Nr. 496 Aufzeichnung des Staatssekretärs des Auswärtigen, 31. Juli 1914

From World War I Document Archive
Revision as of 22:18, 4 August 2015 by Rdh7 (talk | contribs) (Text replacement - "Kriegsausbruch 1914 — Volume 1" to "Kriegsausbruch 1914 — Volume 3")

Jump to: navigation, search
WWI Document Archive > Official Papers > Die Deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914 — Volume 3 > Nr. 496.
Nr. 496
Aufzeichnung des Staatssekretärs des Auswärtigen1

Berlin, den 31. Juli 19142

     Deutschland soll Wien, England will Petersburg sondieren, ob
es mögUch wäre, daß die vier desinteressierten Mächte Österreich
volle Satisfaktion seiner Forderungen an Serbien zu verschaffen suchen,
vorausgesetzt, daß letztere nicht Serbiens Souveränität und territoriale
Integrität verletzen.
     Österreich hat bereits erklärt, daß es bereit sei, Serbiens Integrität
und Souveränität zu respektieren.
     Die vier Mächte könnten Rußland benachrichtigen, daß sie es
übernehmen, daß Österreichs Forderungen nicht so weit gehen, daß
sie Serbiens Souveränität und Integrität verletzen.
     Natürlich müßten alle Mächte die mihtärischen Vorbereitungen
und Operationen suspendieren.
     Grey hat heute früh zu Lichnowsky gesagt3, daß, wenn Deutsch-
land es zuwege brächte, daß ein vernünftiger Vorschlag gemacht
würde, der es klar zutage legte, daß Deutschland und Österreich
versuchen, den europäischen Frieden zu bewahren, und daß Rußland
und Frankreich unvernünftig wären, wenn sie ihn zurückwiesen,
dann würde Sir E. Grey diesen Vorschlag in Paris und Petersburg
unterstützen und soweit gehen zu sagen, daß, wenn Rußland und
Frankreich ihn nicht annähmen, würde die englische Regierung sich
nicht mehr um die Konsequenzen kümmern. Andrerseits hat Grey
dem deutschen Botschafter gesagt, daß, wenn Frankreich beteiligt
würde, England auch hineingezogen würde.


1 Nach der Aufzeichnung von Jagows Hand. Vgl. hierzu englisches Blau-
buch 1914 Nr. III.
2 Präsentatvermerk von Jagows Hand: pr. 31.7.14. Eingangsvermerk des
Auswärtigen Amts: 1. August nachm.
3 Siehe Nr. 489.