Nr. 839 Der englische Botschafter an das Auswärtige Amt, 4. August 1914

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Nr. 839
Der englische Botschafter an das Auswärtige Amt1

Berlin, August 4, 19142
                                     A i d e   M é m o i r e

     His Majesty's Government hear that Germany has addressed
a Note to the Belgian Minister for Foreign Affairs stating that the
German Government will be compelled to carry out, if necessary
by force of arms, measures which they consider indispensable.
     His Majesty's Government are also informed that Belgian
territory has been violated at Gemmerich3.
     In these circumstances, and in view of the fact that Germany
declined4 to give the same assurance respecting Belgium as France
gave last week in reply to the request made simultaneously at
Berlin and Paris, His Majesty's Government must repeat that request
and ask that a satisfactory reply to it and to the communication
made by Sir Edward Goschen earlier in the afternoon be received
in London by twelve o'clock to-night. If not, Sir Edward Goschen
is instructed to ask for his Passports and to say that His Majesty's
Government feel bound to take all steps in their power to uphold
the neutrality of Belgium and the observance of a Treaty to which
Germany is as much a party as His Majesty's Government5.

                                        Ü b e r s e t z u n g
                                                 N o t i z

     Sr. M. Regierung erfährt, daß Deutschland an den belgischen Minister
des Auswärtigen eine Note des Inhalts gerichtet hat, daß die deutsche
Regierung nötigenfalls mit Waffengewalt Maßnahmen, die sie für unentbehr-
lich hält, durchzuführen gezwungen sein werde. Sr. M. Regierung hat auch
erfahren, daß belgisches Gebiet bei Gemmenich verletzt worden ist.
     Unter diesen Umständen und in Anbetracht der Tatsache, daß Deutsch-
land sich geweigert hat, in betreff Belgiens die gleiche Versicherung zu er-
teilen, die Frankreich vergangene Woche als Antwort auf das gleichzeitig in
Berlin und Paris gestellte Ersuchen abgegeben hat, muß Sr. M. Regierung
dieses Ersuchen wiederholen und verlangen, daß hierauf und auf die von
Sir Edward Goschen früher im Laufe des Nachmittags gemachte Mitteilung
bis heute 12 Uhr nachts eine zufriedenstellende Antwort in London eingeht.
Andernfalls ist Sir Edward Goschen angewiesen, seine Pässe zu verlangen
und mitzuteilen, daß Sr. M. Regierung sich für verpflichtet hält, alle in ihrer
Macht liegenden Schritte zu tun, um die Neutralität Belgiens und die Ein-
haltung eines Vertrages zu sichern, zu dessen Unterzeichnern Deutschland
ebenso gehört wie Sr. M. Regierung.


1 Nach der nicht unterzeichneten Ausfertigung.
2 Ort und Datum im Original unter dem Text. Notiz des Staatssekretärs :
»Soeben 7 Uhr abends von Sir E. Goschen übergeben. Jagow.« Eingangs-
vermerk des Auswärtigen Amts : 4. August nachm. Ausfertigung lag am
4. August dem Kaiser vor, der darauf vermerkte: »745 N. M. W.« und
durch Randverfügung »Abschrift an Chef des Stabes« verfügte; am
4. August nachm. ins Amt zurückgelangt. Abschrift durch Boten am
5. August dem Chef des Generalstabes um 1030 nachm., Kriegsminister,
Staatssekretär des Reichsmarineamts und dem Chef des Admiralstabes
80 nachm. übersandt.
3 So in der Ausfertigung für Gemmenich.
4 Siehe Nr. 823 Anm. 2.
5 Siehe Nr. 863. Vgl. ferner englisches Blaubuch 1914 Nr. 159 und 160.