Difference between revisions of "Nr. 339 Der Botschafter in Petersburg an den Reichskanzler, 29. Juli 1914"

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&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Auf dringenden Wunsch des Militärattachés, <br>
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Auf dringenden Wunsch des Militärattachés, <br>
Majors von Eggeling, welcher ausführhche Meldungen <br>
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Majors von Eggeling, welcher ausführliche Meldungen <br>
über die militärische Lage möglichst bald nach Berün <br>
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über die militärische Lage möglichst bald nach Berlin <br>
 
gelangen lassen möchte, schicke ich heute abend den <br>
 
gelangen lassen möchte, schicke ich heute abend den <br>
 
Feldjäger an die Grenze mit der Weisung, sofort <br>
 
Feldjäger an die Grenze mit der Weisung, sofort <br>
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Zurückweisung der Insinuation, als hätten wir in <br>
 
Zurückweisung der Insinuation, als hätten wir in <br>
 
der Absicht, einen Konflikt heraufzubeschwören, <br>
 
der Absicht, einen Konflikt heraufzubeschwören, <br>
Österreich-Ungarn angestiftet, hat hier eine sicht- <br>
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Österreich-Ungarn angestiftet, hat hier eine <i>sicht- <br>
liehe Beruhigung- hervorgerufen. <br>
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liche Beruhigung</i> hervorgerufen. <br>
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebenso atmet man erleichtert auf, daß bereits <br>
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ebenso atmet man erleichtert auf, daß bereits <br>
 
beinahe 48 Stunden vergangen sind, seitdem die un- <br>
 
beinahe 48 Stunden vergangen sind, seitdem die un- <br>
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&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Herr Sasonow ist jetzt sichtlich bemüht, einen <br>
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Herr Sasonow ist jetzt sichtlich bemüht, einen <br>
 
Ausweg zu finden. Er erkennt neuerdings sogar die <br>
 
Ausweg zu finden. Er erkennt neuerdings sogar die <br>
Berechtigung des österreichischen Vorgehens gegen <br>
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<i>Berechtigung des</i> österreichischen Vorgehens gegen <br>
Serbien im Prinzip an, gibt sich aber immer noch <br>
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Serbien <i>im Prinzip an</i>, gibt sich aber immer noch <br>
 
der Hoffnung hin, daß Österreich-Ungarn sich bereit <br>
 
der Hoffnung hin, daß Österreich-Ungarn sich bereit <br>
finden könnte, seine Forderungen in der Form ettuas <br>
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finden könnte, seine Forderungen in der Form <i>etwas <br>
lu mäßigen. Ich habe dem Minister gesagt, ich <br>
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zu mäßigen</i>. Ich habe dem Minister gesagt, ich <br>
könnte ihm in dieser Hinsicht gar keine Aussichten <br>
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könnte ihm in dieser Hinsicht <i>gar keine Aussichten <br>
eröffnen und ihm nur raten, falls er aus seinen Kon- <br>
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eröffnen</i> und ihm nur raten, falls er aus seinen Kon- <br>
versationen mit Graf Szäpäry Hoffnungen zu schöpfen <br>
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versationen mit Graf Szápáry Hoffnungen zu schöpfen <br>
glaube, sich direkt nach Wien zu wenden. <br>
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glaube, <i>sich direkt nach Wien zu wenden</i>. <br>
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Seit der gestrigen Unterredung des Ministers <br>
 
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mit meinem österreichisch-ungarischen Kollegen ist die <br>
 
mit meinem österreichisch-ungarischen Kollegen ist die <br>
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als gebessert hinzustellen und im Sinne der Beruhigung <br>
 
als gebessert hinzustellen und im Sinne der Beruhigung <br>
 
zu wirken. Die Presse hat offenbaj das mot d'ordre <br>
 
zu wirken. Die Presse hat offenbaj das mot d'ordre <br>
erhalten, unsere Erklärung, daß wir Österreich- <br>
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erhalten, unsere <i>Erklärung, daß wir Österreich- <br>
 
Ungarn nicht angestiftet hätten, als beruhigendes <br>
 
Ungarn nicht angestiftet hätten, als beruhigendes <br>
Symptom zu besprechen. <br>
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Symptom zu besprechen</i>. <br>
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aus Bankkreisen erfaiire ich, daß die deutliche <br>
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&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Aus Bankkreisen erfahre ich, daß die deutliche <br>
Besserimg in der Stimmung der heutigen Börse auf <br>
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Besserung in der Stimmung der heutigen Börse auf <br>
 
