Nr. 187. Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt, 25. Juli 1914

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Nr. 187
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt1

Telegramm 103                               Wien, den 25. Juli 19142

     Ich habe Baron Macchio heute sehr nachdrücklich darüber zur
Rede gestellt, warum die mir gegebene Zusage, dem Marquis di San
Giuliano die Note v o r3 deren Übergabe in Belgrad durch Herrn
von Mérey mitzuteilen und den österreichisch-ungarischen Stand-
punkt dabei ausführlich klarzulegen, nicht eingehalten worden sei.
     Der erste Sektionschef erklärte mir hierauf, der, wie er selbst
zugeben müsse, »nicht glückliche« Verlauf dieser Sache sei die Folge
eines Mißverständnisses seitens des Herrn von Merey. Dieser habe
Nachricht erhalten gehabt, daß Marquis di San Giuliano von Fiuggi
nach Rom kommen werde, und habe danach beabsichtigt, dem Mi-
nister die Note in Rom mitzuteilen. Nun sei der Marquis aller-
dings nach Rom gekommen, sei aber schon wieder abgereist gewesen,
als der Botschafter ihn sprechen wollte. Herr von Merey sei dann
plötzlich erkrankt und habe dann am folgenden Tage erst den Bot-
schaftsrat nach Fiuggi senden können. So sei die Mitteilung um
einen Tag verspätet und nicht durch den Botschafter selbst erfolgt,
was er, Baron Macchio, lebhaft bedauere.

                                                                 T s c h i r s c h k y


1 Nach der Entzifferung.
2 Aufgegeben in Wien 620 nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 925
nachm.; Eingangsvermerk: 25. Juli nachm. Von Jagow, nach Vornahme
kleiner stilistischer Änderungen, dem Botschafter in Rom mitgeteilt, 26. Juli
215 vorm. zum Haupttelegraphenamt.
3 Siehe Nr. 136 Anm. 2.