III, 76. Graf Berchtold an Gesandten Otto in Cetinje, 31. Juli 1914

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Telegramm Nr. 152


W i e n , den 31. Juli 1914
Chiffr. 2 Uhr • / . p. m.


Laut Telegrammes des dortigen k. u. k. Militärattachés glaubt montenegrinische Regierung die Skupschtina zum Beschluß der Neutralität bewegen zu können, falls Österreich¬Ungarn nachstehende Zusicherung erteilt:

Keine eigenen territorialen Erwerbungen in Serbien, Schutz der Selbständigkeit Montenegros, ausreichende finanzielle Unterstützung nebst einem Gebietszuwachs für Montenegro.

Da ein neutrales Verhalten Montenegros für uns von großer Bedeutung wäre, wollen Euer Hochwohlgeboren auf Grund obiger Meldung versuchen, auf dortige Regierung einzuwirken, daß Neutralität in Skupschtina beschlossen werde.

Euer Hochwohlgeboren können neuerdings darauf hinweisen, daß wir keinen Eroberungskrieg gegen Serbien führen. Im Laufe des Balkankrieges hätten wir den Beweis erbracht, daß uns territoriale Vergrößerungsaspirationen ferne lägen, und auch heute dächten wir an keine dauernde Besitzergreifung serbischen Gebietes. Wir hätten ein aufrichtiges Interesse an der Selbständigkeit Montenegros; bei Beobachtung einer korrekten, neutralen Haltung könne es daher mit Sicherheit darauf rechnen, daß wir für seine Selbständigkeit auch in Hinkunft eintreten werden. Hiebei wollen Euer Hochwohlgeboren bemerken, daß wir glauben, bei der Verteidigung der montenegrinischen Selbständigkeit auf die Unterstützung Italiens rechnen zu können.

Nach Beendigung des gegenwärtigen Konfliktes könnte Montenegro für seine neutrale Haltung nicht nur auf eine ausreichende finanzielle Unterstützung seitens der Monarchie rechnen, sondern auch darauf, daß unsererseits einem Gebietszuwachs in der Richtung des Sandschaks von Novibazar keine Hindernisse in den Weg gelegt werden würden, und daß eventuelle albanesische Wünsche Montenegros — im Rahmen unseres Akkords mit Italien — bei uns eine durchaus wohlwollende Beurteilung finden würden.



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