III, 5. Graf Szögyény an Grafen Berchtold, 29. Juli 1914

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    Soeben ein Telegramm des Grafen Pourtalès aus Petersburg im Auswärtigen Amt eingelangt, ungefähr folgenden Inhaltes:
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    Herr Sazonow habe sich ihm, Pourtalès, gegenüber auf das schärfste darüber ausgesprochen, daß die k. u. k. Regierung keinen Gedankenaustausch mit Rußland suche. Graf Szápáry erkläre immer, er habe keine Instruktionen, und Herr Schebeko habe aus Wien gemeldet, daß bei seinem Besuch bei Euer Exzellenz ebenfalls kein Gedankenaustausch stattgefunden habe.
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    Herr Sazonow erklärte weiter, der Umstand, daß Österreich-Ungarn ganze acht Korps mobilisiert habe, sei ein Beweis, daß diese Maßregel nicht allein gegen Serbien gerichtet sei, sondern auch eine Spitze gegen Rußland habe. Aus diesem Grunde werde noch  &nbsp; h e u t e &nbsp;  a b e n d s &nbsp;  d e r  &nbsp; r u s s i s c h e  &nbsp; M o b i l i s i e r u n g s b e f e h l &nbsp;  a n  &nbsp; d i e  &nbsp; a n  &nbsp; d e r  &nbsp; s ü d w e s t l i c h e n  &nbsp; G r e n z e  &nbsp; g e g e n &nbsp;  Ö s t e r r e i c h ¬ U n g a r n  &nbsp; g e l e g e n e n  &nbsp; M i l i t ä r b e z i r k e &nbsp;  e r f o l g e n.
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    Herr Sazonow setzte hinzu, daß in Rußland eine Mobilisierung nicht so wie in westeuropäischen Ländern bereits den Krieg bedeute; der russische Soldat könne monatelang Gewehr bei Fuß an der Grenze stehen. Er habe auch nicht bis auf weiteres die Absicht, Schebeko aus Wien abzuberufen.
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    Graf Pourtalès antwortete darauf, daß dann Deutschland wohl auch in den »Krieg«-Vorbereitungszustand übergehen müsse.
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    Dies sei absolut keine Drohung gegen Rußland, aber »Deutschland würde seine Bundespflichten Österreich-Ungarn gegenüber einhalten«.
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WWI Archive > Dokumente zum Kriegsausbruch > III, 5. Graf Szögyény an Grafen Berchtold, 29. Juli 1914



Telegramm Nr. 320


B e r l i n , den 29. Juli 1914            
Aufg. 10 Uhr 35 M. p. m.            
Eingetr. 3 Uhr 30 M. a. m. 30./7.            


C h i f f r e   —   S t r e n g   g e h e i m


Rußland.
Soeben ein Telegramm des Grafen Pourtalès aus Petersburg im Auswärtigen Amt eingelangt, ungefähr folgenden Inhaltes:
Herr Sazonow habe sich ihm, Pourtalès, gegenüber auf das schärfste darüber ausgesprochen, daß die k. u. k. Regierung keinen Gedankenaustausch mit Rußland suche. Graf Szápáry erkläre immer, er habe keine Instruktionen, und Herr Schebeko habe aus Wien gemeldet, daß bei seinem Besuch bei Euer Exzellenz ebenfalls kein Gedankenaustausch stattgefunden habe.
Herr Sazonow erklärte weiter, der Umstand, daß Österreich-Ungarn ganze acht Korps mobilisiert habe, sei ein Beweis, daß diese Maßregel nicht allein gegen Serbien gerichtet sei, sondern auch eine Spitze gegen Rußland habe. Aus diesem Grunde werde noch   h e u t e   a b e n d s   d e r   r u s s i s c h e   M o b i l i s i e r u n g s b e f e h l   a n   d i e   a n   d e r   s ü d w e s t l i c h e n   G r e n z e   g e g e n   Ö s t e r r e i c h ¬ U n g a r n   g e l e g e n e n   M i l i t ä r b e z i r k e   e r f o l g e n.
Herr Sazonow setzte hinzu, daß in Rußland eine Mobilisierung nicht so wie in westeuropäischen Ländern bereits den Krieg bedeute; der russische Soldat könne monatelang Gewehr bei Fuß an der Grenze stehen. Er habe auch nicht bis auf weiteres die Absicht, Schebeko aus Wien abzuberufen.
Graf Pourtalès antwortete darauf, daß dann Deutschland wohl auch in den »Krieg«-Vorbereitungszustand übergehen müsse.
Dies sei absolut keine Drohung gegen Rußland, aber »Deutschland würde seine Bundespflichten Österreich-Ungarn gegenüber einhalten«.



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