Difference between revisions of "Nr. 441 Der Reichskanzler an den Botschafter in Wien, 30. Juli 1914"

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WWI Document Archive > Official Papers > Die Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914 — Volume 2 > Nr. 441.
Nr. 441
Der Reichskanzler an den Botschafter in Wien1

Telegramm 200

Dringend !                               Berlin, den 30. Juli 19142

     Wenn Wien, wie nach dem telephonischen Gespräch Ew. Exz.
mit Herrn von Stumm anzunehmen, jedes Einlenken, insonderheit
den letzten Grey 'sehen Vorschlag (Telegramm Nr. 192)3 ablehnt, ist
es kaum mehr möglich, Rußland die Schuld an der ausbrechenden
europäischen Konflagration zuzuschieben4. S. M. hat auf Bitten des
Zaren die Intervention in Wien übernommen, weil er sie nicht ab-
lehnen konnte, ohne den unwiderlegHchen Verdacht zu erzeugen, daß
wir den Krieg wollten. Das Gelingen dieser Intervention ist aller-
dings erschwert5, dadurch daß Rußland gegen Österreich mobilisiert
hat. Dies haben wir heute England6 mit dem Hinzufügen mitge-
teilt, daß wir eine Aufhaltung der russischen und französischen
Kriegsmaßnahmen in Petersburg und Paris bereits in freundlicher
Form angeregt hätten, einen neuen Schritt in dieser Richtung also
nur durch ein Ultimatum tun könnten, das den Krieg bedeuten
würde. Wir haben deshalb Sir Edward Grey nahegelegt, seinerseits
nachdrücklich in diesem Sinne in Paris und Petersburg zu wirken,
und erhalten soeben seine entsprechende Zusicherung durch Lich-
nowsky7. Glücken England diese Bestrebungen, während Wien alles
ablehnt, so dokumentiert Wien, daß es unbedingt einen Krieg will,
in den wir hineingezogen sind, während Rußland schuldfrei bleibt.
Das ergibt für uns der eigenen Nation gegenüber eine ganz unhalt-
bare Situation. Wir können deshalb nur dringend empfehlen, daß
Österreich den Greyschen Vorschlag annimmt, der seine Position in
jeder Beziehung wahrt.

     Ew. Exz. wollen sich sofort nachdrücklichst in diesem Sinne
Graf Berchtold, eventuell auch Graf Tisza gegenüber äußern.

     S. M. hat heute abend nachstehendes Telegramm an den Kaiser
Franz Joseph gerichtet :

     »Die persönliche Bitte des Zaren . . . . . . . . . . lassen wolltest«8.

                                                       v. Bethmann Hollweg


1 Nach dem Konzept von des Reichskanzlers Hand.
2 90 nachm. zum Haupttelegraphenamt gegeben, am 31. Juli 30 früh in Wien.
3 Siehe Nr. 395.
4 Im Entwurf des Kanzlers folgte hinter »zuzuschieben« zunächst: »Dann
aber kommen wir der eigenen Nation gegenüber in eine unhaltbare Lage«;
der Kanzler hat den Satz dann gestrichen, um ihn weiter unten in ähn-
licher Form aufzunehmen.
5 Vor »erschwert« zunächst vom Kanzler niedergeschriebenes »aufs Äußerste»,
hinter »erschwert« zunächst niedergeschriebenes »wenn nicht gefährdet«,
von ihm wieder gestrichen.
6 Siehe Nr. 409.
7 Siehe Nr. 435.
8 Hier ist das Telegramm des Kaisers an den Kaiser Franz Joseph vom
30. Juli (Nr. 437) eingefügt. Siehe auch Nr. 434, 440, 450, 451, 464, 465,
468 und 482.