III, 58. Graf Szögyény an Grafen Berchtold, 31. Juli 1914

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    Fortsetzung des Telegrammes Nr. 344 von heute<ref>Vgl. III, Nr. 57.    (Zurück)</ref> [.]
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    Weiters habe er an den König von Bulgarien auch in dezidierter Weise die Aufforderung gerichtet, sich im allgemeinen Konflikte an die Seite Österreich¬Ungarns zu stellen.
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    Auf eine Bemerkung des k. u. k. Militärattachés über die günstigen Dispositionen der Türkei sagte Seine Majestät, er könne mit dem dringendsten Ersuchen um strengste Geheimhaltung mitteilen, daß er im Begriff stehe, mit der Türkei einen Vertrag abzuschließen, der die Türkei verpflichte, mit fünf Armeekorps unter dem Oberkommando Liman von Sanders und der Führung der schon auf sechzig Offiziere angewachsenen Militärmission aktiv gegen Rußland vorzugehen. Es seien bis zur Finalisierung des Vertrages nur noch einige kleine Formalitäten (wie Fixierung des Datums usw.) zu erledigen; General Liman habe militärische Durchführbarkeit des Vertrages gemeldet.
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    Griechenland betreffend habe er  —  Kaiser Wilhelm  —  an König Telegramm gerichtet, daß er »jedwede Beziehungen mit ihm abbrechen würde, wenn Griechenland mit Rußland gehe«. Weiters habe er König von Griechenland nahe legen lassen, daß infolge der Überlegenheit der Flotte Österreich¬Ungarns und Italiens gegenüber der griechischen sein Land überdies wehrlos sei, da auch die griechische Armee erst in der Ausgestaltung begriffen. Wenn aber er, König Konstantin, doch eingreifen wolle, so müsse er gegen Rußland sein.
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    An den König von Italien sei sein Flügeladjutant Oberstleutnant von Kleist, der früher deutscher Militärattaché in Rom war, mit einem Schreiben unterwegs, in welchem Kaiser Wilhelm König Viktor Emanuel dringend auffordert, den eingegangenen Vertrag einzuhalten durch Mobilisierung der gesamten Streitkräfte zu Wasser und zu Lande und durch die zugesagte Entsendung einer Armeegruppe über die Alpen. Durch das Auftauchen italienischer Truppen auf deutschem Boden gegen Frankreich erwarte er sich allerdings hauptsächlich nur einen starken moralischen Eindruck.
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    Durch diese Darlegung hoffe er, Kaiser Wilhelm, dazu beizutragen, der österreichisch¬ungarischen Monarchie zum Schlage gegen Rußland möglichste Verstärkungen zuzuführen.
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    Deutschland müsse mit seiner Hauptmacht zuerst sich gegen Frankreich wenden und könne erst nach dessen Niederringung gegen Rußland offensiv werden, daher müsse Österreich¬Ungarn den ersten Ansturm Rußlands aushalten und mit mindestens vierzehn Korps gegen sich rechnen, da nach den Nachrichten gegen Deutschland vorläufig nur sechs russische Korps Verwendung finden sollen.
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    Seine Majestät Kaiser Wilhelm beauftragt k. u. k. Militärattaché, »allerdringendste Bitte an Seine k. u. k. Apostolische Majestät und den Chef des Generalstabes Baron Conrad zu übermitteln, mit allen irgend verfügbaren Mitteln sich gegen Rußland zu wenden, um der dortigen Übermacht Herr werden zu können«. Seiner Überzeugung nach müsse Deutschland mit Englands aktivem Eingreifen gegen den Dreibund rechnen; wie aber deutsche Flotte gegen die vierfach überlegene englisch¬französische Flotte aufkommen solle, das wisse Gott.
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    Zum Schlusse erzählte noch Kaiser Wilhelm Baron Bienerth, daß alle seine Söhne mit ihm  —  Kaiser Wilhelm  —  an die Front abgingen, und zwar der Kronprinz als Führer der fünften Armee an Stelle schwer erkrankten Generals Eichhorn; Prinz Eitel als Kommandeur des ersten Garderegimentes zu Fuß; Prinz Oskar als Kommandeur eines Kürassierregimentes; Prinz Joachim Stab des zehnten Armeekorps und Prinz Adalbert auf der Flotte.
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    Endlich erhoffe er die Zustimmung dazu, daß k. u. k. Militärattaché Baron Bienerth in seinem, des Kaisers Hauptquartier, hingegen sein Militärattaché in Wien Oberstleutnant Graf Kageneck in unser Hauptquartier eingeteilt würden.
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    Seine Majestät bat Baron Bienerth mir Höchstseine freundlichsten Grüße zu übermitteln.
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    Baron Bienerth bat mich, Euer Exzellenz noch zu melden, daß Kaiser Wilhelm auf ihn einen sehr dezidierten, ruhigen Eindruck machte.
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    Ersuche vorstehende Ausführungen über Bitte des k. u. k. Miltärattachés  r a s c h e s t e n s  auch zur Kenntnis des k. u. k Generalstabschefs zu bringen.</blockquote>
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Revision as of 20:13, 19 March 2009

WWI Archive > Dokumente zum Kriegsausbruch > III, 58. Graf Szögyény an Grafen Berchtold, 31. Juli 1914



Telegramm Nr. 345


B e r l i n , den 31. Juli 1914
Aufg. 12 Uhr 34 M. a. m.
Eingetr. 4 Uhr 40 M. a. m. 1./8.


