D. Die Aufnahme in Rußland

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WWI Document Archive > Official Papers > Die Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914 — Volume 5 (Commentary) > III. Das Verhalten der Mächte > 1. Der deutsche Lokalisierungsvorschlag > D. Die Aufnahme in Rußland

     Die russische Regierung stellte sich von vornherein auf einen
dem deutschen entgegengesetzten Standpunkt. Sie hat, offenbar
in dem fünfstündigen Ministerrat vom 24. Juli nachmittags, also
noch vor der Mitteilung des deutschen Lokalisierungsvorschlages,
die Einmischung in den austro-serbischen Konflikt beschlossen.
Ein amtliches Kommunique vom 24. Juli abends besagte, „die
Regierung verfolge aufs aufmerksamste den Verlauf des öster-
reichisch-serbischen Konfliktes, dem Rußland nicht gleichgültig
gegenüberstehen könne". (Rotbuch 1914, Nr. 15, Orangebuch
Nr. 10.) Die russische Einmischungspolitik sollte durch mili-
tärischen Druck unterstützt werden. In dem vorerwähnten
Ministerrat hat „der Kriegsminister (Suchomlinow) sehr energisch
gesprochen und bestätigt, daß Rußland zum Kriege bereit sei,
und die übrigen Minister haben sich voll angeschlossen; es wurde
in entsprechendem Geist ein Bericht an den Zaren fertiggestellt,
und dieser Bericht wurde an demselben Abend bestätigt". (Schrei-
ben des Adjutanten eines Großfürsten vom 25. Juli 1914, Akten-
stücke zum Kriegsausbruch, 1915, S. 57. Vgl. auch Weißbuch
Nr. 205.)
     Bereits am 25. Juli wurden umfassende militärische Maß-
nahmen gegen Österreich-Ungarn angeordnet (Telegramm des
Zaren an den Kaiser vom 30. Juli, Weißbuch Nr. 390). Diese
Haltung entsprach, wie das Gelbbuch (Nr. 22) zeigt, der bereits
vor Überreichung der österreichisch-ungarischen Note zwischen
Rußland und Frankreich vereinbarten Einmischungspolitik. Diese
wiederum hat, wie die serbischen Enthüllungen ergeben, ihre
Ursache in den russischerseits Serbien seit Jahren gemachten
Zusicherungen hinsichtlich einer dereinst zu gewährenden Unter-
stützung gegen Österreich-Ungarn und des Erwerbs österreichisch-
ungarischer Gebietsteile.