Difference between revisions of "Nr. 176. Der Botschaft in Wien an den Reichskanzler, 25. Juli 1914"

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Revision as of 14:26, 1 June 2015

WWI Document Archive > Official Papers > Die Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914 — Volume 1 > Nr. 176.
Nr. 176
Der Botschafter in Wien an den Reichskanzler1

























gut

                                             Wien, den 24. Juh 19142

     Graf Berchtold las mir die telegraphische
Meldung vor, die Baron Giesl über seine Besprechung
mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Patschu
behufs Übergabe der Note gehabt hat. Die Unter-
ledung sei ihm erst nach einigem Zögern seitens
des Herrn Patschu gewährt worden, der versucht habe,
ihm mit Rücksicht auf die Abwesenheit des Herrn
Paschitsch auszuweichen. Sie habe dann punkt 6 Uhr
in Anwesenheit des Generalsekretärs des Ministeriums
des Auswärtigen stattgefunden, da Herr Patschu nicht
französisch spreche. Baron Giesl hat die Note
nicht verlesen, sondern sich auf deren Übergabe
und auf die Bemerkung beschränkt, daß die öster-
reichische Regierung binnen 48 Stunden eine Ant-
wort verlange und daß, im Falle diese nicht unbe-
dingt zustimmend erfolge, er angewiesen sei, mit
dem gesamten Personal der Gesandtschaft Belgrad
zu verlassen. Herr Patschu hat gemeint, es würde
für die serbische Regierung physisch unmöglich
sein, den Ministerrat zusammenzurufen und eine
Antwort in so kurzer Zeit zu erteilen. Baron Giesl
hat diese Ausflucht im Zeitalter des Telegraphen
und des Telephons und angesichts der Größenver-
hältnisse des serbischen Königreichs nicht gelten
lassen. Übrigens war, wie Baron Giesl bekannt,
der Ministerrat bereits um 5 Uhr in Belgrad zu-
sammengetreten
3.
     Graf Berchtold sagt mir noch, Herr Dillon,
der politische Sturmvogel, der überall erscheine, wo
politische Gewitter im Anzuge seien, habe ihn eben
besucht. Auch bei Graf Hoyos sei er gewesen.
Man habe ihm sehr eingehend den hiesigen Stand-
punkt und die hiesigen Absichten dargelegt, und
Herr Dillon scheine für letztere gewonnen zu sein.
Im Anfang habe er allerdings versucht, sich als
Vermittler zwischen Österreich und Serbien anzu-
bieten. Darauf sei er, der Minister, aber nicht
eingegangen, denn er sei fest entschlossen, sich auf
keinen Handel einzulassen
.

                                             v o n   T s c h i r s c h k y


1 Nach der Ausfertigung.
2 Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 25. Juli nachm. Bericht lag dem
Kaiser vor, von ihm am 27. Juli zurückgegeben.
Am Rand Ausrufungszeichen des Kaisers.