Nr. 403 Der Gesandte in Brüssel an den Reichskanzler, 30. Juli 1914

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Nr. 403
Der Gesandte in Brüssel an den Reichskanzler1

                                             Brüssel, den 28. Juli 19142

     Der österreichisch-serbische Konflikt hat die öffentliche Mei-
nung hier stark beunruhigt, und nur der Umstand, daß es bisher
zu offenen Feindseligkeiten zwischen den Streitenden nicht ge-
kommen, läßt die Hoffnung zu, daß weitere den europäischen
Frieden ernstlich gefährdende Konsequenzen vermieden werden
können.
     In offiziellen Kreisen verhält man sich ruhig abwartend, wie
ich aus einer Unterhaltung mit Herrn Davignon entnehmen konnte,
und rechnet mit der Möglichkeit, daß es dem Einfluß Deutschlands
und Frankreichs in Wien bzw. St. Petersburg vielleicht gelingen
werde, die erhitzten Gemüter zu beruhigen.
     Irgendwelche nennenswerte Vorbereitungen für eine Mobilisierung
der belgischen Armee sind bisher noch nicht getroffen worden, außer
daß die Urlaubsbewilligungen an Offiziere und Mannschaften rück-
gängig gemacht worden sind. Unter der Hand wird man allerdings
wohl alle Vorbereitungen treffen, damit im Notfalle die Mobili-
sierung glatt vonstatten geht.
                                                            v o n   B e l o w


1 Nach der Entzifferung.
2 Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 30 Juli vorm. Bericht lag dem
Kaiser vor, der durch Randverfügung Mitteilung an Generalstab an-
ordnete; vom Kaiser über Generalstab am 1. August ins Amt zurück-
gelangt.