Nr. 182. Der Reichskanzler an der Kaiser, 25. Juli 1914

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Nr. 182
Der Reichskanzler an den Kaiser1

          Telegramm 139                                              Berlin, den 25. Juli 19142

Unglaubliche Zumu-
thung!

unerhört!4 ist mir gar-
sandten von der Mobil-
machung in Belgrad !
Diese kann Mobil-
machung Rußlands nach
sich ziehen ; wird Mobil-
machung Österreichs
nach sich ziehen ! In die-
sem Fall muß ich meine
Streitmacht zu Lande
und zu Wasser bei-
sammen
haben. In der
Ostsee ist kein einziges
Schiff! ! Ich pflege im
Übrigen militärische
Maßnahmen nicht nach
einem Wolfftelegramm
zu treffen, sondern nach
der Allgemeinen Lage
und die hat der Civil-
kanzler noch nicht be-
griffen!           W.





wenn Rußland mobil
macht muß meine Flotte
schon in Ostsee sein
also fährt sie nach Haus !


     Der Chef des Admiralstabes der
Marine teilt mir mit, daß Ew. M. mit
Rücksicht auf ein Wolfftelegramm3 der
Flotte Befehl zur schleunigen Vorbereitung
der Heimreise erteilt haben4. Admiral
von Pohl dürfte Ew. M. inzwischen5 die
Meldungen Ew. M. Marme-Attachés m Lon-
don uud des Vertrauensmannes der Marine
in Portsmouth unterbreitet haben, wonach
die englische Marine keinerlei auffällige
Maßnahmen
trifft, vielmehr7 die früher
vorgesehen Dislokationen planmäßig8
ausführt.
     Da auch die bisherigen Meldungen
Ew. M. Botschafters in Loudon erkennen
lassen, daß Sir E. Grey vorläufig wenig-
stens an eine direkte Teilnahme Englands
an einem eventuellen europäischen Krieg9
nicht denkt und auf tunlichst[e]10 Lokali-
sierung des österreichisch-ungarisch-ser-
bischen Konflikts hinwirken will, wage
ich alleruntertänigst zu befürworten, daß
Ew. M. Vorläufig keine Verfrühte11 Heim-
reise der Flotte befehlen12.

                     B e t h m a n n - H o l l w e g














braucht sie
nicht !
Sie ist bereits
Kriegsbereit,
wie die Revue
eben gezeigt hat
und hat mobil-
siert !
6



1 Nach dem Konzept. Entwurf von Zimmermanns Hand.
2 25. Juli 835 nachm. zum Haupttelegraphenamt, angekommen im Hoflager
26. Juli 70 vorm. Entzifferung vom Kaiser am 26. Juli zurückgegeben, war
am 2. August in Berlin.
3 Die Worte »ein« und »-telegramm« vom Kaiser zweimal unterstrichen.
4 »unerhört!« ist über »Wolfftelegramm« stehende Interlinearnotiz. Am
Rand daneben zwei Rufzeichen des Kaisers.
5 »inzwischen« fehlt in der Entzifferung des Hoflagers.
6 Stand am   l i n k e n   Rand.
7 »vielmehr« fehlt in der Entzifferung des Hoflagers.
8 » Dislokationen planmäßig« in der Entzifferung des Hoflagers in »Dislokations-
pläne« verderbt.
9 »europäischen« fehlt in der Entzifferung des Hoflagers, statt »Krieg« steht
dort »Verfahren«.
10 »tunlichste« fehlt in der Entzifferung des Hoflagers.
11 »verfrühte« fehlt in der Entzifferung des Hoflagers.
12 Siehe Nr. 221.