Nr. 823 Der englische Botschafter an das Auswärtige Amt, 4. August 1914

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Nr. 823
Der englische Botschafter an das Auswärtige Amt1

                                                  [Berlin, den 4. August 19142]
                                     A i d e   M é m o i r e
     Sir Edward Goschen has been informed by Sir Edward Grey
that His Majesty the King of the Belgians has addressed to His
Majesty King George an appeal for diplomatic Intervention on behalf
of Belgium.
     His Majesty's Government are also informed that a Note has
been delivered to the Belgian Government by the German Government
proposing friendly neutrality entailing free passage through Belgian
territory, and promising to maintain at the conclusion of peace the
independence and integrity of the Kingdom and its possessions,
threatening to treat Belgium as an enemy in case of refusal.
It was requested that an answer might be returned within twelve
hours.
     His Majesty's Government also understand that this request has
been categorically refused by Belgium as a flagrant violation of the
Law of Nations.
     Sir Edward Grey states that His Majesty's Government are
bound to protest against this violation of a Treaty to which Germany
is a party in common with themselves, and that they must request
an assurance that the demand made upon Belgium will not be
proceeded with and that Germany will respect the neutrality of
Belgium.
     Sir Edward Goschen is instructed to ask for an immediate reply3.

                                        Ü b e r s e t z u n g
                                                  N o t i z

     Sir Edward Goschen ist von Sir Edward Grey benachrichtigt worden,
daß S. M. der König der Belgier an S. M. König Georg eine Bitte um diplo-
matische Intervention zugunsten Belgiens gerichtet hat.
     Sr. M. Regierung hat auch erfahren, daß die deutsche Regierung an die
belgische Regierung eine Note gerichtet und ihr vorgeschlagen hat, wohl-
wollende Neutralität zu beobachten, die freien Durchmarsch durch belgisches
Gebiet zur Folge haben würde, während Deutschland verspricht, bei Friedens-
schluß die Unabhängigkeit und Integrität des Königreichs und seiner
Besitzungen aufrechtzuerhalten, jedoch droht, Belgien im Falle einer Wei-
gerung als Feind zu betrachten. Es wurde verlangt, daß innerhalb zwölf
Stunden eine Antwort gegeben werde.
     Sr. M. Regierung hat auch gehört, daß diese Forderung als eine offen-
kundige Verletzung des Völkerrechts energisch zurückgewiesen worden ist.
Sir Edward Grey erklärt, daß Sr. M. Regierung verpflichtet ist, gegen die Ver-
letzung eines Vertrags zu protestieren, den Deutschland gemeinsam mit ihr
selbst geschlossen hat, und daß sie eine Zusicherung verlangen muß, daß die
an Belgien gestellte Forderung nicht weiter verfolgt werden wird, und daß
Deutschland die Neutralität Belgiens achten wird.
     Sir Edward Goschen ist angewiesen, um eine umgehende Antwort zu
ersuchen.


1 Nach der nicht unterzeichneten Ausfertigung.
2 Datum im Original unter dem Text. Randvermerk Jagows am 4. August:
»Von Sir E.Goschen heute nachmittag überreicht.« Eingangsvermerk des Aus-
wärtigen Amts: 4. August nachm. Dem Kaiser am 4. August vorgelegt, der
darauf vermerkt: »7 h. N. M.« und durch Randverfügung Weiterleitung an
den Chef des Generalstabs behufs Kenntnisnahme anordnet. Ausfertigung
gelangte über Generalstab am 5. August ins Amt zurück. Jagow vermerkte
auf der Ausfertigung: »ich habe Sir E. Goschen geantwortet, daß wir die
belgische Neutralität aus Notwehr hätten verletzen müssen, ich habe alle
unsere zwingenden Gründe auseinandergesetzt und alle in London ab-
gegebenen Versicherungen nochmals wiederholt. Jagow.« 
3Vgl. englisches Blaubuch Nr. 153 und 160. Siehe Nr. 839.