Nr. 869 Der Chef des Generalstabs des Feldheeres an den Staatssekretär des Auswärtigen, 5. August 1914

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Nr. 869
Der Chef des Generalstabs des Feldheeres an den Staatssekretär des Auswärtigen1

Eilt sehr !                                    Berlin, den 4. August 19142

     Von den Beschwerden der französischen Regierung3 über Grenz-
verletzungen von deutscher Seite ist nur eine einzige zuzugeben.

     Gegen den ausdrücklichen Befehl hat eine anscheinend von
einem Offizier geführte Patrouille des XIV. Armeekorps am
2. August die Grenze überschritten. Sie ist scheinbar abgeschossen.
Nur ein Mann ist zurückgekehrt. Daß diese Patrouille Pferde fort-
geführt hat, ist also ausgeschlossen.

     Aber lange bevor diese einzige kleine Grenzüberschreitung er-
folgte, haben französische Flieger mitten in Bayern, in der Gegend
von Nürnberg, auf unsere Bahnlinien Bomben abgeworfen, haben am
Schluchtpaß französische Truppen unsere Grenzschutztruppen an-
gegriffen. Von französischer Seite ist der erste Schuß gefallen.

     Unsere Truppen haben sich dem Befehle gemäß zunächst gänz-
lich auf die Abwehr beschränkt. Erst als die französischen Grenz-
verletzungen sich häuften, wurde am 3. August vorm. Vorschieben
der Aufklärung über die Grenze gestattet.

     Dabei handelte es sich lediglich um eine Sicherungsmaßnahme.
Denn es war nicht zu verantworten, daß man unsere Truppen ohne
Aufklärung ließ und sie Überraschungen und dadurch unweigerlich
Verlusten aussetzte.

                                                                      v.   M o l t k e


1 Nach der Ausfertigung.
2 Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 5. August. Siehe jedoch schon
Rede des Reichskanzlers vom 4. August 315 nachm. (Stenographische
Berichte der Verhandlungen des Reichstags, Band 306 Seite 6).
3 Siehe Nr. 705 und 722.