Nr. 80. Der Gesandte im kaiserlichen Gefolge an das Auswärtige Amt, 19. Juli 1914

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Nr. 80
Der Gesandte im kaiserlichen Gefolge an das Auswärtige Amt1

Telegramm 117                       Balholm (»Hohenzollem«), den 19. Juli 19142

     S. M. bitten Ew. Exz. zu erwägen, ob nicht schon jetzt die
Generaldirektoren der Hapag und des Norddeutschen Lloyd streng
vertraulich und unter der Hand durch Gesandten in Hamburg dahin
verständigt werden sollten, daß am 23. österreichisches Ultimatum
zu erwarten3. Im Hinblick auf unübersehbare, vielleicht sehr rasch
eintretende Folgen scheint es Sr, M. wünschenswert, daß die beiden
großen Linien beizeiten avertiert werden, um rechtzeitig Dispositionen
treffen und im Auslande befindlichen Dampfern Ordre erteilen zu
können4.

                                                                 W e d e l


1 Nach der Entzifferung, Auch das Konzept von Graf G. Wedels Hand be-
findet sich jetzt bei den Akten.
2 Aufgegeben in Balholm 110 nachm., angekommen im Auswärtigen Amt
435 nachm. Eingangsvermerk: 20. Juli vorm.
3 Siehe Nr. 69.
4 Jagow gab unter Zustimmung des Reichskanzlers dieser Anregung Folge.
In einem vom 19. Juli datierten, am 20. Juli 1210 vorm. zum Haupt-
telegraphenamt gegebenen Telegramm an den Reichskanzler teilt er den
Inhalt des Balholmer Telegramms mit und fügt bei: »Ich sehe morgen
Ballin und werde ihn streng vertraulich orientieren, falls Ew. Exz. nicht
anders befehlen. Generaldirektor Lloyd müßte dann durch Gesandten Ham-
burg orientiert bzw. hierher zitiert werden.« Das um 640 vorm. in Hohen-
finow eingegangene Telegramm wurde in zustimmender, 1125 vorm. ab-
gesandter Depesche (»Einverstanden«) beantwortet. An den Direktor des
Norddeutschen Lloyd von Plettenberg telegraphierte Jagow am 20. Juli
nachm.: »Wäre dankbar, wenn Sie in wichtiger Angelegenheit mich
morgen persönlich aufsuchen könnten. Staatssekretär von Jagow«; Tele-
gramm 720 nachm. zum Haupttelegraphenamt. Siehe ferner Nr. 90.