Nr. 128. Der Botschafter in Wien an den Reichskanzler, 23. Juli 1914

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Nr. 128
Der Botschafter in Wien an den Reichskanzler1

Geheim! Wien, den 22. Juli 19142 3

Habe heute mit Graf Forgäch Notwendigkeit Einwirkung auf fremde Presse eingehend besprochen. Was Italien anlange, so hat Herr von Merey Vollmacht, jede Summe, die ihm erforderlich erscheinen sollte, zu verwenden. Botschafter vertritt bisl;erigen Standpunkt, daß es äußerst gefährlich sein würde, jetzt plötzlich mit großen Mitteln an italienische Presse heranzutreten. Dies würde, wie er glaubt, dort Mißtrauen erwecken und womöglich gegenteihgen Effekt haben. Er ist aber nochmals angewiesen worden, Versuche zur Einwirkung auf dortige Presse zu machen und jedenfalls nach erfolgtem Schritt in Belgrad alles, und mit allen Mitteln, daran zu setzen, daß die leitenden Zeitungen die hier gewünschte neutrale Stellung der itahenischen Regierung nicht unmöglich machen.

Graf Czernm in Bukarest hat gleichfalls iilimitierte Summen zur Verfügung. Er soll es insbesondere versuchen, den »Adeverul«  zu kaufen.

Auch Graf Szäpäry hat gleiche Vollmacht. Er hat aber wenig Fühlung mit dortiger Presse, und es würde hier mit besonderem Dank erkannt werden, wenn Graf v. Pourtales ihm bei Ausfindig- machung von Mittelsleuten an die Hand gehen könnte ^.

In England sei mit Geld nichts zu machen, dort müsse man versuchen, durch sachliche Erörterungen zu wiiken. Graf Mensdorff habe auch schon mit Mr. Steed von Times Fühlung genommen, der aber leider, nach Momenten besserer Einsicht wieder in seine Austrophobie verfallen zu sein scheine. In nächster Zeit würden aber von Professor Lammasch, Professor Redlich und Graf v. Lützow Artikel in den englischen Zeitungen erscheinen.

Auf die französische Presse mit Geld einzuwirken, halte man hier für aussichtslos.

Einwirkung auf hiesige Presse, um nach Demarche die nationalen Gefühle der eigenen Serben zu schonen, habe ich Graf Forgäch warm ans Herz gelegt. Er wird alles mögliche in dieser Richtung tun imd ist der tatkräftigen Mitwirkung des Grafen Tisza in dieser Be- ziehung sicher. ' von Tschirschky



^ Nach der Entzifferung. ^ Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 23. Juli nachm. Abs. i »Habe machen« am 25. Juli nachm. durch Erlaß dem Botschafter in Rom »zur Information« mitgeteilt. ^ Siehe Nr. 97.

  • Siehe Nr. 143.