Nr. 261. Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt, 27. Juli 1914

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Nr. 261
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt1

Telegramm 30                               Fiuggi Fönte, den 27. Juli 19142

     Marquis San Giuliano hat Gesandten Bukarest angewiesen : I. Ru-
mänische Regierung aufzufordern, in Belgrad zur Nachgiebigkeit zu
raten, 2. sich mit rumänischer Regierung darüber auszusprechen, daß
sowohl Italien als Rumänien ein Interesse daran hätten, daß Serbien
nicht völlig erdrückt werde. Wenn darüber hinaus Gesandter erklärt
habe, »Italien könne sich nicht am Konflikt beteiligen« etc., so habe
er Instruktion überschritten, und er werde ihn zurechtweisen.
     Ich habe den Minister darauf aufmerksam gemacht, daß mir
schon Punkt 2 in diesem Augenblick in Bukarest ein bedenkliches
Gesprächsthema erscheine, das besser unterbliebe. Minister bestand
aber darauf, daß der Bestand Serbiens für Italien ein unbedingtes
Erfordernis sei. Diese Barriere gegen Österreich dürfe nicht ver-
schwinden. Ich habe im allgemeinen noch einmal Minister gewarnt,
durch seine Sprache irgendwo Zweifel an der Festigkeit des Drei-
bunds aufkommen zu lassen ; seinem Zweck, den Frieden zu erhalten,
würde dadurch nur entgegengearbeitet. Ich darf anheimstellen, auch
Boilati zu warnen.

                                                            F l o t o w


1 Nach der Entzifferung.
2 Aufgegeben in Fiuggi Fönte 240 nachm., angekommen im Auswärtigen
Amt 66 nachm. Eingangsvermerk: 27. Juli nachm. Am 29. Juli von
Zimmermann, unter Fortlassung des Satzes »Ich darf . . . . . . . . . . warnen«
telegraphisch dem Geschäftsträger in Bukarest mitgeteilt, 210 nachm
zum Haupttelegraphenamt.