Einwirkung der Regierung zurückzuführen ist. Reichs- <br>
 
Einwirkung der Regierung zurückzuführen ist. Reichs- <br>
 
bank und Finanzministerium haben zu diesem Zwecke <br>
 
bank und Finanzministerium haben zu diesem Zwecke <br>
 
bei der Börse interveniert. <br>
 
bei der Börse interveniert. <br>
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Unterredung, zu welcher der Kriegsminister <br>
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Unterredung, zu welcher der Kriegsminister <br>
den Militärattache, Major von Eggeüng, gestern <br>
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den Militärattaché, Major von Eggeüng, gestern <br>
 
abend eingeladen hat, sollte ebenfalls offenbar dem <br>
 
abend eingeladen hat, sollte ebenfalls offenbar dem <br>
 
Zwecke der Beruhigtmg dienen. <br>
 
Zwecke der Beruhigtmg dienen. <br>
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Im allgemeinen ist von Kriegsbegeisterung hier <br>
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&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Im allgemeinen ist von Kriegsbegeisterung <i>hier <br>
wenig zu merken, und der Regierung dürfte es in <br>
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wenig zu merken, und der Regierung dürfte</i> es in <br>
diesem Augenblick schwer<sup>3</sup> werden, zu behaupten, <br>
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diesem <i>Augenblick schwer<sup>3</sup> werden, zu behaupten</i>, <br>
daß sie von der öffentlichen Meinung debordiert<sup>4</sup><br>
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daß sie von der <i>öffentlichen Meinung debordiert</i><sup>4</sup><br>
 
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&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Durchmarsch der aus dem Lager von <br>
 
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Krasnoje Selo zurückberufenen Truppen durch die <br>
 
Krasnoje Selo zurückberufenen Truppen durch die <br>
 
Straßen wird, wie ich mich selbst überzeugt habe, <br>
 
Straßen wird, wie ich mich selbst überzeugt habe, <br>
vom Publikum mit der größten Teilnahmslosigkeit <br>
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vom Publikum <i>mit der größten Teilnahmslosigkeit <br>
betrachtet, ohne daß jemand auch nur daran denkt, <br>
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betrachtet</i>, ohne daß jemand auch nur daran <i>denkt, <br>
dem Militär Ovationen zu bringen. <br>
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dem Militär Ovationen</i> zu bringen. <br>
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Spät in der Nacht soll es allerdings zu einigen <br>
 
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nationaHstischen Manifestationen auf dem Newski <br>
 
nationaHstischen Manifestationen auf dem Newski <br>
 
Prospekt gekommen sein. Im allgemeinen aber ge- <br>
 
Prospekt gekommen sein. Im allgemeinen aber ge- <br>
winnt man den Eindruck, daß die Stimmung ge- <br>
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winnt man den Eindruck, daß die <i>Stimmung ge- <br>
drückt ist. <br>
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drückt ist</i>. <br>
 
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zu Zusammenstößen mit der Arbeiterbevölkerung ge- <br>
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zu <i>Zusammenstößen mit der Arbeiterbevölkerung</i> ge- <br>
 
kommen. Etwas Bestimmtes darüber zu erfahren, <br>
 
kommen. Etwas Bestimmtes darüber zu erfahren, <br>
 
ist schwierig, da keine Nachrichten über diese Vor- <br>
 
ist schwierig, da keine Nachrichten über diese Vor- <br>

Revision as of 14:58, 24 June 2015

WWI Document Archive > Official Papers > Die Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914 — Volume 1 > Nr. 339.
Nr. 339
Der Botschafter in Petersburg an den Reichskanzler1



















dann muß die Mobil-
machung eingestellt
werden.













Nein !



ja





das war selbstver-
ständlich
wie kindisch !











sehr bezeichnend
und richtig!











