Difference between revisions of "Nr. 36. Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in London, 12. Juli 1914"

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wünschen unter allen Umständen Lokalisierung des Konflikts<sup>3</sup>. Hierzu <br>
 
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ermöglicht, der Austragung der Differenz<sup>4</sup> zwischen Österreich und <br>
 
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sich gegen diese dauernde Bedrohung von serbischer Seite zur Wehr <br>
setzt. Bitte in diesem Sinne tunlichst ^ auf die dortige Presse ein- <br>
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setzt. Bitte in diesem Sinne tunlichst<sup>5</sup> auf die dortige Presse ein- <br>
 
zuwirken, dabei aber sorgfältig alles vermeiden, was den Anschein <br>
 
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Revision as of 17:01, 8 May 2015

WWI Document Archive > Official Papers > Die Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914 — Volume 1 > Nr. 36.
Nr. 36
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in London1

Telegramm 155                               Berlin, den 12. Juli 19142
Geheim !

     Die Untersuching des Mordes von Sarajevo läßt immer deutlicher
erkennen, daß die geistigen Urheber in politischen und militärischen
Kreisen Belgrads sitzen. Es besteht die Möghchkeit, daß Österreich
sich infolgedessen zu ernsteren Maßnahmen gegen Serbien entschließen
und diese zu allgemeinen Komplikationen führen könnten. Wir
wünschen unter allen Umständen Lokalisierung des Konflikts3. Hierzu
ist es nötig, daß die öffentliche Meinung in Europa es ihren Regierungen
ermöglicht, der Austragung der Differenz4 zwischen Österreich und
Serbien ohne Parteinahme zuzusehen. Es ist daher erforderlich, daß
auch in der dortigen Presse schon jetzt eine Stimmung geschaffen
wird, die in dem Attentat ebenso wie seiner Zeit in der Ermordung
des serbischen Königspaares den Ausfluß einer mit dem Kultur-
gewissen Europas unvereinbaren politischen Verbrech er moral sieht
und die es begreiflich erscheinen läßt, daß die Nachbarmonarchie
sich gegen diese dauernde Bedrohung von serbischer Seite zur Wehr
setzt. Bitte in diesem Sinne tunlichst5 auf die dortige Presse ein-
zuwirken, dabei aber sorgfältig alles vermeiden, was den Anschein
erwecken könnte, als hetzten wir die Österreicher zum Kriege6.

                                        J a g o w


1 Nach dem Konzept. Entwurf von der Hand des Vortragenden Rats im
Auswärtigen Amt von Radowitz vom 7. Juli mit Änderungen Zimmermanns
vom 12. Juli.
2 Zum Haupttelegraphenamt 6^" nachm.
3 Der Satz »Es besteht Konflikts« von Zimmermann geändert aus
Radowitz' ursprünglichem Text: »Österreich scheint entschlossen, sich diese
Gelegenheit zur Abrechnung mit Serbien nicht entgehen zu lassen. Wir
stehen dieser Auffassung sympathisch gegenüber, wünschen aber einen
etwaigen Krieg lokalisiert zu sehen.« 
4 »Der Austragung der Differenz« von Zimmermann geändert aus Radowitz'
ursprünglichem: »dem Kampf«.
5 »tunlichst« von Zimmermann beigefügt.
6 Siehe Nr. 43 und 48.