Difference between revisions of "Nr. 46. Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien, 15. Juli 1914"

From World War I Document Archive
Jump to: navigation, search
 
(5 intermediate revisions by the same user not shown)
Line 1: Line 1:
[[Main_Page | WWI Document Archive ]] > [[Official Papers]] > [[Die Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914 &mdash; Volume 1]] > '''Nr. 1.'''<hr>
+
[[Main_Page | WWI Document Archive ]] > [[Official Papers]] > [[Die Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914 &mdash; Volume 1]] > '''Nr. 46.'''<hr>
  
 
<center>Nr. 46</center>
 
<center>Nr. 46</center>
  
<center><font size=4>'''Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien<sup>1</sup>'''</font></center>  
+
<center><font size=4>'''Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien<sup>1</sup>'''</font></center><br>
  
 
Geheim!&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Berlin, den 15. Juli 1914<sup>2</sup>  
 
Geheim!&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Berlin, den 15. Juli 1914<sup>2</sup>  
Line 9: Line 9:
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der k. Botschafter in Rom telegraphiert: <br>
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der k. Botschafter in Rom telegraphiert: <br>
  
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;»Obwohl Marquis di San Giuliano diesem Bei- <br>
+
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;»Obwohl Marquis di San Giuliano . . . . . . . . . diesem Bei- <br>
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;spiel folgten«<sup>3</sup><br>
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;spiel folgten«<sup>3</sup><br>
  
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;So austrophob im allgemeinen die itahenische öffentliche Meinung <br>
+
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;So austrophob im allgemeinen die italienische öffentliche Meinung <br>
 
ist, so serbophil hat sie sich bisher immer gezeigt. Es ist auch <br>
 
ist, so serbophil hat sie sich bisher immer gezeigt. Es ist auch <br>
 
für mich kein Zweifel, daß sie bei einem österreichisch-serbischen <br>
 
für mich kein Zweifel, daß sie bei einem österreichisch-serbischen <br>
 
Konflikt sich prononziert auf Seiten Serbiens stellen wird. Eine <br>
 
Konflikt sich prononziert auf Seiten Serbiens stellen wird. Eine <br>
territoriale Ausbreitimg der österreichisch-ungarischen Monarchie, <br>
+
territoriale Ausbreitung der österreichisch-ungarischen Monarchie, <br>
 
selbst eine Ausdehnung ihres Einflusses im Balkan wird in Italien <br>
 
selbst eine Ausdehnung ihres Einflusses im Balkan wird in Italien <br>
 
perhorresziert und als eine Schädigung der Position Italiens daselbst <br>
 
perhorresziert und als eine Schädigung der Position Italiens daselbst <br>
 
angesehen. Infolge einer optischen Täuschung wird angesichts der <br>
 
angesehen. Infolge einer optischen Täuschung wird angesichts der <br>
 
vermeintlichen Bedrohung durch das benachbarte Österreich die in <br>
 
vermeintlichen Bedrohung durch das benachbarte Österreich die in <br>
Wirkhchkeit viel größere slawische Gefahr verkannt. Ganz abgesehen <br>
+
Wirklichkeit viel größere slawische Gefahr verkannt. Ganz abgesehen <br>
davon, daß die Pohtik der Regierung in Itahen nicht unwesentlich <br>
+
davon, daß die Politik der Regierung in Italien nicht unwesentlich <br>
 
von den Stimmungen der öffentlichen Meinung abhängt, so beherrscht <br>
 
von den Stimmungen der öffentlichen Meinung abhängt, so beherrscht <br>
 
die obige Auffassung doch auch die Köpfe der Mehrzahl der <br>
 
die obige Auffassung doch auch die Köpfe der Mehrzahl der <br>
Line 38: Line 38:
 
verfolgenden Ziele in Serbien auseinandersetzt und es auf seiner <br>
 
verfolgenden Ziele in Serbien auseinandersetzt und es auf seiner <br>
 
Seite oder — da ein Konflikt mit Serbien allein keinen casus <br>
 
Seite oder — da ein Konflikt mit Serbien allein keinen casus <br>
fcEderis bedeutet — strikt neutral hält. Italien hat nach seinen <br>
+
fœderis bedeutet — strikt neutral hält. Italien hat nach seinen <br>
 
