Nr. 259. Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt, 27. Juli 1914

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Nr. 259
Der Botschafter in Wien an das Auswärtige Amt1

Telegramm 114                               Wien, den 27. Juh 19142 3

     Bulgarien hat hier wissen lassen, daß es nichts unternehmen
würde, ohne sich vorher mit Österreich-Ungarn zu verständigen.
Von hier aus ist Bulgarien energisch bedeutet worden, sich strikt
neutral zu halten, keine Aktion gegen Rumänien und auch in Ma-
zedonien zu unternehmen. Rumänische Nachricht, der zufolge Bul-
garien an rumänischer Grenze Truppen zusammenzieht, hält man
hier für falsch, sie stammt augenscheinlich von dem rumänischen
Vertreter
in Sofia, Derussi, der bekanntlich ein schlechtes Element
sei. Man werde weiter Bulgarien . . . . . . . . . . 4 soviel als irgend-
möglich Ruhe halten, um Rumänien nicht zu reizen.
     Herr Bratianu hat auch hier ersucht, kalmieiend auf Bulgarien
einzuwirken, worauf ihm energische Einwirkung in diesem Sinne zu-
gesagt worden ist.
     Graf Berchtold hat Herrn Bratianu sagen lassen, daß, falls
irgend jemand Rumänien angreifen würde, Österreich-Ungarn sofort
erklären würde, daß es als Bundesgenosse Rumäniens hinter diesem
stehe.

                                                            T s c h i r s c h k y


1 Nach der Entzifferung.
2 Aufgegeben in Wien 40 nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 533 nachm. ;
Eingangsvermerk: 27. Juli nachm. Entzifferung am 28. Juli an den Kaiser
gesandt, der durch Randverfügung Mitteilung nach Bukarest und Sofia
anordnete, vom Kaiser noch am 28. Juli ins Amt zurückgelangt. Am 28. Juli
wurde Tschirschkys Telegramm von Jagow den Vertretern in Sofia,
Bukarest und Konstantinopel »zur vertraulichen Information« tele-
graphisch mitgeteilt. Telegramme 1020 vorm. zum Haupttelegraphenamt.
3 Siehe Nr. 210 und 228.
4 Chiffrierbüro hat hier vermerkt: «Gruppe fehlt" Nach den Akten der
deutschen Botschaft in Wien fehlt jedoch nichts, indes ist anstatt »Ruhe« 
»ruhig« zu lesen.