Nr. 26 Der Gesandte in Berlin an den Vorsitzenden im Ministerrat

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Nr. 26
Der Gesandte in Berlin an den Vorsitzenden im Ministerrat

Bericht 418                                    Berlin, den 31. Juli 1914

     Ew. Exz. habe ich in Chiffre die heutige Lage gemeldet.

     Wie mir im Auswärtigen Amt gesagt wurde, sind die Würfel
dadurch in das Rollen gekommen, daß der russische Botschafter
Swerbejew die falsche Nachricht des Lokalanzeigers, Deutschland
mobilisiere, nach Petersburg gemeldet hat, ohne sich von der Rich-
tigkeit zu versichern. Man nimmt an, daß das Dementi, daß er
seiner Meldung nachsandte, ungenügend war, weil der Botschafter
seinen Fehler nicht glatt eingestehen wollte.

     Daß Kaiser Franz Joseph die Vermittlungsvorschläge abgelehnt
hat, wird hier bedauert, weil damit Rußland noch mehr ins
Unrecht versetzt worden wäre.

     Immerhin herrscht die Meinung vor, daß, nachdem Rußland
zur partiellen Mobilisierung geschritten ist, der Weltkrieg nicht
mehr aufzuhalten gewesen ist. Kaiser Nikolaus wäre kaum stark
genug gewesen, die Demobilisierung zu verfügen ohne eine Satis-
faktion von Österreich-Ungarn, die, wie die Dinge liegen, nicht zu
erhalten war.

     Genehmigen Ew. Exz. usw.

                                                            G.  H.  L e r c h e n f e l d