Abmachungen mit Österreich bei jeder Veränderung im Balkan <br>
 
Abmachungen mit Österreich bei jeder Veränderung im Balkan <br>
 
zugunsten der Donaumonarchie ein Recht auf Kompensationen. <br>
 
zugunsten der Donaumonarchie ein Recht auf Kompensationen. <br>
Line 47: Line 47:
 
dem Wunsche, sich auf der altera sponda der Adria festzusetzen, <br>
 
dem Wunsche, sich auf der altera sponda der Adria festzusetzen, <br>
 
zur Zeit abgekommen zu sein. <br>
 
zur Zeit abgekommen zu sein. <br>
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wie ich streng vertrauhch bemerke, dürfte als einzige voll- <br>
+
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wie ich streng vertraulich bemerke, dürfte als einzige voll- <br>
 
wertige Kompensation in Italien die Gewinnung des Trento erachtet <br>
 
wertige Kompensation in Italien die Gewinnung des Trento erachtet <br>
 
werden. Dieser Bissen wäre allerdings so fett, daß damit auch dgr <br>
 
werden. Dieser Bissen wäre allerdings so fett, daß damit auch dgr <br>
Line 55: Line 55:
 
vereinbar wäre, läßt sich nicht verkennen. Es fragt sich aber <br>
 
vereinbar wäre, läßt sich nicht verkennen. Es fragt sich aber <br>
 
andererseits, welchen Wert die Haltung Italiens für die österreichische <br>
 
andererseits, welchen Wert die Haltung Italiens für die österreichische <br>
Poütik hat, welchen Preis man dafür zahlen will, und ob der Preis <br>
+
Politik hat, welchen Preis man dafür zahlen will, und ob der Preis <br>
 
im Verhältnis zu dem anderwärts erstrebten Gewinne steht. <br>
 
im Verhältnis zu dem anderwärts erstrebten Gewinne steht. <br>
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ew. Exz. bitte ich, die Haltung Italiens zum Gegenstand einer <br>
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ew. Exz. bitte ich, die Haltung Italiens zum Gegenstand einer <br>
eingehenden vertrauhchen Rücksprache mit dem Grafen Berchtold <br>
+
eingehenden vertraulichen Rücksprache mit dem Grafen Berchtold <br>
 
zu machen und dabei eventuell auch die Frage der Kompensationen <br>
 
zu machen und dabei eventuell auch die Frage der Kompensationen <br>
 
zu berühren. Ob bei diesem Gespräch die Frage des Trento erwähnt <br>
 
zu berühren. Ob bei diesem Gespräch die Frage des Trento erwähnt <br>
 
werden kann, muß ich Ihrer Beurteilung und Kenntnis der dortigen <br>
 
werden kann, muß ich Ihrer Beurteilung und Kenntnis der dortigen <br>
Dispositionen anheimsteUen. <br>
+
Dispositionen anheimstellen. <br>
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Stellungnalime Italiens wird jedenfalls für Rußlands Haltung <br>
+
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Stellungnahme Italiens wird jedenfalls für Rußlands Haltung <br>
 
bei dem serbischen Konflikt von Bedeutung sein; sollte sich aus <br>
 
bei dem serbischen Konflikt von Bedeutung sein; sollte sich aus <br>
letzterem eine allgemeine Conflagration ei geben, so würde sie auch <br>
+
letzterem eine allgemeine Conflagration ergeben, so würde sie auch <br>
 
für uns von größter militärischer Wichtigkeit werden. <br>
 
für uns von größter militärischer Wichtigkeit werden. <br>
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zur Vermeidung von Mißverständnissen bemerke ich noch, daß <br>
 
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zur Vermeidung von Mißverständnissen bemerke ich noch, daß <br>
 
wir dem römischen Kabinett keinerlei Mitteilung über die Verhand- <br>
 
wir dem römischen Kabinett keinerlei Mitteilung über die Verhand- <br>
lungen zwischen Wien und Berhn gemacht haben, imd daß folghch <br>
+
lungen zwischen Wien und Berlin gemacht haben, und daß folglich <br>
 
auch die Kompensationsfrage von ims nicht erörtert worden ist. <br>
 
auch die Kompensationsfrage von ims nicht erörtert worden ist. <br>
  
  
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;V. &nbsp; J a g o w<br>
+
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;v. &nbsp; J a g o w<br>
  
 
<hr>
 
<hr>
 
<sup>1</sup> Nach dem Konzept von Jagows Hand. <br>
 
<sup>1</sup> Nach dem Konzept von Jagows Hand. <br>
 
 
<sup>2</sup> Abgegangen nach Wien: 15. Juli. <br>
 
<sup>2</sup> Abgegangen nach Wien: 15. Juli. <br>
 
+
<sup>3</sup> Hier ist das Telegramm Flotows vom 14. Juli (siehe [[Nr. 42. Der Botschafter in Rom an das Auswärtigen, 14. Juli 1914|Nr. 42]]) unter Aus- <br>
<sup>3</sup> Hier ist das Telegramm Flotows vom 14. Juli (siehe Nr. 42) unter Aus- <br>
+
lassung der Sätze »Weisungsgemäß . . . . . . . . . eingeweiht« und »Öster- <br>
lassung der Sätze »Weisungsgemäß eingeweiht« und »Öster- <br>
+
reichischer . . . . . . . . . . besteht« eingefügt. <br>
reichischer besteht« eingefügt. <br>
 

Latest revision as of 07:22, 10 June 2015

WWI Document Archive > Official Papers > Die Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914 — Volume 1 > Nr. 46.
Nr. 46
Der Staatssekretär des Auswärtigen an den Botschafter in Wien1

