Nr. 379 Der Geschäftsträger in Bukarest an das Auswärtige Amt, 29. Juli 1914

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Nr. 379
Der Geschäftsträger in Bukarest an das Auswärtige Amt1

Telegramm 49                               Sinaia, den 29. Juli 19142
Geheim!

     S. M. der König empfing mich heute morgen, sogleich nachdem
ich um Audienz gebeten hatte. Höchst derselbe wiederholte die mir
gestern gemachten Mitteilungen und fügte hinzu, es sei wohl mög-
lich, daß jetzige Regierung in Bulgarien ruhig bleiben würde, allein im
Augenblick eines Konflikts würde diese von Rußland weggefegt werden,
und Bulgarien ginge dann sofort ins russische Lager über. König
wies nochmals darauf hin, daß Bulgarien gut gerüstet sei und die
Stimmung hier im Lande eine Unterstützung Österreichs sehr er-
schweren werde. Inwieweit man auf Zuverlässigkeit Bulgariens bauen
kann, entzieht sich natürlich meiner Kenntnis. Ich habe Sr. M.
gegenüber geäußert, es könnte doch darauf hingewirkt werden, die
öffentliche Meinung in Österreich freundlichem Sinne zu beeinflussen.
Die Lage des Königs wird gegebenenfalls eine sehr schwierige sein.
Daher geht sein Wunsch dahin, Österreich möge den Krieg rasch
beendigen und maßvoll sein. Er meint, Deutschland könne in diesem
Sinne auf Österreich einwirken, wie er es schon getan habe. In
einem Telegramm, das König heute an Kaiser Franz Joseph, der
ihm Kriegserklärung angezeigt hatte, gesandt hat, heißt es : »Ich
hege den Wunsch, daß das von meinem Lande mit so viel Opfern
erworbene Gleichgewicht auf der Balkanhalbinsel unberührt bleiben
möge.« 
     Kaiser von Rußland hat heute König Telegramm gesandt als
Antwort auf sein Telegramm, in dem er für freundliche Aufnahme
der Deputation des rumänischen Regiments dem Zaren dankt. Das-
selbe enthält folgenden Passus : »Je ne doute pas que notre amitie
personnelle facilitera notre collaboration pour saufgarder3 si possible
la paix à cette heure grave.« Von beiden Telegrammen hat S. M.
der König mir vertraulich Kenntnis gegeben.

                                                                 W a l d b u r g


1 Nach der Entzifferung.
2 Aufgegeben in Sinaia 29. Juli 745 nachm., angekommen im Auswärtigen
Amt 110 nachm.; Eingangsvermerk: 30. Juli vorm.
3 So in der Entzifferung für »sauvegarder«.