Nr. 29 Der Gesandte in Berlin an den Vorsitzenden im Ministerrat

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Nr. 29
Der Gesandte in Berlin an den Vorsitzenden im Ministerrat

Bericht 4201                                    Berlin, den 1. August 1914

     Heute 6 Uhr war die Lage folgende : Rußland hat das deutsche
Ultimatum, alle Kriegsrüstung gegen Deutschland und Österreich
einzustellen, bisher nicht beantwortet. Daraufhin ist nach der
Beschlußfassung im Bundesrat Rußland die Kriegserklärung für den
Fall zugestellt worden, daß es nicht dem Verlangen des Ultimatmns
entspricht. Es wird bezweifelt, ob hienach Rußland überhaupt
antwortet.
     Frankreich ist eine Verlängerung der Frist bis heute i Uhr
gewährt worden. Um 60 war die Antwort noch nicht da, was
aber mit Verzögerung der telegraphischen Beförderung zusammen-
hängen kann. Die Bemerkung des Reichskanzlers in seiner heutigen
Rede, die Antwort sei da, hat auf einem Irrtum beruht.
     Italien hat sich vom Dreibund losgelöst, indem es erklärte,
Österreich habe durch seinen Angriff auf Serbien Rußland de facto
angegriffen. Der casus foederis läge also nicht vor. Da von Wien
mitgeteilt worden ist, daß Österreich alle italienischen Forderungen
erfüllt habe, so ist die Stellung Italiens vielleicht noch keine end-
gültige. Hiefür hegen einige Anzeichen vor.
     Die Mobilmachungsordre ist heute um 530 nachm. nach einer
Beratung im Schloß vom Kaiser unterzeichnet worden.
     Genehmigen usw.

                                                            G.  H.  L e r c h e n f e l d


1 Bericht 419 ist eine Meldung über die Sitzung des Bundesrats vom 1. August.
Siehe dazu Band III Nr. 553.