Nr. 283 Der Reichskanzler an den Kaiser, 28. Juli 1914

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Nr. 283
Der Reichskanzler an den Kaiser1

                                             Berlin, den 27. Juli 19142

     Ew. M. unterbreite ich anbei alleruntertänigst ein soeben ein-
gelaufenes Telegramm des Fürsten Lichnowsky3. Entsprechend den
Befehlen Ew. M. habe ich die Anregung Sir Edward Greys dem
Grafen Berchtold unterbreitet4. Österreichs Sache wird es sein,
dazu Stellung zu nehmen. Wollten wir jede Vermittlerrolle a limine
abweisen, zumal da London und Paris fortgesetzt auf Petersburg
einwirken, so würden wir vor England und der ganzen Welt als
verantwortlich für die Konflagration und als eigentliche Kriegstreiber
dastehen. Das würde uns einerseits unmöglich machen, im eigenen
Lande die jetzige gute Stimmung aufrechtzuerhalten, andererseits
aber auch England von seiner Neutralität abbringen.

                                                              Alleruntertänigst
                                                  v.   B e t h m a n n   H o l l w e g


1 Nach dem Konzept von der Hand des Reichskanzlers.
2 Randbemerkung des Kanzlers: »Morgen früh mit Boten nach dem Neuen
Palais«; abgegangen durch Boten 28. Juli 50 vorm.
3 Siehe Nr. 258. Jagow hatte in einer für den Kanzler bestimmten Notiz
gefragt: »Soll das Telegramm S. M. vorgelegt werden? Es dürfte S. M.
wohl kaum vorzuenthalten sein?« 
4 Siehe Nr. 277.