Difference between revisions of "Nr. 361 Der Reichskanzler an den Botschafter in Wien, 29. Juli 1914"

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WWI Document Archive > Official Papers > Die Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914 — Volume 2 > Nr. 361.
Nr. 361
Der Reichskanzler an den Botschafter in Wien1

Telegramm 18   Berlin, den 29. Juli 19142

     Fürst Lichnowsky telegraphiert:

          »Die Mitglieder . . . . . . . . . . unberechtigt sein«3.

     Diese Äußerungen der österreichischen Diplomaten müssen als
Reflexe neuerer Wünsche und Aspirationen erscheinen. Ich betrachte
die Haltung der dortigen Regierung und ihr ungleichartiges Vor-
gehen bei den verschiedenen Regierungen mit wachsendem Befremden.

     In Petersburg erklärt sie territoriales Desinteressement, uns läßt sie
ganz im unklaren über ihr Programm, Rom speist sie mit nichts-
sagenden Redensarten über die Kompensationsfrage ab4, in London
verschenkt Graf Mensdorff Teile Serbiens an Bulgarien und Albanien
und setzt sich in Gegensatz zu den feierlichen Erklärungen Wiens
in Petersburg5. Aus diesen Widersprüchen muß ich den Schluß
ziehen, daß die in Telegramm Nr. 836 mitgeteilte Desavouierung des
Grafen Hoyos für die Galerie bestimmt war, und daß die dortige
Regierung sich mit Plänen trägt, deren Geheimhaltung vor uns sie
für angezeigt hält, um sich auf alle Fälle der deutschen Unter-
stützung zu versichern und nicht durch offene Bekanntgabe einem
eventuellen Refus auszusetzen.

     Vorstehende Bemerkungen sind z u n ä c h s t 7 zu Ew. Exz. persön-
licher Orientierung bestimmt. Den Grafen Berchtold bitte ich nur
darauf hinzuweisen, daß es sich empfehlen würde, einem Mißtrauen
gegen seine über die8 Integrität Serbiens den Mächten9 abgegebenen
Erklärungen vorzubeugen. Ich bitte ihn auch darauf aufmerksam
zu machen, daß die Instruktion an Baron Merey ItaHen kaum be-
friedigen kann10.

                                             B e t h m a n n   H o l l w e g


1 Nach dem Konzept. Entwurf von Bergens Hand mit Änderungen von
der Hand Stumms und Jagows. Siehe Nr. 340.
2 80 nachm. zum Haupttelegraphenamt gegeben.
3 Hier ist Lichnowskys Telegramm vom 28. Juli (Nr. 301) mit kleinen
Änderungen und unter Fortlassung der Sätze »Als die Nachricht
niedergeschmettert« und »daß es sich nicht bloß Beziehungen
beruht« eingefügt.
4 Der Abschniu »In Petersburg Kompensationsfrage ab« lautete
im Bergenschen Entwurf: »In Petersburg wird die Friedensschalmei ge-
blasen, den Bundesgenossen gegenüber glaubt die österreichisch-ungarische
Regierung sich verschlossen zeigen zu müssen; uns verweigert sie jede
Auskunft über ihr Programm, Rom eine Antwort auf die berechtigte Frage
nach der Interpretation des Art. VII des Dreibundvertrags«. Mit den Ände-
rungen Stumms lautete er kürzer: »In Petersburg wird die Friedens-
schalmei geblasen; uns läßt sie ganz im unklaren über ihr Programm,
Rom speist sie mit nichtssagenden Redensarten über die Kompensations-
frage ab«. Daraus entstand dann der endgültige Entwurf Jagows.
5 »in Petersburg« von Jagow beigefügt; ursprünglich hinter »Wiens« fol-
gendes »die territoriale Integrität Serbiens wahren zu wollen« des
Bergenschen Entwurfes von Jagow gestrichen.
6 Siehe Nr. 18.
7 »zunächst« von Stumm aus ursprünglichem »lediglich« Bergens geändert,
vom Reichskanzler unterstrichen, das Wort fehlt in der Entzifferung der
Wiener Botschaft. Dagegen sind dort die Worte »zu Ew. Exz. persön-
licher Orientierung« unterstrichen.
8 »einem Mißtrauen gegen seine über die« von Jagow aus ursprünglichem
»einer Umdeutung seiner bezüglich der« Bergens geändert.
9 »den Mächten« von Jagow beigefügt.
10 »Ich bitte . . . . . . . . . . befriedigen kann« von Jagow beigefügt.