III, 90. Herr von Mérey an Grafen Berchtold, 1. August 1914

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WWI Archive > Dokumente zum Kriegsausbruch > III, 89. Herr von Mérey an Grafen Berchtold, 1. August 1914



Telegramm Nr. 575


R o m , den 1. August 1914
Aufg. 9 Uhr 45 M. a. m.
Eingetr. 2 Uhr • / . a. m. 2./8.


C h i f f r e   —   S t r e n g   g e h e i m


Obwohl ich und mein deutscher Kollege (für Deutschland hat ja Sache ungleich mehr praktische Bedeutung), um auf Regierung im Sinne der Kooperation einzuwirken, neigt vorläufig die Wage weitaus mehr nach der Neutralität.
Für diese eigentlich erst in den letzten Tagen durchgedrungene Tendenz ist meiner vollen Überzeugung nach in allererster Linie der Umstand entscheidend gewesen, daß entgegen hiesiger (und der Berliner) Annahme England nicht neutral bleibe, sondern eingreife. Seine ausgebreiteten und schlecht geschützten Küsten dem Bombardement englischer Schiffe auszusetzen und die samt der unseren der vereinigten französischen und englischen Mittelmeerflotte doch inferiore italienische Marine den Kampf aufnehmen zu lassen, erscheint hier als eine entsetzliche Perspektive.
Hiezu tritt der infolge des lybischen Feldzuges (60 000 Mann sind noch in Lybien) ganz desorganisierte Zustand der Armee und, wie ich bestimmt erfahre, die Angst vor inneren Unruhen.
Das letzte Wort ist noch immer nicht gesprochen, aber vorläufig lautet die Losung Neutralität.
Kaiser Wilhelm hat an König Viktor Emanuel einen telegraphischen Appell gerichtet und außerdem soll ein Flügeladjutant in Spezialmission hier eintreffen.
Vielleicht könnte daran gedacht werden, daß wir und Deutschland Italien erklären, wir würden, falls Italien seine Bundespflicht nicht bis auf den letzten Mann loyal erfülle, sondern neutral bleibe, uns gleichfalls von unseren Allianzpflichten völlig lossagen und Italien als aus dem Dreibund ausgetreten betrachten.



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