Difference between revisions of "Nr. 26. Der Kaiser an den Kaiser von Österreich, 9. Juli 1914"

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Baiholm, den 14. Juli 1914<sup>2</sup>
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Mein teurer Freund! <br>
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&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mit aufrichtiger Dankbarkeit habe ich es empfunden, daß Du <br>
 
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Ich betrachte die von Großvater und Vater auf mich überkommene <br>
 
Ich betrachte die von Großvater und Vater auf mich überkommene <br>
 
enge Freundschaft zu Dir als ein kostbares Vermächtnis und er- <br>
 
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Schutz unserer Länder. Bei meiner verehrungsvollen Anhänglichkeit <br>
 
Schutz unserer Länder. Bei meiner verehrungsvollen Anhänglichkeit <br>
 
an Deine Person wirst Du ermessen können, wie schwer die Aufgabe <br>
 
an Deine Person wirst Du ermessen können, wie schwer die Aufgabe <br>
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Tat, die sich vornehmlich das feste Gefüge der Monarchien als An- <br>
 
Tat, die sich vornehmlich das feste Gefüge der Monarchien als An- <br>
 
griffsobjekt ausersieht, mit allen Machtmitteln entgegenzutreten. Ich <br>
 
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und in der Folgewirkung dem Dreibund aus der von russischen und <br>
 
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serbischen Panslawisten betriebenen Agitation drohen, und erkenne <br>
 
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daß es Dir vergönnt sein möge, nach den schweren Tagen durch den<br>  
 
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Aufenthalt in Ischl Erholung zu finden. <br>
 
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sandte Handschreiben erhielt nach seinem Wiedereintreffen im Auswärtigen <br>
 
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Amt das Datum, das der Kaiser auf dem es ins Hof lager begleitenden Immediat- <br>
 
Amt das Datum, das der Kaiser auf dem es ins Hof lager begleitenden Immediat- <br>
bericht des Reichskanzlers (Nr. 25) niedergeschrieben hat: Baiholm, den <br>
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bericht des Reichskanzlers ([[Nr. 25 Der Reichskanzler an den Kaiser, 9. Juli 1914|Nr. 25]]) niedergeschrieben hat: Balholm, den <br>
14. Juli 19 14. Die vom Kaiser vollzogene Ausfertigung des Handschreibens <br>
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14. Juli 1914. Die vom Kaiser vollzogene Ausfertigung des Handschreibens <br>
 
wurde von Jagow am 17. Juli an den Botschafter in Wien abgesandt »mit <br>
 
wurde von Jagow am 17. Juli an den Botschafter in Wien abgesandt »mit <br>
 
dem Ersuchen, es durch Vermittlung der dortigen Regierung an seine <br>
 
dem Ersuchen, es durch Vermittlung der dortigen Regierung an seine <br>
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schreibens, von denen eine für den Grafen Berchtold, die andere für <br>
 
schreibens, von denen eine für den Grafen Berchtold, die andere für <br>
 
die Akten der Botschaft bestimmt war, wurden beigefügt. <br>
 
die Akten der Botschaft bestimmt war, wurden beigefügt. <br>
<sup>3</sup> Siehe Nr. 13. <br>
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<sup>3</sup> Siehe [[Nr. 13. Der Kaiser von Österreich an den Kaiser, 5. Juli 1914|Nr. 13]]. <br>
Aktenstüeke I. <br>
 
 
<sup>4</sup> Die Worte »als Gegengewicht« im Entwurf von Zimmermann beigefügt. <br>
 
<sup>4</sup> Die Worte »als Gegengewicht« im Entwurf von Zimmermann beigefügt. <br>
 
<sup>5</sup> Die Worte »In Wilhelm« waren in der abgegangenen Ausfertigung <br>
 
<sup>5</sup> Die Worte »In Wilhelm« waren in der abgegangenen Ausfertigung <br>
 
vom Kaiser eigenhändig geschrieben.
 
vom Kaiser eigenhändig geschrieben.
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[[Category:Documents dated 1914-07-14]]

Latest revision as of 03:22, 10 March 2019

WWI Document Archive > Official Papers > Die Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914 — Volume 1 > Nr. 26.
Nr. 26
Der Kaiser an den Kaiser von Österreich1

                                                  Balholm, den 14. Juli 19142

                              Mein teurer Freund!

