III, 96. Graf Berchtold an Grafen Mensdorff in London, 1. August 1914

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Telegramm Nr. 199


W i e n , den 1. August 1914
Chiffr. 11 Uhr p. m.


T e l e g r a m m   i n   Z i f f e r n


Ich stelle es Euer Exzellenz Ermessen anheim, in Ihrer nächsten Konversation mit Sir Edward Grey oder anderen englischen Politikern folgende Argumente zu verwerten:
Durch ein Jahrhundert war die englische Politik von dem Gegensatze zu Rußland beherrscht. Erst nach dem Burenkrieg und den ostasiatischen Niederlagen Rußlands hat England den Kurs geändert und hat sich die diplomatische Eindämmung des deutschen Einflusses zum Ziel gesetzt. Seither hat sich Rußland jedoch nicht nur ganz erholt, sondern es nimmt heute militärisch wie wirtschaftlich eine fast präponderierende Stellung ein. Entspricht es unter solchen Umständen den englischen Interessen, sich aktiv an einer Aktion zu beteiligen, deren eventueller Erfolg nur darin bestehen kann, die Macht Rußlands enorm zu steigern und die Aufrollung der Meerengen- und der kleinasiatischen Frage näher zu rücken? Wäre es vom Standpunkte Englands nicht gefährlich, eine Entwicklung zu fördern, die in letzter Konsequenz zu einer Bedrohung der englischen Stellung in Indien führen muß?
Durch eine abwartende und neutrale Haltung im Falle des europäischen Konfliktes würde England vollkommen freie Hand behalten, zu dessen Ergebnis seinen Interessen entsprechend Stellung zu nehmen, ohne durch frühere Parteinahme gebunden zu sein. Hiedurch würde England sich auch die Möglichkeit offen halten, bei den späteren Friedensverhandlungen im Interesse des europäischen Gleichgewichtes die vermittelnde Rolle fortzusetzen, in der es sich während der Balkankrise so große Verdienste erworben hat.



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