Nr. 149. Der Botschafter in Konstantinopel an das Auswärtige Amt, 24. Juli 1914

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Nr. 149
Der Botschafter in Konstantinopel an das Auswärtige Amt1

Telegramm 364                                          Therapia, den 23. Juli 19142 3











nous verrons
hoffentlich






Quatsch
er soll sie doch erst
mal angliedern, das
andere findet sich !

     Markgraf Pallavicini war von seiner Regierung
beauftragt worden, den Großwesir vor dem Abschluß
eines Bündnisses mit Griechenland zu warnen. Ein
solches Bündnis werde die Türkei mit Rücksicht
auf die bevorstehende Änderung des Verhältnisses
Österreichs zu Bulgarien in eine schiefe Lage bringen.
Der Großweäir erklärte meinem österreichischen
Kollegen aufs Bestimmteste, daß er mit Herrn
Veniselos kein Bündnis verabreden werde, und daß
Österreich im Kriegsfalle mit derselben Sicherheit
auf die Türkei wie auf Bulgarien rechnen könne,
Auch Rumänien werde sich nach dei ersten energi-
schen Handlung wieder dem Dreibund zuwenden.
Schließlich wiederholte Großwesir dem mir gestern
von Enver Pascha geäußerten Wunsch, es möge der
Türkei der förmliche Eintritt in den Dreibund er-
möglicht werden. Markgraf Pallavicini, der inzwischen
die Frage mit mir besprochen hatte, entgegnete,
daß ein Bündnis mit der Türkei dem Dreibund
vorläufig noch :{U große Lasten auferlege. Der
Dreibund könne die Türkei nicht gegen jedermann
verteidigen. Großwesir bemerkte hierzu, daß Türkei
von dem Dreibund ausschließlich Schutz gegen Ruß-
land, nicht aber gegen Frankreich und England
verlange.                          Wangenheim

Sie bietet sich ja direkt an ! ! ! Eine Ab-
lehnung oder Brusquirung wäre gleich-
bedeutend mit Übergang derselben zu
Russo - Gallien, und unser Einßuß ist
               ein für allemal dahin !
Wangenheim soll den Türken sich in
Bezug auf Anschluß an 3 Bund unbe-
dingt klar entgegenkommend äußern
und ihre Wünsche entgegennehmen und
                         melden !
Wir dürfen sie unter gar keinen Um-
               ständen abweisen.
                                                  W.


1 Nach der Entzifferung.
2 Aufgegeben in Therapia 28. Juli 530 nachm., angekommen im Auswärtigen
Amt 820 nachm. ; Eingangsvermerk: 24. Juli vorm. Am 24. Juli von Jagow
nach Vornahme kleiner stilistischer Änderungen und unter Fortlassung
der Sätze » Markgraf Pallavicini war . . . . . . . . . . . schiefe Lage bringen« und
»Großwesir bemerkte . . . . . . . . . . . verlange« telegraphisch dem Kaiser mit-
geteilt, aufgegeben in Berlin 252 nachm., angekommen im Hoflager 70 nachm.,
Entzifferung des Hoflagers mit den Randbemerkungen des Kaisers vom
24. Juli traf am 27. Juli in Berlin ein. Noch am 24. Juli aber telegra-
phierte Wedel dem Auswärtigen Amt die oben am Rand wiedergegebenen
Verfügungen des Kaisers »Eine Ablehnung oder Brusquirung Um-
ständen abweisen«, Telegramm aufgegeben in Balestrand (»Hohenzollern«)
am 24. Juli 935 nachm, angekommen im Auswärtigen Amt 1145 nachm.
Eingangsvermerk: 25. Juli vorm. Am 25. Juli teilte daraufhin Jagow
dem Botschafter in Konstantinopel telegraphisch, unter Fortlassung der
Worte »unbedingt klar« und »gar«, die Randverfügungen des Kaisers
mit, Telegramm 10 nachm. zum Haupttelegraphenamt. Die vom Kaiser
durch Randverfügung angeordnete Mittteilung von Wangenheims Tele-
gramm an die Vertretungen in Wien, Sofia und Athen ist unterblieben.
3 Siehe Nr. 117, 141 und 144.