gut

                             St. Petersburg, den 27. Juli 19142
     Auf dringenden Wunsch des Militärattachés,
Majors von Eggeling, welcher ausführliche Meldungen
über die militärische Lage möglichst bald nach Berlin
gelangen lassen möchte, schicke ich heute abend den
Feldjäger an die Grenze mit der Weisung, sofort
hierher zurückzukehren.
     Da mir bis zum Schluß der Expedition nur
wenig freie Zeit übrig bleibt, muß ich mich darauf
beschränken, Ew. Exz. kurz über die hiesige Situation
und Stimmung zu berichten.
     Seit gestern ist in der Haltung des Herrn
Sasonow eine ganz auffallende Änderung eingetreten,
die auch von meinen Kollegen konstatiert wird. Die
Erklärung, daß Österreich-Ungarn keine territorialen
Erwerbungen beabsichtigt und unsere entschiedene
Zurückweisung der Insinuation, als hätten wir in
der Absicht, einen Konflikt heraufzubeschwören,
Österreich-Ungarn angestiftet, hat hier eine sicht-
liche Beruhigung
hervorgerufen.
     Ebenso atmet man erleichtert auf, daß bereits
beinahe 48 Stunden vergangen sind, seitdem die un-
befriedigende Antwort Serbiens an Österreich-Ungarn
erfolgte, ohne daß man von einem Einrücken Öster-
reichs in Serbien gehört hat. Man hatte hier offen-
bar bestimmt damit gerechnet, daß eine Weigerung
Serbiens, die Forderungen Österreichs zu erfüllen, den
unmittelbaren Ausbruch der Feindseligkeiten zur
Folge haben werde.
     Herr Sasonow ist jetzt sichtlich bemüht, einen
Ausweg zu finden. Er erkennt neuerdings sogar die
Berechtigung des österreichischen Vorgehens gegen
Serbien im Prinzip an, gibt sich aber immer noch
der Hoffnung hin, daß Österreich-Ungarn sich bereit
finden könnte, seine Forderungen in der Form etwas
zu mäßigen
. Ich habe dem Minister gesagt, ich
könnte ihm in dieser Hinsicht gar keine Aussichten
eröffnen
und ihm nur raten, falls er aus seinen Kon-
versationen mit Graf Szápáry Hoffnungen zu schöpfen
glaube, sich direkt nach Wien zu wenden.
     Seit der gestrigen Unterredung des Ministers
mit meinem österreichisch-ungarischen Kollegen ist die
hiesige Regierung offenbar bestrebt, die Situation
als gebessert hinzustellen und im Sinne der Beruhigung
zu wirken. Die Presse hat offenbaj das mot d'ordre
erhalten, unsere Erklärung, daß wir Österreich-
Ungarn nicht angestiftet hätten, als beruhigendes
Symptom zu besprechen
.
     Aus Bankkreisen erfahre ich, daß die deutliche
Besserung in der Stimmung der heutigen Börse auf
Einwirkung der Regierung zurückzuführen ist. Reichs-
bank und Finanzministerium haben zu diesem Zwecke
bei der Börse interveniert.
     Die Unterredung, zu welcher der Kriegsminister
den Militärattaché, Major von Eggeüng, gestern
abend eingeladen hat, sollte ebenfalls offenbar dem
Zwecke der Beruhigtmg dienen.
     Im allgemeinen ist von Kriegsbegeisterung hier
wenig zu merken, und der Regierung dürfte
es in
diesem Augenblick schwer3 werden, zu behaupten,
daß sie von der öffentlichen Meinung debordiert4
werde.
     Der Durchmarsch der aus dem Lager von
Krasnoje Selo zurückberufenen Truppen durch die
Straßen wird, wie ich mich selbst überzeugt habe,
vom Publikum mit der größten Teilnahmslosigkeit
betrachtet
, ohne daß jemand auch nur daran denkt,
dem Militär Ovationen
zu bringen.
     Spät in der Nacht soll es allerdings zu einigen
nationaHstischen Manifestationen auf dem Newski
Prospekt gekommen sein. Im allgemeinen aber ge-
winnt man den Eindruck, daß die Stimmung ge-
drückt ist
.
     Heute nacht ist es auch anscheinend wieder
zu Zusammenstößen mit der Arbeiterbevölkerung ge-
kommen. Etwas Bestimmtes darüber zu erfahren,
ist schwierig, da keine Nachrichten über diese Vor-
gänge mehr veröffentlicht werden dürfen. Es war
aber deutlich zu hören, daß in einem vom Zentrum
der Stadt entfernten Viertel längere Zeit hindurch
geschossen wurde
.

                                                  F.   P o u r t a l è s


1 Nach der Ausfertigung.
2 Abgegangen am 27. Juli, Eingangsvermerk des Auswärtigen Amts: 29. Juli.
Am 30. Juli an den Kaiser gesandt, der durch Randverfügung Mitteilung nach
Wien, London und Paris anordnete, die indessen unterblieben ist; vom
Kaiser am 31. Juli ins Amt zurückgelangt.
3 »schwer« vom Kaiser zweimal unterstrichen.
4 »debordiert" vom Kaiser zweimal unterstrichen.