Nr. 748 Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt, 3. August 1914

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Nr. 748
Der Botschafter in Rom an das Auswärtige Amt1

Telegramm 171 Rom, den 3. August 19142

     Von allen Seiten wird mir berichtet, daß ausschlaggebender Grund für Neutrahtät Italiens in Furcht vor inneren Unruhen bei Teilnahme am Kriege zu suchen ist. Bekanntlich gab mir das auch Marquis di San Giuliano, wenn auch widerwillig, zu verstehen3 Auch Konsulatsberichte äußern sich in diesem Sinne4.

     Nachdem sowohl österreichischer Botschafter und ich in schärfster Weise und mit Aufbietung aller Argumente für Teilnahme eingetreten sind, verspreche ich mir gegenüber Ministerrat im Augenblick nicht weiteren Erfolg. Dagegen gelange ich sowohl wie Baron von Merey durch einige auffallende Artikel der der Regierung nahestehenden Blätter wie »Popolo Romano«, »Giomale d'Italia« etc., welche Regierungshaltung und Neutralität kritisieren, zu der Ansicht, daß Marquis Giuliano Plan hat, sich durch öffentliche Meinung zu späterem Eintreten für uns zwingen zu lassen. Es steht damit im Einklang seine Erklärung 1, »er hoffe, vielleicht später Schritte für uns tun zu können«, 2, »er werde fortfahren, die Presse in einem für das Zusammengehen mit uns günstigen Sinne zu beeinflussen.« 

     Unter diesen Umständen würde ich glauben, daß es besser ist, einen offenen Bruch mit hier noch zu vermeiden, und werde mangels anderer Weisungen meine bereits sehr schroff gewordene Haltung zu- nächst danach einrichten.

     Auch ist zu erwägen, daß, auch nach Andeutungen des Marquis San Giuliano, schließlich nicht ganz ausgeschlossen ist, daß Italien sich gegen Österreich wenden könnte.

                                                                                F l o t o w


1 Nach der Entzifferung. 2 Aufgegeben in Rom 1140 vorm., angekommen im Auswärtigen Amt 345 nachm. Eingangsvermerk: 3. August nachm. Entzifferung am 3. August dem Kaiser gesandt. 3 Vgl. Nr. 614, 745 und 840. 4 Randbemerkung des Reichskanzlers vom 3. August: »Richtig«.