Nr. 795 Der Botschafter in Konstantinopel an das Auswärtige Amt, 4. August 1914

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Nr. 795
Der Botschafter in Konstantinopel an das Auswärtige Amt1

Telegramm 416 Therapia, den 3. August 19142




Beschleunigung
des Bündnisab-
schließens in Sofia
betreiben. Schluß-
satz Beßarabien
betr. mitth. ebenso
unserenBündnisab-
schluß wie der mit
Sofia in Stambul
mitth.           W.











gut

     Enver und Liman möchten sofort Rußland den
Krieg erklären, um drei hier hegende wertvolle
russische Dampfer mit drahtloser Telegraphie nehmen
zu können. Großwesir und . . . . . . . . . .3 sind da-
gegen, weil
     1. die türkische Mobilmachung, die energisch
         begonnen hat, noch nicht vollendet ist,
     2. weil Bulgariens Haltung noch nicht fest-
         steht und ohne Bulgarien ein direktes
         Eingreifen gegen Rußland nicht möglich
         ist, und
     3. weil wir befürchten, nach Kriegserklärung
         der »Osmane« von England festgehalten
         werden könnte.
     Ich habe General Liman bestimmt, zunächst
näher über Bulgariens Anschluß abzuwarten. Nach
einem der österreichischen Botschaft zugegangenen
Telegramm soll hiesiger bulgarischer Gesandter unter
Markgraf Pallavicinis und meiner Unterstützung die
Bündnisverhandlungen mit der Pforte wieder auf-
nehmen. Bis jetzt liegt uns keine Nachricht vor,
daß bulgarischer Gesandter Instruktion erhalten
hätte4. Alles hängt jetzt von der Schnelligkeit der
bulgarischen Entschlüsse und Handlungen ab. Ru-
mänien könnte evtl. in Aussicht gestellt werden,
daß Türken und Bulgarien Bessarabien für Ru-
mänien erobern helfen würden.
     Es ist wünschenswert, daß General Liman bald-
möglichst von unserm Generalstab Direktiven er-
hält5.

                                              W a n g e n h e i m


1 Nach der Entzifferung.
2 Aufgegeben in Therapia 3. August 235 nachm., angekommen im Auswärti-
gen Amt 4. August 1226 vorm. Eingangsvermerk: 4. August vorm. Am
4. August dem Generalstab, Kriegsministerium, Admiralstab und Reichs-
marineamt mitgeteilt. Entzifferung am 4. August an den Kaiser gesandt,
der auf dem Rande vermerkt: »11. 15 N. M.«; noch am 4. August ins Amt
zurückgelangt.
3 Zifferngruppe unverständlich.
4 Siehe Nr. 816 und 854.
5 Siehe Nr. 836.