Nr. 446 Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt, 30. Juli 1914

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Nr. 446
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt1

Telegramm 156                               Rom, den 30. Juli 19142

     Marquis di San Giuliano ist sehr alarmiert über Nachricht, daß
die direkten Verhandlungen zwischen Österreich und Rußland abge-
brochen seien. Es sei keine Frage mehr, daß Rußland zum Krieg
bereit sei, und daß England an ihm teilnehmen werde. Sachliche
Differenz zwischen Rußland und Österreich sei aber ganz gering,
nachdem Österreich erklärt habe, keine Absichten, Territorium zu
erwerben, zu haben. Es handelte sich darum zu wissen, was denn
eigentlich nun Österreich wolle, und dann in Petersburg anzufragen,
ob Rußland österreichische Absichten zulassen könne. Es sei absolut
nötig, daß die k. Regierung mit Wien in Verbindung trete, nicht
um Österreich zur Nachgiebigkeit zu bewegen, sondern nur,
um die österreichischen Absichten und Forderungen festzustellen3.
Dann könnten die anderen Mächte, hauptsächhch England, aber
auch Italien, auf dieser Basis in Petersburg verhandeln, um euro-
päischen Krieg zu vermeiden.
     Habe erwidert, daß russisch-österreichischer Abbruch wahr-
scheinlich durch russische Mobilisierung herbeigeführt und mir be-
greiflich scheine. Minister meinte, das schließe weitere Verhand-
lungen nicht aus.
     Vertraulich. Herr Bollati berichtete, kais. Regierung habe
sich — entgegen ihrer früheren Annahme — überzeugt, daß Ruß-
land und England am Krieg teilnehmen würden.

                                                                      F l o t o w


1 Nach der Entzifferung.
2 Aufgegeben in Rom 730 nachm., angekommen im Auswärtigen Amt 105
nachm.; Eingangsvermerk: 30. Juli nachm.
3 Siehe Nr. 457.