Geheim!                                                   Berlin, den 15. Juli 19142

     Der k. Botschafter in Rom telegraphiert:

                    »Obwohl Marquis di San Giuliano . . . . . . . . . diesem Bei-
               spiel folgten«3

     So austrophob im allgemeinen die italienische öffentliche Meinung
ist, so serbophil hat sie sich bisher immer gezeigt. Es ist auch
für mich kein Zweifel, daß sie bei einem österreichisch-serbischen
Konflikt sich prononziert auf Seiten Serbiens stellen wird. Eine
territoriale Ausbreitung der österreichisch-ungarischen Monarchie,
selbst eine Ausdehnung ihres Einflusses im Balkan wird in Italien
perhorresziert und als eine Schädigung der Position Italiens daselbst
angesehen. Infolge einer optischen Täuschung wird angesichts der
vermeintlichen Bedrohung durch das benachbarte Österreich die in
Wirklichkeit viel größere slawische Gefahr verkannt. Ganz abgesehen
davon, daß die Politik der Regierung in Italien nicht unwesentlich
von den Stimmungen der öffentlichen Meinung abhängt, so beherrscht
die obige Auffassung doch auch die Köpfe der Mehrzahl der
italienischen Staatsmänner. Ich habe bei ihnen jedesmal, wenn
eine Bedrohung Serbiens durch Österreich in Frage kam, eine
außerordentliche Nervosität konstatieren können. Durch eine Partei-
nahme Italiens für Serbien würde fraglos die russische Aktionslust
wesentlich ermutigt. In Petersburg würde man damit rechnen, daß
Italien nicht nur seinen Bundespflichten nicht nachkommt, sondern
sich womöglich direkt gegen Österreich- Ungarn wendet. Ein
Zusammenbruch der Monarchie würde für Italien ja auch die Aus-
sicht auf Gewinnung einiger langbegehrter Landesteile eröffnen.
     Es ist daher m, A. nach von größter Bedeutung, daß Wien
sich mit dem Kabinett von Rom über seine im Konfliktsfalle zu
verfolgenden Ziele in Serbien auseinandersetzt und es auf seiner
Seite oder — da ein Konflikt mit Serbien allein keinen casus
fœderis bedeutet — strikt neutral hält. Italien hat nach seinen
Abmachungen mit Österreich bei jeder Veränderung im Balkan
zugunsten der Donaumonarchie ein Recht auf Kompensationen.
Diese würden also das Objekt und den Köder für dje Verhand-
lungen mit Italien bilden. Nach unseren Nachrichten würde zum
Beispiel die Überlassung von Valona in Rom nicht als annehmbare
Kompensation angesehen werden. Italien scheint überhaupt von
dem Wunsche, sich auf der altera sponda der Adria festzusetzen,
zur Zeit abgekommen zu sein.
     Wie ich streng vertraulich bemerke, dürfte als einzige voll-
wertige Kompensation in Italien die Gewinnung des Trento erachtet
werden. Dieser Bissen wäre allerdings so fett, daß damit auch dgr
austrophoben öffenthchen Meinung der Mund gestopft werden könnte.
Daß die Hergabe eines alten Landesteils der Monarchie mit den
Gefühlen des Herrschers wie des Volkes in Österreich sehr schwer
vereinbar wäre, läßt sich nicht verkennen. Es fragt sich aber
andererseits, welchen Wert die Haltung Italiens für die österreichische
Politik hat, welchen Preis man dafür zahlen will, und ob der Preis
im Verhältnis zu dem anderwärts erstrebten Gewinne steht.
     Ew. Exz. bitte ich, die Haltung Italiens zum Gegenstand einer
eingehenden vertraulichen Rücksprache mit dem Grafen Berchtold
zu machen und dabei eventuell auch die Frage der Kompensationen
zu berühren. Ob bei diesem Gespräch die Frage des Trento erwähnt
werden kann, muß ich Ihrer Beurteilung und Kenntnis der dortigen
Dispositionen anheimstellen.
     Die Stellungnahme Italiens wird jedenfalls für Rußlands Haltung
bei dem serbischen Konflikt von Bedeutung sein; sollte sich aus
letzterem eine allgemeine Conflagration ergeben, so würde sie auch
für uns von größter militärischer Wichtigkeit werden.
     Zur Vermeidung von Mißverständnissen bemerke ich noch, daß
wir dem römischen Kabinett keinerlei Mitteilung über die Verhand-
lungen zwischen Wien und Berlin gemacht haben, und daß folglich
auch die Kompensationsfrage von ims nicht erörtert worden ist.


                                                                 v.   J a g o w


1 Nach dem Konzept von Jagows Hand.
2 Abgegangen nach Wien: 15. Juli.
3 Hier ist das Telegramm Flotows vom 14. Juli (siehe Nr. 42) unter Aus-
lassung der Sätze »Weisungsgemäß . . . . . . . . . eingeweiht« und »Öster-
reichischer . . . . . . . . . . besteht« eingefügt.