Difference between revisions of "III, 46. Graf Szápáry an Grafen Berchtold, 30. Juli 1914"

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Revision as of 04:43, 21 April 2009

WWI Archive > Dokumente zum Kriegsausbruch > III, 46. Graf Szápáry an Grafen Berchtold, 30. Juli 1914



Telegramm Nr. 181


P e t e r s b u r g , den 30. Juli 1914           
Aufg. 1 Uhr · / . a. m.           
Eingetr. 3 Uhr 15 M. p. m.           


C h i f f r e


Fortsetzung des Telegrammes Nr. 180 vom 29. d. M.[1].

Die sich häufenden Indizien diplomatischer und militärischer Natur ermöglichen es, nunmehr eine Vermutung über die von Herrn Sazonow beabsichtigte Taktik auszusprechen. Minister scheut den Krieg ebenso wie sein kaiserlicher Herr und sucht, ohne aus unserem serbischen Feldzug sofortige Konsequenz zu ziehen, uns die Früchte desselben, wenn möglich ohne Krieg, streitig machen zu können, sollte es aber zum Krieg kommen, in denselben besser als jetzt gerüstet einzutreten. Durch eine von friedlichen Erklärungen begleitete, scheinbar nur gegen Österreich­Ungarn gerichtete, zugleich Rumänien eine Rückendeckung bietende Mobilisierung soll Deutschland tunlichst ausgeschaltet, auf Österreich­Ungarn in der serbischen Kampagne möglichst gedrückt und, sobald unsere Operationen zu einem Erfolg geführt haben, die Rettung Serbiens durch Rußland vorgenommen werden. Sollten die übrigen Balkanstaaten sich rühren und aus unserem Vorgehen Profit ziehen wollen, würde Rumänien zum Schutze des Bukarester Friedens vorgeschoben. Wollte Österreich­Ungarn hiegegen Stellung nehmen, könnte es zum europäischen Kriege mit Rumänien auf russischer Seite kommen. Wollten aber Österreich­Ungarn und Deutschland aus der russischen Mobilisierung schon jetzt die Konsequenzen ableiten und einen militärischen Vorsprung Rußlands nicht aufkommen lassen, stünde das friedliche Rußland als angegriffen da und hätte mehr Aussicht, auf diese Weise Frankreich und vielleicht sogar England mitzureißen, und unsere günstige moralische und militärische Situation in Europa würde geschädigt. Rußland umgeht die Klemme, die sich aus der Berechtigung unseres Vorgehens gegen Serbien ergibt, und wäre doch in der Lage, vielleicht sogar ohne Krieg zu führen, seine Balkaninteressen zu wahren.

Unter Anführung solcher Konsiderationen dürfte Kaiser Nikolaus für die ihm gewiß wenig sympathische Mobilisierung gewonnen worden sein. Daß die militärischen Kreise eifrig am Werk sein dürften, diesen komplizierten politischen Kalkul wenn nur irgendmöglich auf eine einfachere Formel zu reduzieren und durch Stimmungmachen und Einwirkung auf den Kaiser im Wege falscher Nachrichten, sobald eine gewisse Kriegsbereitschaft erreicht ist, die Ereignisse nach Tunlichkeit zu präzipitieren, ist allerdings keineswegs ausgeschlossen.




  1. Siehe III, Nr. 19. (Zurück)



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