C h i f f r e


Fortsetzung des Telegrammes Nr. 344 von heute[1] [.]
Weiters habe er an den König von Bulgarien auch in dezidierter Weise die Aufforderung gerichtet, sich im allgemeinen Konflikte an die Seite Österreich¬Ungarns zu stellen.
Auf eine Bemerkung des k. u. k. Militärattachés über die günstigen Dispositionen der Türkei sagte Seine Majestät, er könne mit dem dringendsten Ersuchen um strengste Geheimhaltung mitteilen, daß er im Begriff stehe, mit der Türkei einen Vertrag abzuschließen, der die Türkei verpflichte, mit fünf Armeekorps unter dem Oberkommando Liman von Sanders und der Führung der schon auf sechzig Offiziere angewachsenen Militärmission aktiv gegen Rußland vorzugehen. Es seien bis zur Finalisierung des Vertrages nur noch einige kleine Formalitäten (wie Fixierung des Datums usw.) zu erledigen; General Liman habe militärische Durchführbarkeit des Vertrages gemeldet.
Griechenland betreffend habe er — Kaiser Wilhelm — an König Telegramm gerichtet, daß er »jedwede Beziehungen mit ihm abbrechen würde, wenn Griechenland mit Rußland gehe«. Weiters habe er König von Griechenland nahe legen lassen, daß infolge der Überlegenheit der Flotte Österreich¬Ungarns und Italiens gegenüber der griechischen sein Land überdies wehrlos sei, da auch die griechische Armee erst in der Ausgestaltung begriffen. Wenn aber er, König Konstantin, doch eingreifen wolle, so müsse er gegen Rußland sein.
An den König von Italien sei sein Flügeladjutant Oberstleutnant von Kleist, der früher deutscher Militärattaché in Rom war, mit einem Schreiben unterwegs, in welchem Kaiser Wilhelm König Viktor Emanuel dringend auffordert, den eingegangenen Vertrag einzuhalten durch Mobilisierung der gesamten Streitkräfte zu Wasser und zu Lande und durch die zugesagte Entsendung einer Armeegruppe über die Alpen. Durch das Auftauchen italienischer Truppen auf deutschem Boden gegen Frankreich erwarte er sich allerdings hauptsächlich nur einen starken moralischen Eindruck.
Durch diese Darlegung hoffe er, Kaiser Wilhelm, dazu beizutragen, der österreichisch¬ungarischen Monarchie zum Schlage gegen Rußland möglichste Verstärkungen zuzuführen.
Deutschland müsse mit seiner Hauptmacht zuerst sich gegen Frankreich wenden und könne erst nach dessen Niederringung gegen Rußland offensiv werden, daher müsse Österreich¬Ungarn den ersten Ansturm Rußlands aushalten und mit mindestens vierzehn Korps gegen sich rechnen, da nach den Nachrichten gegen Deutschland vorläufig nur sechs russische Korps Verwendung finden sollen.
Seine Majestät Kaiser Wilhelm beauftragt k. u. k. Militärattaché, »allerdringendste Bitte an Seine k. u. k. Apostolische Majestät und den Chef des Generalstabes Baron Conrad zu übermitteln, mit allen irgend verfügbaren Mitteln sich gegen Rußland zu wenden, um der dortigen Übermacht Herr werden zu können«. Seiner Überzeugung nach müsse Deutschland mit Englands aktivem Eingreifen gegen den Dreibund rechnen; wie aber deutsche Flotte gegen die vierfach überlegene englisch¬französische Flotte aufkommen solle, das wisse Gott.
Zum Schlusse erzählte noch Kaiser Wilhelm Baron Bienerth, daß alle seine Söhne mit ihm — Kaiser Wilhelm — an die Front abgingen, und zwar der Kronprinz als Führer der fünften Armee an Stelle schwer erkrankten Generals Eichhorn; Prinz Eitel als Kommandeur des ersten Garderegimentes zu Fuß; Prinz Oskar als Kommandeur eines Kürassierregimentes; Prinz Joachim Stab des zehnten Armeekorps und Prinz Adalbert auf der Flotte.
Endlich erhoffe er die Zustimmung dazu, daß k. u. k. Militärattaché Baron Bienerth in seinem, des Kaisers Hauptquartier, hingegen sein Militärattaché in Wien Oberstleutnant Graf Kageneck in unser Hauptquartier eingeteilt würden.
Seine Majestät bat Baron Bienerth mir Höchstseine freundlichsten Grüße zu übermitteln.
Baron Bienerth bat mich, Euer Exzellenz noch zu melden, daß Kaiser Wilhelm auf ihn einen sehr dezidierten, ruhigen Eindruck machte.
Ersuche vorstehende Ausführungen über Bitte des k. u. k. Miltärattachés r a s c h e s t e n s auch zur Kenntnis des k. u. k Generalstabschefs zu bringen.




  1. Vgl. III, Nr. 57. (Zurück)



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