mit der Zitierung der serbischen Note aus dem Jahre 1909 zu beginnen.
Im weiteren Verlaufe der Lektüre sagte er, persönlichen Charakter dieser Bemerkung betonend, es schiene ihm, daß wir Serbien geradezu als Großmacht behandeln und daher uns durch die in seinem Territorium betriebene Agitation als gefährdet erachten. Dies gab Graf Ambrózy Gelegenheit, die im zitierten Erlasse gemachten Angaben über Verzweigung und Ziele der »Narodna odbrana« zu verwerten.
Über die Publikation, die wir von Serbien verlangen, bemerkte er, dieses Petitum könne und müsse die Belgrader Regierung abnehmen.
Zu Punkt 4 unserer Forderungen meinte er, daß dessen Annahme der serbischen Regierung schwer fallen würde.
Als er Notiz über Untersuchungsergebnis in Sarajevo gelesen hatte, schien er sehr überrascht.
Am Schlusse der Lektüre sagte er, wir scheinen an einem Wendepunkte der Geschichte angekommen zu sein. Der Antwort Graf Ambrózys, er (De Martino) müsse den rein defensiven Charakter unserer Aktion [zugeben], stimmte er mit den Worten zu: Certainement, je n'aurais jamais cru que l'on puisse consta[t]er et prouver la culpabilité d'officiers et de [fonctionaires] serbes dans le drame de Sarajévo.
Schließlich versicherte er, daß er die Abschrift der Note ehestens an Marquis San Giuliano leiten werde.
Vor Graf Ambrózys Besuch hatte der Generalsekretär den russischen Botschafter empfangen. Derselbe ging, als Ambrózy vorgelassen wurde, zu einem Referenten und hatte seinen Hut und Stock im Vorzimmer gelassen. Es ist anzunehmen, daß De Martino ihm gleich nachher den Text der Note, die inzwischen auch schon von der Agenzia Stefani gebracht wurde, gezeigt hat.




  1. Siehe I, Nr. 29.



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