     Mit aufrichtiger Dankbarkeit habe ich es empfunden, daß Du
in den Tagen, wo Ereignisse von erschütternder Tragik über Dich
hereingebrochen waren und schwere Entscheidungen von Dir forderten.
Deine Gedanken auf unsere Freundschaft gelenkt und diese zum
Ausgangspunkt Deines gütigen Schreibens an mich3 gemacht hast.
Ich betrachte die von Großvater und Vater auf mich überkommene
enge Freundschaft zu Dir als ein kostbares Vermächtnis und er-
blicke in deren Erwiderung durch Dich das sicherste Pfand für den
Schutz unserer Länder. Bei meiner verehrungsvollen Anhänglichkeit
an Deine Person wirst Du ermessen können, wie schwer die Aufgabe
meiner Reise nach Wien und der mir auferlegte Verzicht auf die
öffentliche Bekundung meiner innigen Anteilnahme an Deinem tiefen
Schmerz mich bekümmern mußte.
     Durch Deinen bewährten und von mir aufrichtig geschätzten
Botschafter wird Dir meine Versicherung übermittelt worden sein,
daß Du auch in den Stunden des Ernstes mich und mein Reich in
vollem Einklang mit unserer altbewährten Freundschaft und unseren
Bündnispfiichten treu an Eurer Seite finden wirst. Dir dies an
dieser Stelle zu wiederholen, ist mir eine freudige Pflicht.
     Die grauenerregende Freveltat von Sarajevo hat ein grelles
Schlaglicht auf das unheilvolle Treiben wahnwitziger Fanatiker und
die den staatlichen Bau bedrohende panslawistische Hetzarbeit ge-
worfen. Ich muß davon absehen, zu der zwischen Deiner Regierung
und Serbien schwebenden Frage Stellung zu nehmen. Ich erachte
es aber nicht nur für eine moralische Pflicht aUer Kulturstaaten,
sondern als ein Gebot für ihre Selbsterhaltung, der Propaganda der
Tat, die sich vornehmlich das feste Gefüge der Monarchien als An-
griffsobjekt ausersieht, mit allen Machtmitteln entgegenzutreten. Ich
verschließe mich auch nicht der ernsten Gefahr, die Deinen Ländern
und in der Folgewirkung dem Dreibund aus der von russischen und
serbischen Panslawisten betriebenen Agitation drohen, und erkenne
die Notwendigkeit, die südhchen Grenzen Deiner Staaten von diesem
schweren Drucke zu befreien. Ich bin daher bereit, das Bestreben
Deiner Regierung, das dahin geht, die Bildung eines neuen Balkan-
bundes unter russischer Patronanz und mit der Spitze gegen Öster-
reich-Ungarn zu hintertreiben und als Gegengewicht4, ferner den
Anschluß Bulgariens an den Dreibund herbeizuführen, nach Tun-
lichkeit zu fördern. Demgemäß habe ich trotz gewisser Bedenken,
die in erster Linie durch die geringe Zuverlässigkeit des bulgarischen
Charakters bedingt werden, meinen Gesandten in Sofia anweisen
lassen, die diesbezüghchen Schritte Deines Vertreters auf dessen
Wunsch zu unterstützen.
     Des weiteren habe ich meinen Geschäftsträger in Bukarest be-
auftragt, sich zu König Carol im Sinne Deiner Anregungen zu
äußern und unter Hinweis auf die durch die jüngsten Ereignisse
neu geschaffene Lage die Notwendigkeit eines Abrückens von Serbien
und einer Unterbindung der gegen Deine Länder gerichteten Agitation
hervorzuheben. Ich habe gleichzeitig besonders betonen lassen, daß
ich den größten Wert auf die Erhaltung der bisherigen vertrauens-
vollen Bundesbeziehungen zu Rumänien lege, die auch bei einem
eventuellen Anschluß Bulgariens an den Dreibund keinerlei Beein-
trächtigung zu erleiden brauchen würden.
     Zum Schluß darf ich dem herzlichen Wunsche Ausdruck geben,
daß es Dir vergönnt sein möge, nach den schweren Tagen durch den
Aufenthalt in Ischl Erholung zu finden.

                         In aufrichtiger Anhänglichkeit

                                                            Dein treuer Freund
                                                                 W i l h e l m 5


1 Nach dem Konzept. Entwurf von Bergen gezeichnet, mit Ergänzungen
und Änderungen Bergens, Zimmermanns und Jagows. Siehe deutsches
Weißbuch vom Juni 1919, Anlage V, 6.
2 Die bei den Akten befindlichen Konzepte sowie eine erste, nicht verwendete
Reinschrift sind undatiert. Das mit dem Immediatbericht d. d. 9. Juli abge-
sandte Handschreiben erhielt nach seinem Wiedereintreffen im Auswärtigen
Amt das Datum, das der Kaiser auf dem es ins Hof lager begleitenden Immediat-
bericht des Reichskanzlers (Nr. 25) niedergeschrieben hat: Balholm, den
14. Juli 1914. Die vom Kaiser vollzogene Ausfertigung des Handschreibens
wurde von Jagow am 17. Juli an den Botschafter in Wien abgesandt »mit
dem Ersuchen, es durch Vermittlung der dortigen Regierung an seine
hohe Bestimmung gelangen zu lassen« ; zwei Abschriften des Hand-
schreibens, von denen eine für den Grafen Berchtold, die andere für
die Akten der Botschaft bestimmt war, wurden beigefügt.
3 Siehe Nr. 13.
4 Die Worte »als Gegengewicht« im Entwurf von Zimmermann beigefügt.
5 Die Worte »In Wilhelm« waren in der abgegangenen Ausfertigung
vom Kaiser eigenhändig geschrieben.