Nr. 268. Der österreichisch-ungarisch Botschafter an das Auswärtige Amt, 27. Juli 1914

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Nr. 268
Der österreichisch-ungarische Botschafter an das Auswärtige Amt1

                              Memorandum

                                                  Berlin, den 27. Juli 19142

     Die k. serbische Regierung hat es abgelehnt, die Forderungen,
welche wir zur dauernden Sicherung der von ihr bedrohten vitalsten
Interessen an sie stellen mußten, zu erfüllen, und so bewiesen, daß
sie ihre subversiven, auf die stete Beunruhigung einiger unserer
Grenzländer und deren schließliche Lostrennung aus dem Gefüge
der Monarchie gerichteten Bestrebungen nicht willens ist aufzu-
geben. Wir sind dadurch zu unserem Bedauern und sehr gegen
unseren Willen gezwungen worden, Serbien durch die schärfsten
Mittel zu einer grundsätzlichen Änderung seiner bisherigen feind-
seligen Haltung zu zwingen. Daß uns hierbei aggressive Tendenzen
ferneliegen und daß es ein Akt der Selbstverteidigung ist, wenn wir
uns nach Jahren der Duldung endlich entschließen, den groß-
serbischen Wühlereien auch mit dem Schwerte entgegenzutreten, ist
der k. deutschen Regierung wohl bekannt.
     Es gereicht uns zur aufrichtigen Genugtuung, daß wir bei der
k. deutschen Regierung und bei dem ganzen deutschen Volke
volles Verständnis dafür finden, daß das nach den Ergebnissen der
Untersuchung in Belgrad vorbereitete und von dortigen Sendungen
ausgeführte Attentat von Sarajevo unsere Langmut erschöpfen
mußte, und daß wir jetzt bestrebt sein müssen, uns mit allen Mit-
teln Garantien gegen die Fortdauer der gegenwärtigen unleidlichen
Verhältnisse an unserer südöstlichen Grenze zu verschaffen.
     Wir hoffen zuversichtlich, daß unsere bevorstehende Ausein-
andersetzung mit Serbien zu keinen weiteren Komplikationen Anlaß
geben wird; für den Fall, als dies aber dennoch eintreten sollte,
stellen wir mit Dankbarkeit fest, daß Deutschland in oft erprobter
Treue seiner Bundespflicht eingedenk sein und uns in einem uns auf-
gezwungenen Kampf gegen einen anderen Gegner unterstützen wird.


1 Nach der nicht unterzeichneten Ausfertigung.
2 Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 27. Juli. Vom Reichskanzler
am 28. Juli zurück.