Nr. 337 Der Militärbevollmächtigte am russischen Hofe an das Auswärtige Amt, 29. Juli 1914

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Nr. 337
Der Militärbevollmächtigtc am russischen Hofe an das Auswärtige Amt1

Telegramm 174                          St. Petersburg, den 28. Juli 19142







das war
zu erwarten





kann sich Öster-
reich nicht darauf
einlassen

das ist die Sorge,
die mich erfüllte
nach Durchlesung
der Serbischen Ant-
wort



Königs-u.Fürsten-
mörder !
will es nicht !













das sind Phrasen
um die Verant-
wortung auf mich
abzuschieben das
lehne ich ab !

Blödsinn














ist erfolgt !
Ob eine Verstän-
digung erfolgt, ist
mir zweifelhaft

               Für S. M.

     Fürst Trubetzkoi aus der Umgebung
des Kaisers äußerte sich heute zu mir wie
folgt : Nachdem nunmehr die Antwort
Serbiens veröffentlicht ist, muß man den
guten Willen Serbiens anerkennen, den
Wünschen Österreichs voll und ganz nach-
zukommen, sonst hätte Serbien nicht in
so freundnachbarlichem Ton die unerhört
scharfe Note Österreichs beantwortet,
sondern sie einfach . . . . . . . . . . .3 Die
beiden strittigen Punkte konnte Serbien
nicht einfach annehmen ohne Gefahr
einer Revolution und will sie einem
Schiedsspruch4 unterbreiten. Dies ist
durchaus loyal, und Österreich würde
eine schwere Verantwortung auf sich
nehmen, durch eine Nichtanerkennung
dieser Haltung Serbiens einen euro-
päischen Konflikt heraufzubeschwören.
Als ich erwiderte, die Verantwortung
fiele auf Rußland5, welches doch außer-
halb des Konfliktes stände, sagte Fürst
Trubetzkoi : Wir lieben die Serben gar
nicht, aber sie sind unsere slawischen6
Stammesgenossen und wir können unsere
Brüder
7 nicht im Stiche lassen, wenn
es ihnen schlecht geht. Österreich kann
sie vernichten, und das können wir nicht
zugeben. Ich erwiderte, daß Österreich
keinen Strich Landes erwerben, sondern
nur Ruhe vor ihnen haben wolle. Er
antwortete, Krieg ist Krieg, und die
Übermacht Österreichs kann es zer-
malmen, was nachher kommt, ist doch
nicht abzusehen. Wir hoffen bestimmt,
daß es nicht zu dem furchtbaren, auto-
matisch folgenden Zusammenstoß der
Großmächte kommen wird, wobei Ozeane
von Blut vergossen werden, sondern
glauben, daß der Deutsche Kaiser dem
verbündeten Osterreich einen wohl-
meinenden Rat geben wird, den Bogen
nicht zu überspannen
, den guten Willen
Serbiens mit den gegebenen Ver-
sprechungen anzuerkennen und die Mächte
oder den Haager Schiedsspruch8 die
strittigen Punkte entscheiden zu lassen.
Die politische Leitung in Österreich be-
dürfe des Rates, denn der Kaiser sei
zu alt, um solchen Moment noch klar
zu beurteilen, der Thronfolger zu un-
erfahren, und Graf Berchtolds Schwäche
habe man hier in Petersburg zur Genüge
kennengelernt. Er fügte noch hinzu:
Der größere Freundschaftsdienst ist oft-
mals der gute Rat, eine Sache nicht zu
tun. Die Rückkehr Ihres Kaisers hat
uns alle sehr beruhigt, denn wir vertrauen
Sr. M. und wollen keinen Krieg, auch
Kaiser Nikolaus nicht. Es wäre gut,
wenn sich die beiden Monarchen ein-
mal telegraphisch verständigen,
     Dies ist die Ansicht eines der ein-
flußreichsten Männer des Hauptquartiers
und wohl die Ansicht der ganzen Um-
gebung.

                                             C h e l i u s























richtig


1 Nach dem für den Kaiser hergestellten und von ihm am 29. Juli an das
Auswärtige Amt zurückgesandten Exemplar der Entzifferung.
2 Aufgegeben Petersburg 28. Juli, angekommen im Auswärtigen Amt 29. Juli
342 vorm.
3 Ziflferngruppe unverständlich.
4 Dazu am Rand Fragezeichen und Ausrufungszeichen des Kaisers.
5 »richtig« steht im Original am rechten Rand.
6 »slawischen« dreimal vom Kaiser unterstrichen.
7 »Brüder« zweimal vom Kaiser unterstrichen.
8 »Haager Schiedsspruch« zweimal vom Kaiser unterstrichen.